Weilheim und Umgebung

Kosten fürs Mittagessen kommen auf den Tisch

Die Gemeinde Ohmden führt einen Rabatt für kinderreiche Familien ein und erntet auch Kritik dafür

Ohmden möchte Familien finanziell entlasten. Ob die Gemeinde mit dem kostenlosen Mittagessen ab dem dritten Kind den richtigen Weg wählt, ist strittig.

Ab sofort erhalten Familien in Ohmden ab dem dritten essenden Kind einen Bonus bei der Mittagsverpflegung von Grundschule und Ki
Ab sofort erhalten Familien in Ohmden ab dem dritten essenden Kind einen Bonus bei der Mittagsverpflegung von Grundschule und Kindergarten.Foto: Carsten Riedl

Ohmden. Die Rechnung ist einfach: 3,50 Euro pro Kind kostet das Mittagessen, das die Gemeinde Ohmden für Grundschul- und Kindergartenkinder von einem Caterer liefern lässt. Essen zwei Kinder aus einer Familie dort, müssen die Eltern sieben Euro berappen, bei drei Kindern waren es bisher 10,50 Euro. Zu viel, wie eine Mutter von drei essenden Kindern befand. Sie wandte sich an die Gemeinde und bat um eine Ermäßigung für das dritte Kind. Bei Bürgermeister Martin Funk stieß sie damit auf offene Ohren. Er nahm das Anliegen mit in den Gemeinderat und plädierte dort dafür, dass jede Familie immer höchstes für zwei Mittagessen zahlen solle. „Ab dem dritten Kind wäre das Essen dann frei“, erläuterte er das Prinzip. Ein größeres Problem würde das dem Schultes zufolge nicht darstellen: „Das Essen, das wir bestellen, wird vor Ort portioniert. Und es bleibt sowieso immer was übrig“, schildert er die Erfahrungen.

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Gemeinderätin Anja Bezler sah diese Art von Rabattierung jedoch eher kritisch. „Das funktioniert doch in der Praxis nicht“, sagte sie und fragte: „Was ist zum Beispiel, wenn es Würstchen gibt – kriegt dann ein Kind keines?“ Das gleiche gelte auch für den Nachtisch: „Da ist alles abgezählt“, sagte sie und erntete Zustimmung von ihrem Gemeinderatskollegen Peter Cramer: „Man kann doch ein drittes Kind nicht mit dem verpflegen, was übrig bleibt“, so seine Überzeugung.

Anja Bezler hatte noch mehr einzuwenden: „Es gibt im Moment nur eine Familie, bei der drei Kinder das Mittagessen wahrnehmen“, gab sie zu bedenken, dass es aktuell um einen Einzelfall geht. Sie selbst würde eine einkommensabhängige Lösung bevorzugen: „Vielleicht hat eine Alleinerziehende mit zwei Kindern ja mehr Probleme, das Mittagessen zu finanzieren als eine Familie mit drei Kindern, die gut verdient.“

Daniela Haible-Lutz sprach sich gleich für beide Varianten aus: „Ich finde, das Mittagessen sollte ab dem dritten Kind umsonst sein. Ich befürworte aber auch eine einkommensabhängige Lösung.“

Das Schlagwort „einkommensabhängig“ wiederum ließ bei Martin Funk und dem stellvertretenden Weilheimer Stadtkämmerer Michael Nagel die Alarmglocken läuten. „Wenn wir eine einkommensabhängige Lösung wollen, dann wird alles wesentlich komplizierter, weil wir erheben müssen, was die Eltern verdienen“, warnte er. „Dann müssten wir auch einen Verwaltungskostenbeitrag einführen, und das Essen würde teurer.“ Bislang reicht die Gemeinde Ohmden die Kosten, die der Caterer verlangt, lediglich ein zu eins an die Eltern weiter, ohne einen Aufschlag zu berechnen.

„Ich finde den Ansatz gut, etwas für kinderreiche Familien zu tun – aber nicht beim Essen“, tat Jörg Spielvogel seine Meinung kund. „Wir sollten lieber neue Ideen generieren.“ Eine Förderung für kinderreiche Familien gebe es ja schon im Kindergarten.

Benjamin Döbel schlug vor, die Sache in einem Jahr wieder auf den Tisch zu bringen. „Vielleicht finden wir dann ja eine Möglichkeit, Familien mit mehreren Kindern und geringerem Einkommen gleichzeitig einen Bonus zu geben.“

Fünf Räte votierten schließlich dafür, ab dem dritten Kind nichts mehr für das Mittagessen zu berechnen, drei stimmten dagegen. Einig war sich das Gremium, dass im kommenden Jahr weitere Vorschläge ausgearbeitet werden sollen, wie die Gemeinde Familien mit Kindern finanziell entlasten kann.