Weilheim und Umgebung

Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Bürgermeisterwahl Großes Interesse an den Bewerbern für die Nachfolge von Schultes Werner Link in Zell. Beide sind Verwaltungsfachleute, der eine kommt aus Jesingen, der andere aus dem Ort. Von Jürgen Schäfer

Die zwei Kandidaten: Daniel Vollmer (links) und Christopher Flik bei der Vorstellung in der vollen Gemeindehalle.Foto: Birgit Eh
Die zwei Kandidaten: Daniel Vollmer (links) und Christopher Flik bei der Vorstellung in der vollen Gemeindehalle.Foto: Birgit Ehrcke

An die 500 Zeller dürften es gewesen sein, die die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am Sonntag sehen und hören wollten. Der scheidende Bürgermeister Werner Link verriet, dass es für ihn ein merkwürdiges und schönes Gefühl sei, heute hier auf der Bühne zu stehen - „ich freue mich auf den Ruhestand“. Er empfahl den Besuchern, den Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. „Die Bürgermeister in Zell bleiben meistens 32 Jahre.“ Die Zeit wurde dann nicht ganz ausgeschöpft, nicht von den Kandidaten, die 20 Minuten für ihre Vorstellung hatten, und auch nicht von den Zellern, die anschließend je 20 Minuten fragen konnten.

Er sei begeistert von Zell und Pliensbach, motiviert bis in die Haarspitzen, Verwaltungsmann und mit dem Blick von außen: So präsentierte sich Christopher Flik, hauptamtlicher Ortsvorsteher von Jesingen, mit 26 Jahren schon zehn Jahre in der Verwaltung, erst im mittleren und dann im gehobenen Dienst. Durch seine Arbeit in Jesingen sei er schon in einigen Themen drin, die in Zell anstehen. Kommunalpolitik habe er mit der Muttermilch aufgesogen - sein Großvater war auch schon Ortsvorsteher. Die Erhaltung des dörflichen Charakters sei ihm wichtig, Er komme aus einem Dorf und kenne den Wert der Kulturlandschaft. Die grüne Mitte von Zell wolle er zu einem Treffpunkt für Alt und Jung entwickeln. Grundsätzlich richtig finde er das geplante Baugebiet Rohrwiesenäcker, sagte Flik, weil es den Druck auf den Wohnungsmarkt gebe. Im Baugebiet sei eine gewisse Dichte notwendig, unterschiedliche Wohnformen würden dem Bedarf gerecht und daraus könne man auch mehr machen - Beispiel Mehrgenerationenwohnen. Tempo 30 könne er sich auf den verbliebenen Durchgangsstraßen vorstellen, die noch Tempo 50 haben.

Langfristig brauche Zell zwei Hallen, sagte Flik, die Gemeindehalle reiche nicht mehr und könnte dann dem sozialen und kulturellen Leben dienen. Wettkampfsport sei hier nicht möglich. Noch eine Halle?, fragte ein Zuhörer, das sei doch Landverbrauch. Man müsse alle drei Säulen der Nachhaltigkeit berücksichtigen, sagt Flik, das soziale, ökologische und ökonomische. „Eine Sporthalle ist soziale Nachhaltigkeit“. Frühzeitige Bürgerbeteiligung wäre sein Stil. Beim Stadionbau, der durch Bürgerentscheid eine Mehrheit gefunden habe, sei die Frage des Wie entscheidend, sodass auch Kritiker mitgenommen würden.

Der zweite Bewerber, Daniel Vollmer, kommt aus Zell, und ihm sei es eine Herzensangelegenheit, in seiner Heimatgemeinde, „die ich liebe“, als Bürgermeister zu kandidieren. Er ist ebenfalls Verwaltungsmann und stehe für Transparenz und Bürgernähe. Für Neutralität, sagt er, und betonte das auf Nachfrage aus dem Publikum, wie er denn der Befürchtung entgegentrete, dass er beeinflusst werden könnte. „Freundlich, offen, ehrlich“, nannte Vollmer als seine Stärken, nach denen er gefragt wurde, und bei den Schwächen: „Ich möchte zu viel auf einmal. Ich kann oft nicht Nein sagen.“ Flik wurde dasselbe gefragt und nannte Durchsetzungsvermögen, Geradlinigkeit und Loyalität als seine Stärken, als seine Schwächen die Ungeduld. Weitere schlagfertige Antwort: „Geben Sie mir Ihre Stimme, dann haben Sie acht Jahre Zeit, meine zwei weiteren Schwächen kennenzulernen.“

Verwaltungsmann Vollmer (35) ist schon 20 Jahre beim Landrats- amt, Verkehrsthemen sind seine tägliche Arbeit. Dazu gehörten die touristischen Radrouten. Beim bevorstehenden Stadtradeln sei er der Teamkapitän im Landratsamt. „Radeln Sie mit“, ermuntert er die Zuhörer. Wichtig findet er die Busanbindung nach Kirchheim - ein großes Thema auch für Flik, der als Jesinger die Vorzüge der S-Bahn und des Flughafenbusses kennt. Froh ist Vollmer über den Beitritt des Kreises zum Verkehrsverbund Stuttgart ab 2021. Das biete neue Möglichkeiten. Vollmer will sich im Falle seiner Wahl „reinknien, anpacken, die Ärmel hochkrempeln“. Für heimische Produkte würde er sich einsetzen, um aktiv etwas für die Kulturlandschaft zu tun. Seine Idee: ein Obsttag.

Anzeige