Weilheim und Umgebung

Keine Provinz ohne Krimi

Lesung „An der Kante“ heißt Jochen Benders aktueller Regiokrimi, den er jetzt im Neidlinger Lamm vorstellte. Es geht – natürlich – um Mord. Von Sabine Ackermann

Sympathisch, aber etwas emotionslos präsentierte sich Autor Bender im Lamm.Foto: Sabine Ackermann
Sympathisch, aber etwas emotionslos präsentierte sich Autor Bender im Lamm.Foto: Sabine Ackermann

Nein, blutrünstig sind Jochen Benders Krimis nicht gerade. Wenn-gleich – Mord bleibt Mord, und ohne dieses Gewaltverbrechen geht es bei dem Stuttgarter Autor nun mal nicht. Mord oder Selbstmord? Wer weiß das schon so genau, manchmal bedarf es ja laut des Krimiautors nur eines leichten Schubses und eines „Hoppela“, schon befindet man sich unfreiwillig am Fuße des und nicht auf dem Mörikefelsen. Oder war es ein Unfall oder der Tote doch des Lebens müde?

Drei Jahre, nachdem sich das Opfer vom Mörikefels gestürzt hatte, bekommt der Bruder eine anonyme SMS, die behauptet, es handelt sich um Mord. Kommissarin Anita Schenk von der Stuttgarter Mordkommission beginnt zu ermitteln und stößt schnell auf Zusammenhänge mit einem aktuellen Mordfall beim Stuttgarter Woodpecker Trail.

Ein Dutzend vorwiegend älterer Besucher wollte den Menschen kennenlernen, dessen sechster Krimi nicht nur auf die Schwäbische Alb, sondern auch bis nach Afrika führt. Und sie erlebten in der Gaststätte Lamm in Neidlingen einen sehr sympathischen 50-Jährigen, der mit seinem Humor die Zuschauer gleich auf seiner Seite hatte.

Ein Knaller und cleverer Herzensöffner: die Banane an der Hundeleine. „Psychologen machen manchmal komische Dinge“, sagt er dazu, denn diese Aktion spiele auch im Buch eine kleine Rolle. Und weil bis zur vierten Lesung die meisten Zuhörer diese Passage nicht verstanden haben, führt er diesmal diese besondere Kontaktaufnahme mittels eines imaginären Hundes direkt vor. „Eine Kontaktaufnahme, mit jemandem befreundet sein wollen, gestaltet sich oft als sehr schwierig. Das sind irrationale Ängste, da hilft es oft, wenn man etwas richtig Blödes macht“, erklärt der Diplom-Psychologe, der bei einer beruflichen Beratungsstelle arbeitet. Zuvor war er unter anderem in zwei Behinderteneinrichtungen, einem Frauengefängnis, einer Klinik und einer Suchtberatungsstelle tätig, lautet Jochen Benders Werdegang. Nichtsdestotrotz, Banane „Wuffi“, die auch im Buch eine kleine Rolle spielt, kam beim Publikum gut an.

Allerdings hält er beim Vorlesen mit seinen Emotionen hinterm Berg. Da agiert er monoton und emotionslos, ohne Stimmfärbungen bei Darstellung der unterschiedlichen Persönlichkeiten, ohne große Höhen und Tiefen. Schade, nur zwei, drei Mal offenbart sein Tonfall das dazugehörige Gefühlsleben. Ansonsten macht sein Buch Lust auf mehr, die zwölf Zeugen waren hellauf begeistert.

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