Weilheim und Umgebung

„Ja, darf dui scho heirata?“

Die Weilheimer Angela und Karl Hack feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

Angela und Karl Hack in ihrem Garten.Foto:  Sabine Ackermann
Angela und Karl Hack in ihrem Garten.Foto: Sabine Ackermann

Jung gefreit hat nie gereut – Selten passt eine Redensart so gut wie zu den Hacks. Als sie sich das Eheversprechen gaben, waren sie 16 und 19 Jahre alt.

Sabine Ackermann

Weilheim. Es ist hell und freundlich in dem blitzblank geputzten Wohnzimmer. Karl Hack steht langsam aus seinem bequemen Sessel auf, wartet auf seine Frau Angela, die ihn fürsorglich zum Esstisch begleitet. Man spürt die Vertrautheit des Ehepaars, wenn sich der 79-Jährige von seiner drei Jahre jüngeren Frau helfen lässt. Schließlich steht morgen ein ganz besonderer Tag vor der Tür.

Damals, am 25. August 1956, hätte kaum jemand einen Pfifferling darauf gegeben, dass Karl und Angela Hack sechzig Jahre später dieses Jubelfest feiern würden. Kennengelernt haben sich das aus dem südmährischen Znaim stammende Mädchen und der waschechte Weilheimer kurz nach dem Krieg. Beide fanden Arbeit in der ehemaligen Weilheimer Weberei Faber und Becker, tauschten dort erste Blicke aus. Miteinander sprechen trauten sich beide nicht: „Reden während der Arbeitszeit war damals strikt verboten“, erinnert sich Karl Hack. Zum Glück spielte im Gasthaus Lamm die Musik. „Da hat mich Karl zum Tanzen aufgefordert“, verrät seine Frau. Von da an sahen sie sich immer öfter. Sie schwangen immer wieder das Tanzbein, anfangs mit Freunden in Häringen. Auch über die kommenden Jahre blieben sie ihrem Hobby treu. Heute geht das leider nicht mehr. Der Gesundheitszustand von Karl Hack lässt es nicht zu.

Vor der Hochzeit stellte ein Rathausmitarbeiter erst mal ganz verdutzt die Frage: „Ja, darf dui scho heirata?“ Es gab keine andere Möglichkeit, denn die junge Gisela war schwanger. Beide Mütter waren sehr in Sorge und mussten, wie zu jener Zeit üblich, gemeinsam mit ihren Sprösslingen beim Jugendamt sowie in der Firma vorstellig werden, um das „Problem“ zu besprechen. Die beiden Väter waren zu dem Zeitpunkt bereits verstorben. „Kann das überhaupt gut gehen?“, war einer der Sprüche, die sie hören mussten. Halb Weilheim wusste über den kleinen Skandal Bescheid.

Mangels Wohnung lebten sie selbst als Ehepaar mit Kind lange Zeit getrennt in ihrem jeweiligen Zuhause, bis Karl Hacks Mutter ein Zimmer erübrigen konnte, das nur durch einen Vorhang geschützt war. 1961 zogen sie in eine kleine Betriebswohnung in Weilheim. Jahre später bauten sie in der Kirchheimer Straße.

Beide haben bis zu ihrem Ruhestand gearbeitet und sich nie viel gegönnt. Als gemeinsames Hobby liebten sie die ersten drei Jahrzehnte das Skifahren. Angela Hack ist bis heute gerne im Garten, und ihr Mann Karl widmete sich lange Zeit seiner Märklin-Eisenbahn. Aufgrund seiner Herzoperationen und der Dialyse kann er heute fast gar nichts mehr machen.

Sohn Karl-Hermann, 59, Tochter Ursula-Tamara, 48, vier Enkel im Alter von 39 bis 16 Jahren und der zweieinhalbjährige Urenkel zählen heute zur engen Familie. „Wir haben immer zusammengestanden, hatten nie Angst, waren vielmehr zuversichtlich, dass wir zusammenbleiben werden“, bestätigen beide – und man glaubt es ihnen.

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