Weilheim und Umgebung

Kommentar: Das Vertrauen ausbauen

Der Aufschrei ist ausgeblieben: Die Nachricht, dass die Luft im Weilheimer Bildungszentrum Wühle mit dem Baugift PCB belastet ist, haben Elternvertreter und Schulleitung relativ gelassen aufgenommen - ganz anders als vor einigen Monaten in Esslingen. Dort hatte sich das Thema zu einem regelrechten Skandal ausgewachsen.

Dass es in Weilheim um einiges unaufgeregter zugeht, liegt zum einen natürlich an den objektiven Messwerten. Am Bildungszentrum Wühle ist die Unbedenklichkeitsgrenze selbst in den am stärksten belasteten Räumen nur leicht überschritten. Dass also tatsächlich jemand gesundheitlichen Schaden nimmt, ist sehr unwahrscheinlich.

Es gibt aber noch einen anderen Faktor, der zur Entspannung beigetragen hat - und zwar den politischen. Während in Esslingen die Missstände offenbar eine ganze Zeit lang unter dem Deckel gehalten worden sind, ist die Weilheimer Stadtverwaltung mit ihren Erkenntnissen umgehend an die Öffentlichkeit gegangen. Sie hat Eltern und Lehrer informiert und das Gutachten frei zugänglich auf ihre Homepage gestellt. Dieses Vorgehen ist beispielhaft und wird von Schulleitung und Elternvertretern gleichermaßen gewürdigt.

Das Vertrauen sollte die Stadt nun nicht wieder verspielen. Denn erhöhte PCB-Werte sind nicht das einzige Problem des 1972 erbauten Bildungszentrums Wühle: Schlechtes Internet, marode Fenster und muffige Luft im Gebäude machen Schülern und Lehrern schon lange zu schaffen. Liegen der Stadt gute Lern- und Lehrbedingungen an ihren Schulen tatsächlich am Herzen, so muss sie eine umfassende Sanierung der Bildungszentrums anstreben - und zwar nicht erst „mittelfristig“, sondern möglichst zeitnah. Bianca Lütz-Holoch

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