Weilheim und Umgebung

Jubiläum und Abschied zugleich

Bezirksposaunenwart Helmut Feuchter wird nach 25 Jahren verabschiedet

Wenn irgendjemand einen Job abgibt und es fällt gar nicht auf – dann war er wohl darin nicht besonders fleißig. Wenn aber einer das tut und gleich drei Nachfolger bekommt, dann war er wohl sehr engagiert. Beim Bezirksposaunenwart Helmut Feuchter war das der Fall – und das 25 Jahre lang.

Jubiläum und Abschied zugleich
Jubiläum und Abschied zugleich

Weilheim. Helmut Feuchter galt als Vaterfigur der Bezirksposaunenarbeit. Das kann seinem Nachfolgetrio nicht passieren. Doch Monika Röhm, Melanie Kiltz und Carolin Däschler könnten ja zu Mutterfiguren werden. Sie teilen sich die lange Liste an Aufgaben, die so ein ehrenamtlicher Bezirksposaunenwart hat. Einen offiziellen Aufgabenkatalog gibt es aber gar nicht, denn jeder Kirchenbezirk ist anders.

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Die evangelische Posaunenarbeit im Land ist beim Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) angesiedelt. Dort gibt es einen Landesposaunenwart, Kirchenmusikdirektor Hans-Ulrich Nonnenmann, und natürlich Treffen der Bezirksposaunenwarte. Sie sichten neue Noten und geben sie an die Posaunenchöre in ihrem Kirchenbezirk weiter. In Kirchheim gibt es deren zwölf. Feuchter ist zweifach selbst Leiter: zum einen beim Teckbläserdienst, einem Auswahlensemble des Bezirks, und in Weilheim. Den Weilheimern bleibt er weiterhin erhalten. „Legen Sie noch ein paar Jährchen dazu“, bat ihn Bürgermeister Johannes Züfle bei der Verabschiedung in der Peterskirche und fügte schmunzelnd hinzu: „Nicht dass Sie zu Hause Ihrer Frau zu sehr zur Last fallen.“

Ein Bezirksposaunenwart pflegt den Kontakt zwischen Bezirks- und Landesebene und zwischen den Chören und will das musikalische Niveau angleichen – in welchem Umfang, das hängt auch von der Nachfrage durch die Chorleiter ab. „Ich bin niemandem auf die Pelle gerückt“, sagte Feuchter. Gemeinsam mit der Jugendreferentin Irene Günther begann er die jährliche Bläserschulung auf dem Sankt Georgenhof. Sie fand inzwischen 22 Mal statt. Als irgendwann der Jugendreferent terminlich ausfiel, übernahm Feuchter zum musikalischen auch noch den organisatorischen Teil, und dabei blieb es seither. Alle zwei Jahre war er für den Bezirksposaunentag zuständig. Nun wurde er bei einem solchen verabschiedet. Dabei überreichte ihm Nonnenmann das goldene Weltbundabzeichen des CVJM. Bläser bekommen es nach 60 Jahren, sagte er, Chorleiter nach 40, Bezirksposaunenwarte schon nach 25 Jahren.

Die Predigt hielt Dekan i. R. Klaus Scheffbuch. Er hat schon selbst mit dem „größten Posaunenchor der Welt“ beim Landesposaunentag in Ulm gespielt. „Da war ich als Bläser ein winziger Mosaikstein.“ Er beschrieb, wie Menschen trotz bestem Willen für das Gute scheitern und in den Zusammenhang der Sünde verstrickt sind – er selbst etwa als VW-Fahrer. Er warnte vor Selbstgerechtigkeit. „Niemand kann sich selbst gerecht werden. Das gilt vor Gericht nicht.“

Pfarrer Matthias Hennig zitierte Luthers Gedanken zum Lob: Viel Lob sei für den Gelobten gefährlich, nicht loben hingegen für den Schweiger. „Wir sind entschlossen, Sie in Gefahr zu bringen“, sagte er zu Feuchter, bevor es für ihn Lob und Geschenke von allen Seiten gab. „Wir können Gott danken, dass es Menschen wie ihn gibt, die viel Gutes tun, in der Kirche und außerhalb“, sagte Züfle. Durch die Posaunenarbeit könnten Menschen in der Stadt ein Hobby ausüben, der Veranstaltungskalender werde auch außerhalb von Gottesdiensten bereichert, und es gebe eine gute Jugendarbeit.

Dekanin Renate Kath spendete Feuchter einen Segen für den vor ihm liegenden Weg. Dieser führt ihn mit seiner Frau auch ins Allgäu, denn Klaus Pertschy vom Bezirksjugendwerk überreichte beiden einen Gutschein für eine Pension. Dazu gab es von den Posaunenchören unter anderem ein Brotback-Starterkit, ein Vesperkörble, einen edlen Tropfen – „so spritzig, zuweilen überschäumend wie Feuchter“ –, Socken, Kirschwasser und endlich Ersatz für die 50 Jahre alten Campingstühle des Paars. Die pfiffigsten Dankeswünsche kamen von drei jungen Damen aus Bissingen, die Feuchter im Trio das abgewandelte Tischgebet „We wanna thank you very kindly for this good good job“ sangen.

Jubiläum und Abschied zugleich
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