Weilheim und Umgebung

In die Welt der Farben eintauchen

Ferienprogramm Ohne Vorkenntnisse in die eigene Bilderwelt finden: Kinder und Jugendliche sind mit Spaß beim kunterbunten Ausdrucksmalen im Schopflocher Atelier Kwoka dabei. Von Sabine Ackermann

Im Atelier Kwoka können die jungen Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen.Foto: S. Ackermann
Im Atelier Kwoka können die jungen Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Foto: S. Ackermann

Allzu große Erklärungen braucht es nicht: Zum einen sind die Kinder nicht zum ersten Mal im „Atelier für Ausdrucksmalen“, zum anderen haben sie sich schnell für eine Farbe entschieden. Und die wird erst mal auf das an der Wand hängende großformatige Papier aufgetragen. „Immer aus der Bewegung heraus, fließend und ohne dabei abzusetzen“, erklärt Heilmut Kwoka. Nach und nach schwindet das Weiß. Farben wie Blau, Rot oder Grün gewinnen die Oberhand, mal satt und kräftig, mal nur zart angedeutet. Mit etwas Abstand schauen die 14-jährige Ann-Kathrin, ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sabrina sowie Alexandra und Laurin - ebenfalls zwölf Jahre alt - auf das Bild, das im Grunde noch gar keines ist. Durch das unstrukturierte Auftragen nach Gefühl entstehen unterschiedliche Farbverläufe, aus denen die Probanden ihre für sie erkennbaren Motive entdecken. Doch was assoziieren die jungen Maler aus der einfarbigen Fläche? „Wenn man aus seinem Inneren heraus malt, entdeckt man etwas, was man sich selbst nie zugetraut hat“, sagt Heilmut Kwoka. Was ihn diesmal allerdings erstaunt, dass tatsächlich alle ein Tier auf ihrer Farbfläche gesehen haben. „Das ist eher ungewöhnlich, meis­tens sind es Bäume, Blumen oder eine Höhle“, weiß der 60-jährige Grund- und Hauptschullehrer, der seit 2003 Kurse für Kinder und Erwachsene anbietet. Diesmal sind es drei Mädchen und ein Junge, die im Rahmen des Sommerferienprogramms ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

„Fühlst du dich wohl?“, hakt Heilmut Kwoka bei Alexandra nach, die gerade konzentriert Zahn um Zahn ihrem Wolf ein Gebiss verleiht. Dann erzählt sie - wie jeder Teilnehmer - ihre Geschichte zum Bild. Es sei eine sehr besorgte Wolfsmutter, die aufgeregt und in Alarmbereitschaft nach ihrem Jungen heult. Links am Rand leuchtet der Mond und der knallrote Hintergrund passt gut zur Stimmung. „Oh, ich habe die Zunge übermalt“, ärgert sich derweil Laurin, der zwei Schlangen und eine schlaue Maus, die sich vor ihnen in einem Loch versteckt, gemalt hat. Bewusst hat er sich für diese Szenerie entschieden, auch der grüne Himmel musste sein. Passiert zwischendurch auch mal ein Malheur, lässt sich die Farbe mit einem Schwamm oder einem Spachtel wieder abnehmen.

„Dein Gras malst du am besten von unten nach oben, dann wirkt es nicht so plas­tisch“, erklärt Heilmut Kwoka währenddessen der 12-jährigen Sabrina. Die Nachbarn ihrer Oma hatten solch eine dunkle Gans, und auch die war ein bisschen dicker und ging neugierig und ohne Angst auf die Menschen zu, verrät die junge Künstlerin.

Intensiv betrachtet der Kunst-Experte auch Ann-Kathrins Bild. Darauf zu sehen ist ein einzelner Delfin. „Er ist noch jung und verspielt. Er schaut, ob jemand mitspielen möchte“, erklärt Ann-­Kathrin ihre Idee. Damit dies besser rüberkommt, hat Heilmut Kwoka einen Vorschlag: „Du malst rechts unten noch eine kleine Schwanzflosse eines Delfins, der herumschwimmt.“ Gesagt, getan, und schon ist der junge Delfin nicht mehr allein.

Kurz darauf zieht er Bilanz: „Ihr habt nun drei Stunden intensiv geschafft und seht lauter Sachen, mit denen ihr vorher nicht gerechnet habt.“ Die Bilder werden nicht analysiert oder interpretiert, sie bleiben in der positiven Selbstwahrnehmung der Malenden. Damit die jungen Künstler die Bilder auch gleich mitnehmen können, kommt als Letztes noch der Fön zum Einsatz.

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