Weilheim und Umgebung

Jedes Stück ein Unikat

Einzigartige Weihnachtsengel aus Zell

Ein neues Färbungsverfahren wurde eigens für die Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf in der Integrativen Holzwerkstatt entwickelt. Ab 2016 erfreuen die beliebten Engel im neuen Gewand die Kundschaft.

Stolz auf die neuen Produkte mit dem neuen Muster sind die Mitarbeiter der integrativen Werkstatt.Foto: Sabine Ackermann
Stolz auf die neuen Produkte mit dem neuen Muster sind die Mitarbeiter der integrativen Werkstatt.Foto: Sabine Ackermann

Zell unter Aichelberg. Katrin, Lisa, Ramona und Moritz haben mithilfe ihres Werkstattmeisters Heinrich Götz alles vorbereitet. In gewollter Unordnung stehen Engel jeglicher Couleur und Größe auf ihrem Arbeitstisch, natürlich auch Exemplare aus der neuen Kollektion. Die Himmelsboten im völlig neuen Gewand soll es aber erst ab dem kommenden Jahr geben. Doch was genau hat sich verändert?

Anzeige

Die Form oder Figur ist es schon mal nicht, die gibt es weiterhin in drei Größen von 5, 10 und 14 Zentimetern. Es ist ihr Kleid. Der Zufall ist diesmal einer der Designer. Katrin zeigt wie‘s geht, wie sie das Muster gestaltet. Vor ihr steht ein Gefäß mit Wasser, und wer genau hinschaut, entdeckt auf der Oberfläche schwimmende Farbkleckse- oder Linien, augenblicklich in Orange und Weiß. Gleichmäßig taucht sie den Körper der Holzfigur in das Wasserbad und achtet penibel darauf, dass der Kopf nicht unter Wasser gerät. „Am besten sieht es aus, wenn ein „Krägele“ übrig bleibt“, erklärt Heinrich Gölz, der immer wieder fasziniert von der Arbeit seiner Schützlinge ist.

Heute albert das Quartett etwas herum, logisch, wo sie heute doch ihre Kunst vorführen dürfen. Also, bis zu den Schultern eintauchen und dann den Engel möglichst gleichmäßig wieder rausziehen. Und Katrin weiß genau, wie sie es machen muss, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Zu kurz im farbigen Wasserbad, kann sich die gewünschte Marmorierung nicht entfalten, und zu lange, wäre die Farbe zu satt, die gewollten verschlungenen Linien und kleinen Flächen kämen nicht zustande.

Die Integrative Holzwerkstatt hat das Marmorieren nicht erfunden. Aber hier, bei der Arbeits- und Lebensgemeinschaft Bad Boll, wo Behinderung, wo Menschen mit Unterstützungsbedarf normal sind, werden versteckte Talente entdeckt, gefordert und gefördert.

„Wir sind begeistert und sehen unsere neue Engel-Generation als Quantensprung in unserer Produktion. Die luftigen, transparenten, hellen Farben kommen dem ätherischen Wesen der Engel besonders nahe“, findet der ALB-Vorsitzende Dr. Günther Hofmann. Und auch Heinrich Götz ist ganz begeistert. „Durch die Holzmaserung und den unkontrollierbaren Farbenfluss entstehen bei jeder Figur außergewöhnliche Muster, die es wie Wolkengebilde am Himmel nur einmal gibt. So ist ein Produkt entstanden, das so einzigartig ist wie unsere Mitarbeiter selbst!“, betont der Werkstattleiter.