Weilheim und Umgebung

Ist der Abriss der Limburghalle unausweichlich?

Die drei Fraktionen im Weilheimer Gemeinderat äußern sich gemeinsam zum Bürgerentscheid

Am Sonntag entscheidet Weilheim über den Bau einer neuen Kombihalle. Hier die Pressemitteilung der drei Gemeinderatsfraktionen FWV, SBV und UWV.

Weilheim. Viele Weilheimer verbinden mit der 54 Jahre alten Limburghalle Erinnerungen an schöne Feste und gute Gastronomie. Der Wunsch, diese zu erhalten, ist deshalb verständlich. Oberflächlich betrachtet, mag die Limburghalle ja noch einen guten Eindruck machen. Wer sich allerdings die Mühe macht, sich bei einer Besichtigung mit eigenen Augen ein Urteil zu bilden, wird feststellen, in welch besorgniserregendem Zustand der Limburghallenkomplex ist.

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Es wurden wesentliche Mängel an der Bausubstanz sowie an der Gebäudetechnik festgestellt. Tragende Teile der Halle – insbesondere der Beton unter dem Lehrschwimmbecken und bei den 18 Meter langen Deckenträgern über dem großen Saal – sind nicht mehr sanierungsfähig und müssen entfernt werden. Schon jetzt muss im Winter die Decke regelmäßig von der Schneelast befreit werden, um die Tragfähigkeit zu gewährleisten. Die Ursache des Wassereintritts im Fundamentbereich konnte nie geklärt werden.

Keiner der Gutachter oder Fachleute befürwortet eine Sanierung. Deshalb kann es, auch bei einem „Nein“ der Bürger, weder mit diesem, noch mit einem späteren Gemeinderat, eine Sanierung beziehungsweise Teilsanierung der Limburghalle oder des Restaurants mit Kosten von mindestens neun Millionen Euro geben. Es kann auch keinen Neubau am Helfersbergweg geben, weil sich Weilheim eine reine Festhalle, die in den nächsten 50  Jahren an über 300 Tagen im Jahr leer steht, einfach nicht leisten kann.

Vor diesen Tatsachen kann auch die Bürgerinitiative zum Erhalt der Limburghalle die Augen nicht verschließen. Bei einer Entscheidung, die für die nächsten 50 Jahre Fakten schaffen soll, ist es nicht zielführend, wenn aus emotionalen Gründen an der Vergangenheit festgehalten wird. 17 von 18 Gemeinderäte halten es für unverantwortlich, wider besseren Wissens, eine aus finanzieller Sicht nicht mögliche Sanierung der Halle zu befürworten.

Aus der umfassenden Befragung der Bürgerschaft zur Stadtentwicklung hatte sich unter anderem ergeben, dass das Thema Schwimmen als sehr wichtig angesehen wird. Deshalb hat der Gemeinderat unter Einbeziehung der Schulen und der betroffenen Vereine in einem drei Jahre dauernden Prozess der Entscheidungsfindung die finanziellen, zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten ausgelotet, um in Weilheim das Schwimmen sowie Schulsport und Turnen an der Grundschule auch weiterhin zu ermöglichen, ohne auf das Festen zu verzichten. Als Entscheidungshilfen wurden eine städtebauliche Machbarkeitsstudie, ein Verkehrsgutachten, ein Lärmgutachten sowie ein Gutachten zum Thema Schwimmen und Bäder erstellt.

Nach reiflicher Überlegung haben sich die Gemeinderäte, vor allem auch aus finanziellen Gründen, für den Bau einer multifunktionalen Turn- und Festhalle anstatt einer reinen Festhalle und einer reinen Turnhalle entschieden.

Wenn sich die Stadt einen finanziellen Spielraum für die Sanierung des Freibads und den Neubau eines Lehrschwimmbeckens erhalten will, kann sie sich aus Sicht der Fraktionen die Investitionskosten für den Bau von zwei neuen Hallen nicht leisten. Auch sei es fraglich, wie lange sich eine Stadt mit 10 000 Einwohnern den Unterhalt von sechs Hallen noch leisten kann. „Diesen Tatsachen müssen wir im Interesse der künftigen Generationen ins Auge sehen“, so der Tenor der Fraktionen.

Bei der repräsentativen Bürgerbefragung haben viele die Wohnraumsituation und den Mangel an Bauplätzen in Weilheim als Problem benannt. Durch die Bebauung des 14 000 Quadratmeter großen Areals am Helfersbergweg kann Abhilfe geschaffen werden.

Der Veräußerungserlös von drei Millionen Euro für die 1,4 Hektar große Grundstücksfläche an der Limburghalle – dabei sind die Kosten für den Abriss der Limburghalle und die Erschließung des Neubaugebiets bereits abgezogen –, gehört neben den Rücklagen zum Grundpfeiler einer soliden Finanzierung der neuen Turn- und Festhalle. Allerdings schrumpfen diese Rücklagen bis zum 31. Dezember 2016 auf voraussichtlich 600 000 Euro. Daher könne es sich Weilheim nicht leisten, auf Zuschüsse von voraussichtlich einer Million Euro aus Förderprogrammen, die nur bei einer Bebauung in der Innenstadt bei der Schule fließen, zu verzichten. Die Kosten für den noch ausstehenden Grunderwerb an der Lindach sowie für die Zufahrt zur neuen Tiefgarage sind in den genannten Baukosten enthalten. pm