Weilheim und Umgebung

Kita bekommt fünf Finger

Betreuung In Weilheim geht es mit den Planungen für die neue Kindertagesstätte in der Schellingstraße voran. Jetzt steht fest, wie der Grundriss aussehen soll. Von Bianca Lütz-Holoch

Ein weiterer Schritt in Richtung neue Kindertagesstätte in Weilheim ist getan: Weilheims Gemeinderat hat sich nun für eine Grundrissvariante entschieden und grünes Licht für die weiteren Planungen gegeben. Aussehen soll der Bau wie eine Hand mit fünf Fingern.

Dass das Städtle möglichst schnell eine neue, zukunftsfähige Kita braucht, um den Bedürfnissen von Familien im Ort gerecht zu werden und den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu erfüllen, daran hatte es nie Zweifel gegeben. Auch der richtige Standort - die Schellingstraße beim Bildungszentrum Wühle - war relativ schnell gefunden.

Trotzdem hatten die Gemeinderäte im April die Notbremse gezogen. Grund war ihre Unzufriedenheit mit der Vorarbeit des beauftragten Architekten gewesen. Mit seinen Entwürfen und Ausführungen hatte der Ulmer Architekt Jens Rannow die Stadträte bei seinen ersten zwei Besuchen in Weilheim nicht überzeugen können: Sie wollten Alternativen zu dem schon damals anvisierten Fünf-Finger-Bau sehen, detailliertere Grundrisse und aktuellere Kostenberechnungen vorgelegt bekommen.

Fahrt nach Ulm bringt die Wende

Entgegen des Bestrebens der Verwaltung hatte es deshalb auch im April noch kein grünes Licht für weitere Planungen zur Kita gegeben. Eine Besichtigungsfahrt von Gemeinderat und Verwaltung mit dem Architekten zu drei von seinem Büro geplanten Kindertagesstätten in Ulm schließlich ließ den Knoten platzen. Weilheims Bürgervertreter zeigten sich nun jedenfalls versöhnt mit dem Architekten und seinen Konzepten.

„Es ist gut, dass wir uns noch mal die Zeit genommen und die Kitas vor Ort angeschaut haben“, so der Tenor im Ratsrund. Die Entscheidung über den Grundriss - zur Wahl standen eine offene, eine geschlossene und eine lange Variante - ging dann auch zugunsten des von Architekt und Verwaltung von Anfang an favorisierten offenen Grundrisses aus. Die Mehrheit war mit neun zu acht Stimmen hauchdünn.

Die offene Variante sieht vor, dass die Gruppenräume wie fünf Finger angeordnet und nach Süden ausgerichtet sind: Ohnehin spielt sich das „Leben“ dort ab, etwa im Garten. Küche, Lager, Technik und Teamzimmer dagegen liegen wie eine „Handfläche“ im Norden des Baus. Zu benachbarten Schule wird - wie gewünscht - ein gebührender Abstand gehalten.

Geplant ist, die neue Kita in zwei Bauabschnitten zu errichten: Zunächst werden die Funktionsräume und drei Gruppenräume gebaut. Zwei davon werden für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren benötigt, eine soll zur Ganztagsgruppe für über Dreijährige werden. In einem zweiten Abschnitt können zwei weitere Gruppenräume folgen.

Gebaut wird in Holzrahmenbauweise. Das geht schneller als die klassische Art. „Bei der Holzrahmenbauweise rechnen wir ab Baugenehmigung rund ein Jahr Bauzeit, sonst wären es etwa 1,5 Jahre“, erläutert Kurt Linsenmayer vom Hochbauamt der Stadt Weilheim. „Mit unserem Wandaufbau erreichen wir Passivhaus-Standard“, informiert Architekt Jens Rannow. Er bricht zudem eine Lanze für Zellulose als Dämmstoff. „So gelingt es uns, ein hoch gedämmtes Gebäude wirklich energetisch nachhaltig zu gestalten.“

Ende 2019 könnte die neue Kita stehen

Der Bedarf für eine neue Kita in Weilheim ist da. Das zeigen die Belegungszahlen, insbesondere im U3-Bereich: In den städtischen Krippen sind aktuell 45 von 48 Plätzen belegt, vier Kinder stehen auf der Warteliste. Bei den freien Trägern sind 32 von 34 Krippenplätzen belegt.

Die Grundfläche der neuen Kita beträgt im ersten Bauabschnitt 800 Quadratmeter und am Ende knapp 1 300 Quadratmeter. Für den U3-Bereich sind zudem 670 Quadratmeter Freifläche vorgesehen und für den Ü3-Bereich 900 Quadratmeter.

Der Zeitplan für den Bau der neuen Kita sieht vor, dass die Baugenehmigung bis Anfang kommenden Jahres vorliegt. Fertiggestellt werden könnte der erste Bauabschnitt der neuen Kindertagesstätte frühestens bis Ende 2019.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich einer aktuelle Schätzung zufolge auf rund 2,18 Millionen Euro. Der zweite Bauabschnitt würde mit weiteren 1,34 Millionen zu Buche schlagen. Dem gegenüber steht ein Zuschuss von 372 000 Euro, auf den die Stadt allein für den ersten Bauabschnitt hofft. Dem könnten für den zweiten Bauabschnitt noch einmal 251 000 Euro folgen. bil

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