Weilheim und Umgebung

Kleinod erhält modernen Anstrich

Geschichte Der Boller Blumhardt-Friedhof wird nach 30 Jahren restauriert. Die Denkmalstiftung übergab eine ­Förderung, damit der Ort auch pädagogisch aufbereitet werden kann. Von Annerose Fischer-Bucher

Verwitterte Inschriften und Steine: Die Spiritualität des Blumhardt-Friedhofs soll erhalten bleiben.Foto: Carsten Riedl
Verwitterte Inschriften und Steine: Die Spiritualität des Blumhardt-Friedhofs soll erhalten bleiben.Foto: Carsten Riedl

Umsäumt von einer Eiben-Hecke und hohen Bäumen stehen 142 Grabmale, jedes individuell angepasst, auf dem Bad Boller Friedhof, der nach den beiden Blumhardts benannt ist, die dort begraben sind. Nun ist eine Förderzusage für die Restaurierung des Friedhofs übergeben worden. Das Ziel: die verwitterten Steine und Inschriften sowie die Spiritualität des Ortes zu erhalten. Nach 30 Jahren sei die Sanierung dringend erforderlich, sagte Bernhard Wehde, Geschäftsführer des Göppinger Christophsbads. Er unterzeichnete zusammen mit Professor Dr. Rainer Prewo, dem Vorsitzenden der Denkmalstiftung Baden-Württemberg den Zuwendungsvertrag für die Förderzusage über 50 000 Euro.

Er betonte die Vernetzung mit den Finanzierungspartnern, derGemeinde Bad Boll, den Blumhardt-Nachkommen, der Evangelischen Akademie und der Blumhardt-Sozietät sowie verschiedenen Spendern. Trotz eines erheblichen Eigenanteils vonseiten des Trägers Christophsbad werbe man für Spenden, denn die Kosten in Bezug auf die Erschließung auch als touristisches Kleinod, das mit modernen Mitteln pädagogisch aufbereitet werden soll, seien noch offen.

Nach der Ausschreibung könne im Frühjahr 2020 mit der Restaurierung begonnen werden. Dr. Helmut Tüchert, Chefarzt der Rehaklinik Bad Boll, ging in seinem Grußwort auf die Geschichte des Kurhauses ein. Christoph Blumhardt (1805-1880) hatte 1852 das Kurhaus übernommen, zu dem wohlhabende Gäste aus ganz Europa pilgerten. Er hatte auch 1866 den Friedhof angelegt, und sein Sohn, Christoph Friedrich Blumhardt (1842-1912), führte die Arbeit weiter. Man bewahre mit einer ganzheitlichen Therapie das Erbe der beiden Blumhardts, so Tüchert. „Der Friedhof ist etwas ganz Besonderes“, sagte Rainer Prewo. Man spüre die geistige Ausstrahlung des Ortes durch die Bedeutung der bekannten Persönlichkeiten in Kirche, Wissenschaft und öffentlichem Leben des 19. Jahrhunderts. Ein Friedhof gehöre zum Leben, man brauche ihn nicht zu verstecken. Seiner Meinung nach habe die „Marke Blumhardt“ Zukunft.

Bei einem Rundgang erläuterte Heidi Mattern, Restauratorin für Steinobjekte aus Nürtingen, die geplanten Maßnahmen zur Erhaltung der Originalität und Substanz der Steine. Sie hat auch das Gutachten verfasst und wird die Restaurierung des Friedhofs begleiten. Die künstlerisch und handwerklich detailreichen sowie individuellen Schöpfungen mit Grabinschriften aus Psalmen sollen behutsam in zwei Bauabschnitten gereinigt und standsicher gemacht werden. Inschriften müssten teilweise neu gefasst und das Ganze dokumentiert werden. Irmela Berger-Beyer, eine direkte Nachfahrin der Blumhardts und Mitglied im Vorstand der Blumhardt-Sozietät, freute sich über die geplante Restaurierung des „Friedhofs einer Institution und einer Familie“. Der Geist pflanze sich weiter fort wie eine Spur. Deswegen müsse man solche historischen Orte unbedingt erhalten.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ist eine vom Land unabhängige, bürgerliche Stiftung, die 1985 gegründet wurde. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich unter dem Motto „Bürger retten Denkmale“. Die Stiftung fördert private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen zum Erhalt von Kulturdenkmalen. Sie hat schon 1500 Vorhaben gefördert.

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