Weilheim und Umgebung
In Holzmaden gibt’s saftige Neuigkeiten

Streuobst Die Ohmdener Familien-Mosterei Jensch hat nach Problemen mit Nachbarn in der Urweltgemeinde eine neue Heimat gefunden. Noch im September will sie die Obstpresse in Betrieb nehmen. Von Thomas Zapp

Das Holzmadener Gewerbegebiet bekommt einen fruchtig-frischen Neuzugang: Das Ohmdener Ehepaar Jensch lässt dort derzeit auf einer Fläche von mehr als 150 Quadratmetern eine Halle für ihre Mostpresse und Obstwaschanlage bauen. Sie entsteht direkt neben der Gemeinschaftsschuppenanlage am Wasen und fügt sich optisch perfekt ein. Was aussieht wie ein lang geplantes Projekt, ist aber eher aus der Not entstanden. „Wir hatten eigentlich schon den Umbau an unserem Wohnhaus in Ohmden fertig“, sagt Tanja Jensch. Dort hatten sie seit 2010 acht Wochen im Jahr Äpfel gemostet, und das auch nur an zweit Tagen in der Woche.
 

„Alle wollen regionale Produkte, aber die wenigsten tun etwas dafür.
Tanja Jensch
über ihre Hauptmotivation für das Projekt

 

„Wir haben dort nie vor 8 Uhr morgens angefangen“, betont Matthias Jensch. Umso weniger verstehen die beiden, dass ein Anwohner sich bei der Gemeinde beschwert hat – wegen Lärmbelästigung und erhöhten Verkehrsaufkommens. Dann tauchten Probleme wegen der gewerblichen Nutzung in einem Wohngebiet auf. „Wir dachten immer, das sei ein Mischgebiet“, sagt Tanja Jensch.

Mit offenen Armen empfangen

So oder so: Eine Lösung musste her. In Ohmden fand sich kein geeignetes Grundstück, also suchten die beiden in der Nachbargemeinde Holzmaden, und dort wurden sie ziemlich schnell fündig. Nicht nur das, man nahm sie mit offenen Armen auf. „Bürgermeister Schepp war uns sofort behilflich“, freut sich Matthias Jensch, und auch der Gemeinderat stimmte einstimmig für den saftigen Neuzugang. Freunde und Verwandte halfen mit einem zinslosen Darlehen. Das wird das Ehepaar nun in den kommenden Jahren zurückzahlen, je nachdem, wie die Ertragslage ist. „Ein Bankendarlehen hätten wir nicht riskieren können“, sagt er. 

Denn reich werden wollen und können die beiden mit ihrer Mosterei nicht. Matthias Jensch arbeitet im Hauptberuf bei einer Supermarktkette, betreut dort als Leiter für Gebäudemanagement und Anlagentechnik acht Filialen. Vielmehr geht es ihm und seiner Frau um die praktische Umsetzung einer Überzeugung: den Erhalt der Streuobstwiesen. Sie selbst haben von ihren Eltern Streuobstwiesen geerbt und wollen sie auch für ihre Kinder erhalten. Aus den Früchten Saft zu pressen, ist die einfachste Art, das Obst zu nutzen. „Das kommt der ganzen Region zugute“, sagt Bauleiter Robert ­Pfnür, der das ambitionierte Privatprojekt in den höchsten Tönen lobt.

Projekte mit Schulklassen

Profitiert davon haben auch Kinder und Jugendliche: „Wir haben viele Projekte mit Schulklassen gemacht. Schülerinnen und Schüler der Grundschule Ohmden waren alle zwei Jahre da und auch die Lese­klasse der Freihof-Grundschule aus Kirchheim war fast jährlich bei uns“, sagt Matthias Jensch. Man müsse bei kleinen Kindern anfangen und ihnen den Wert des heimischen Obstes vermitteln, ergänzt seine Frau. „Alle wollen eigentlich regionale Produkte, aber die wenigsten tun wirklich etwas dafür“, sagt sie.

Wer seine Obstkisten mit mindestens 100 Kilogramm Gewicht zur Familie Jensch bringt, bekommt auch den Saft aus seinen eigenen Früchten. Ebenso gilt die Regel: Wer etwas bringt, nimmt seinen Saft auch wieder mit. Außerdem wird der Apfelsaft auf 100 Grad erhitzt und damit haltbar gemacht. Dann kommt er in die fünf Liter Box mit dem Plastikbeutel. Auf diese Weise bringt das Ehepaar rund 50 bis 60 000 Liter Apfelsaft in die Bag-in-Box.

Die beiden Teilzeit-Saftunternehmer können es kaum noch erwarten, dass es losgeht. Am Freitag, 16. September, ist die Bauabnahme mit Vertretern des Landratsamtes geplant. „Wenn alles nach Plan läuft, können wir schon am 17. September für unsere Kunden mosten“, sagt Matthias Jensch. Sicher ist aber schon jetzt: Im Holzmadener Wasen stören sie niemanden mehr. Im Gegenteil: Mehrere Anwohner haben schon während der Bauarbeiten vorbeigeschaut, um zu wissen, wann es losgeht und sie ihr Obst vorbeibringen können.