Weilheim und Umgebung

Klangsubstanz und Farbenreichtum

Musik Die Schwäbische Bläserphilharmonie und Soloflötistin Kerstin Gehann begeistern ihr Publikum.

Symbolbild

Weilheim. Ein Hochzeitsgeschenk für den Verflossenen - die Zerrissenheit zwischen Liebe, Enttäuschung und Trauer prägt den leidenschaftlichen Charakter des Concertino für Flöte und Orches­ter der französischen Komponistin Cécile Chaminade. Ein außerordentlich gelungener Auftakt für das Konzert der Schwäbischen Bläserphilharmonie in dem voll besetzten Saal der Limburghalle in Weilheim.

Kerstin Gehann, die Soloflötistin des Orchesters, begeisterte das Publikum gleich zu Beginn durch ihre Virtuosität und ihren wunderbar weichen und zugleich reinen Ton.

Die Schwäbische Bläserphilharmonie Neckar-Teck ist ein unabhängiges Orchester der Höchstklasse, das in zwei Projektphasen im Jahr anspruchsvolle Konzert- und Wettbewerbsliteratur der sinfonischen Blasmusik erarbeitet und einem breiten Publikum präsentiert. Das „besondere Orchester“ setzt sich zusammen aus ambitionierten und begabten Musikern aus der Region Neckar-Teck. Unter Leitung von Paul Jacot kann es im vierten Jahr seines Bestehens auf nunmehr schon sieben gelungene Konzertprojekte und einen ersten Platz beim „Bundeswettbewerb für Auswahlorches­ter“ im Jahr 2018 zurückblicken.

So stand mit der Symphony no. 1 „Asgard“ von Teodoro Aparicio Barberán als Nächstes auch ein klassisches Wettbewerbsstück auf dem Programm. Diese Programmmusik beschreibt farbenfroh und klanglich eindrucksvoll den Sitz der nordischen Götter in Asgard. Mit Solopartien und eindrucksvollen Gegenüberstellungen der einzelnen Instrumentengruppen zeigte das Orchester auch in diesem Stück seine professionelle Musikalität.

Teils auch Big-Band-Klänge

Dass sie auch Jazz und Blues im Blut haben, stellten die Musiker mit dem Stück „Blue Shades“ von Frank Ticheli unter Beweis. Anfänglichen Reminiszenzen an Big-Band-Klänge folgte ein von eher sanften und gedämpften Klängen dominierter Mittelteil. Ein ausgedehntes Klarinettensolo mündete anschließend in eine Reihe „klagender“ Brassakkorde - eine Anspielung auf die Zugpfeifen jener Zeit und ein großartiger Abschluss vor der Pause. Die brauchten Musiker und Publikum auch dringend, um frische Luft zu schnappen, da es im Saal heiß und stickig war.

Trotzdem - alle lauschten auch im zweiten Teil gebannt einem weiteren „göttlichen“ Werk, diesmal aus etwas südlicheren Gefilden: „El Olimpo de los Dioses“ des spanischen Komponisten Óscar Navarro. In zehn von fast erschreckend lautem zeus’schem Donnergrollen angekündigten Sätzen präsentierten sich die verschiedenen Vertreter der griechischen Götterwelt: Artemis als Göttin der Natur mit verspielten Vogelstimmen in Auenland-Atmosphäre; Demeter, die Göttin der Landwirtschaft, tänzerisch leicht im Walzertakt und Apollo träumerisch sanft. Demgegenüber traten Hades sowie die Kriegsgötter Ares und Athena düs­ter und dissonant auf, bedrängend, bedrohlich und kämpferisch. Hephaestus, der Gott des Feuers und der Schmiede, ließ dem Publikum mit durchdringendem und treibendem Rhythmus der Schmiedehämmer im Schlagwerk und den hörbar tanzenden Flammen regelrecht Schauer über den Rücken laufen. Dieses in seiner Bildhaftigkeit kaum zu übertreffende Werk bot dem Orchester die Möglichkeit, die ganze Bandbreite an Klangfarben und Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Für das begeisterte Publikum bildete es damit den bemerkenswerten Abschluss eines meisterhaften Konzerts.Juliane Kästner

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