Weilheim und Umgebung

Kilos verloren, Erfahrung gewonnen

Ausland Fabian Chittaro aus Bissingen musste fast zwei Wochen in einer Schule in Buenos Aires auf seinen Rückflug warten. Nun ist er endlich wieder nach Hause gekommen. Von Thomas Zapp

Fabian Chittaro. Foto: Jean-Luc Jacques
Fabian Chittaro. Foto: Jean-Luc Jacques

Er ist zehn Kilo leichter als vor seinem Abenteuer, aber dafür um eine unvergessliche Erfahrung reicher: Knapp zwei Wochen musste der Bissinger Fabian Chittaro in einer Schule in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires ausharren, bis am 1. April endlich die erlösende Nachricht kam. Zum Glück für ihn war es kein Aprilscherz, dass er tags darauf beim nächsten Rückholflug der Bundesregierung mit an Bord sein würde. „Ich lag auf der Matte im Klassenzimmer und sah Netflix, da hörte ich auf dem Gang Freudengeschrei“, erinnert sich der 19-Jährige an den Moment, den er und etwa zehn weitere Freiwillige herbeigesehnt hatten. „Am Abend vorher hatten wir uns noch zusammengesetzt, um zu überlegen, wie wir mit unserem Geld haushalten. Wir sind davon ausgegangen, dass wir vielleicht noch einen Monat aushalten müssen“, erzählt Fabian Chittaro, der mittlerweile wieder glücklich im Kreise seiner Familie in Bissingen gelandet ist.

Die Corona-Krise hatte den 19-Jährigen während seines Freiwilligenjahrs mit dem „Verein der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in Argentinien erwischt (Der Teckbote berichtete). Von seinem Dienstort in Cordoba im Landesinneren hatte er es gerade noch bis in die Hauptstadt Buenos Aires geschafft, musste dann aber in einer leeren Schule darauf warten, dass er einen der von der Bundesregierung organisierten Rückholflüge bekam. Die Platzsituation in den Flügen erwies sich als überaus schwierig, zumal anfänglich auch nur wenige gingen. So mussten die jungen Leute eine zunächst unbestimmte Zeit warten und sich die Zeit vertreiben, mit Kochen, Basketball spielen und vielen Unterhaltungen. „Wir sind wie eine Familie geworden“, denkt er gerne an die Zeit zurück, in der trotz oder wegen aller Schwierigkeiten echte Freundschaften entstanden sind. Wenn Fabian heute überlegt, was er eigentlich die ganze Zeit gemacht hat, muss er länger nachdenken und kommt vor allem auf reden und kochen.

Umso heftiger kam dann der Einschnitt an jenem 1. April: Plötzlich ging alles ganz schnell, schon für den nächsten Tag war die Abfahrt organisiert. Der Verein stellte den Freiwilligendienstlern einen Doppeldecker-Bus für die Fahrt zur Verfügung. „Zum Glück haben sie uns Papiere ausgestellt, mit denen kamen wir problemlos durch die Polizeisperren bis zum Flughafen“, erzählt er. Buenos Aires ist abgeschottet und der Flughafen über die Hauptverkehrsadern schwer zu erreichen. Überhaupt ist die Polizeipräsenz in Buenos Aires deutlich höher als in Deutschland. Das bekamen andere von der Freiwilligenorganisation zu spüren. „Die kamen direkt mit einem Taxi von ihren Gastfamilien und kamen nicht auf die Autobahnen, weil die Polizei sie nicht passieren ließ.“

Andere Dinge wurden in Argentinien nicht so eng gesehen, etwa das Abstandsgebot von 1,50 bis 2 Meter. „Als mich ein Kumpel vom Flughafen in Frankfurt abholte, wollte ich ihn umarmen, aber er sagte mir, dass das nicht gehe“, erzählt der Bissinger. Zuhause begrüßten ihn die Mutter und Schwester trotzdem herzlich. „In der Küche stand schwäbische Pizza, die hab ich gegessen während die Oma anrief. Das war alles total unwirklich, ich konnte gar nicht glauben, dass ich zu Hause war.“

Nach mittlerweile zwei Wochen kann er auch seine häusliche Quarantäne verlassen und überlegt nun, was er mit seiner neu gewonnen Freiheit anfangen kann. „Ich könnte mir vorstellen, im Supermarkt zu jobben,“, sagt er. Parallel wird Fabian überlegen, ob er künftig einen sozialen oder handwerklichen Beruf ergreifen wird. Die Voraussetzungen bringt er mit: Schließlich hat er in Argentinien als Hausmeister gearbeitet, und das Soziale hat er unter Extrembedingungen studieren können.

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