Weilheim und Umgebung

Kreativität weckt Erinnerungen

Soziales Die Firma Ostheimer geht neue Wege mit einem Beschäftigungsangebot für Senioren. Heime haben damit gute Erfahrungen gemacht. Von Sabine Ackermann

Die Wirtschaft entwickelt etwas für Altenheime: Verena Schneider vom Alexander-Stift und Wolfgang Schühle von der Firma Ostheime
Die Wirtschaft entwickelt etwas für Altenheime: Verena Schneider vom Alexander-Stift und Wolfgang Schühle von der Firma Ostheimer mit einem Kreativ-Set für Senioren. Foto: Sabine Ackermann

Mein Pferd wird rot angemalt wegen des Liedes: ‚Da hat das rote Pferd sich einfach umgedreht . . .‘“, lautet eine Aussage aus der Runde, die sich im Alexander-Stift Zell mit einem Kreativ-Set der Firma Margarete Ostheimer beschäftigt. Man kennt die Figuren, die hier am Fuß der Alb seit 1939 hergestellt werden und als Kinderspielzeug in alle Welt hinausgehen. Aber in den Figuren steckt noch mehr: Sie können auch Menschen mit Demenz Freude machen.

Das wird getestet: So wurden die für geeignet befundene Bewohnerinnen nach ihrem Einverständnis über dieses Projekt informiert. Am Ende waren es 20 von 22 Frauen im Alter von 73 bis 99 Jahren, die mitmachten. Das Ziel: die Überprüfung der Handhabbarkeit und Akzeptanz des Kreativ-Sets für Menschen mit und ohne Demenz im fortgeschrittenen Lebensalter. Wissen wollte man auch, was es den Senioren bringt: Fördert es das Wohlbefinden und positive Verhaltensäußerungen, mindert es Depression, Trauer, Angst, Ruhelosigkeit, Apathie?

„Beide Unternehmen wollten das Angebot für die Betreuung und Aktivierung in der Altenpflege bereichern“, berichtet Verena Schneider, Assistentin der Geschäftsleitung aus dem Hauptsitz Alexander-Stift der Diakonie Stetten. „Wir müssen viel mehr Tiere anmalen und dann einen Stand auf dem Markt machen und die Tiere verkaufen“, machte sich eine Seniorin Gedanken über ein „neues“ Verkaufskonzept.

Gute Erfahrungen mit dem Ostheimer Kreativ-Set wurden neben Zell auch in Schlierbach, Rechberghausen und Lorch gemacht, so Verena Schneider. Angeleitet konnten die Senioren entweder allein oder in der Gruppe die Holzfiguren nach ihren Vorstellungen gestalten, inzwischen waren auch exotische Tiere gefragt. „Meine Giraffe bekommt einen Namen, die heißt Tusnelda“ - ist eine Bewohnerin mit Spaß und Freude bei der Sache. Durch das Bemalen der Tiere wird nicht nur die Feinmotorik gefördert, sondern es werden auch alle Sinne angeregt.

Darüber hinaus ergaben sich Gespräche, Lebensgeschichten wurden geweckt und Erinnerungen untereinander ausgetauscht. Das Fazit: Das Kreativ-Set stellte sich als geeignetes Beschäftigungsangebot insbesondere für Demenzkranke heraus. Laut den Ergebnissen zeige die Intervention positive Wirkung auf Gefühle und Stimmung, zunehmende Öffnung gegenüber anderen sowie Zufriedenheit. Aber auch die Senioren teilten ihre Wünsche mit, erzählt Verena Schneider. Eine größere Auswahl an Farben, Pinseln und Formen, größere Figuren und das Kreativ-Set an unterschiedliche Jahreszeiten anzupassen, lauteten ihre Vorschläge.

Wie kam die Verbindung zustande? Den ersten Kontakt gab es bereits vor über drei Jahren. Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Alexander-Stifts, und Wolfgang Schühle, Geschäftsführer des Holzspielzeugherstellers Margarete Ostheimer, wollten gemeinsam das Erinnern bei älteren Menschen wachhalten. Kuh, Pferd oder Ziege kennen Stadtkinder heute durch den „Urlaub auf dem Bauernhof“ oder aus dem Zoo. Die hölzernen Figuren der Zeller Firma regen die Fantasie der Kinder an. Genau das soll auch bei älteren Menschen der Fall sein, die Tiere wie Hund, Katze oder Kühe noch zur Lebens- und Erfahrungswelt ihrer Kindertage zählen. Genau hier setzt das Projekt an, das beide gemeinsam entwickelten und mittlerweile erprobt haben. Nun soll das Angebot quartalsweise speziell für Demenzkranke angeboten werden.

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