Weilheim und Umgebung

In der richtigen Stimmung

Daniel Blankenhorn aus Neidlingen kümmert sich um den Klang von Klavieren

In der richtigen Stimmung
In der richtigen Stimmung

Neidlingen. „Ich bin zwar in der Landwirtschaft groß geworden, wollte aber von klein auf etwas mit Musikinstrumenten machen. Klavierbauer zu werden war mein größter Wunsch“, erinnert sich Daniel

Blankenhorn an die Anfänge. Erst schien es nicht zu klappen, Ausbildungsplätze zum Klavierbauer sind eher selten. Doch wie das Schicksal es wollte, fand sich 1996 ein Ausbildungsplatz in Dettingen, also fast um die Ecke. Die einzige Schule in Deutschland ist zufälligerweise in Ludwigsburg.

Bei diesem Beruf gehören Musik und Handwerk eng zusammen. „Fast jeder Klavierstimmer ist auch Klavierbauer“, erklärt der 37-Jährige. Dass er etwas von seinem Handwerk versteht, zeigt sein erster Platz bei einem Stimmwettbewerb im Jahr 1999 des Bundes deutscher Klavierbauer.

Ohne Begabung und eine gutes Gehör könne man nicht Klavierstimmer sein, aber „man braucht auch Schulung und Übung“, ist Blankenhorns Erfahrung. Und man sollte Klavier spielen können, schmunzelt er, man muss ausprobieren können, ob man gut gearbeitet hat, wenn das Klavier gestimmt ist. Das Ohr ist das Heiligste eines Klavierstimmers. „Ich ziehe immer einen Gehörschutz auf, wenn es nötig ist, und meide Lärm. Man kann die Arbeit nur machen, wenn man gut hört“. Das Schönste an seiner Arbeit ist jedoch für Blankenhorn die Begegnung mit den Menschen, aber auch „aus einem Klavier, das schräg klingt, das keine Seele mehr hat, das Beste herauszuholen oder einen Flügel so zu richten, dass er wieder brilliert“.

Seit dem Jahr 2008 ist Daniel Blankenhorn selbstständig. „Ich brauche ja nicht mehr als meinen Werkzeugkoffer – da ist alles drin“, erzählt er schmunzelnd. Der Schritt in die Selbstständigkeit bot sich an, als in Familie Blankenhorn der erste Sohn zur Welt kam. „So können meine Frau und ich beide arbeiten, und uns beide auch um die Kinder kümmern, da ich meine Zeit frei und flexibel einteilen kann“. Inzwischen sind es drei Jungs, die auf ihrer kleinen Werkbank im Wohnzimmer des alten, schön renovierten Zuhauses schaffen und ihr handwerkliches Geschick erproben. „Und dann ging auf meinem Weg in die Selbstständigkeit noch eine Tür auf: Ein Klavierhaus suchte einen Klavierbauer in Teilzeit – da bin ich nun einen Tag in der Woche fest angestellt“, erzählt Blankenhorn.

Hauptsaison für den Klavierstimmer ist vor Weihnachten und von März bis Juni. Im Sommer sitzen die Leute nicht so viel am Klavier, ist seine Erfahrung. Bei der Arbeit des Klavierstimmens geht es viel um das „Hörempfinden“, wie die Kunden den Klang ihres Klaviers hören. „Das ist wie mit den Farben, das ist Empfindungssache. Für den einen ist ein Gelb eher sonnig, für den anderen eher zitronengelb. Als Klavierstimmer muss man das Hörempfinden des Kunden befriedigen. Dann ist der Kunde zufrieden“, ist Blankenhorns Erfahrung. Und so eine Kundenbeziehung ist dann auch stabil, da wird nicht gewechselt. Bis zu 60 Kilometer reist Blankenhorn an, um für seine Kunden alle zwei bis drei Jahre das Klavier wieder zu stimmen. „Meine Aufgabe ist, das Klavier so zu stimmen, dass der Kunde wieder Spaß am Spielen, Spaß an der Musik hat“, fasst Daniel Blankenhorn seine Aufgabe zusammen. Erst wenn das geschafft ist, kann er seinen kleinen, orangefarbenen Werkzeugkoffer zufrieden zuklappen und heimfahren, in sein Zuhause im Herzen Neidlingens.

Daniel Blankenhorn schafft es, schräg klingenden Klavieren wieder schöne Töne zu entlocken.Foto: Judith Reischl
Daniel Blankenhorn schafft es, schräg klingenden Klavieren wieder schöne Töne zu entlocken.Foto: Judith Reischl
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