Weilheim und Umgebung

Krimi trifft Gänsehautblues

Konzertlesung mit Wolfgang Schorlau und Werner Dannemann im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden

Holzmaden. Die Sicherheitsbehörden ermitteln nicht gegen die Täter, sondern gegen das Umfeld der Opfer der NSU-Mordserie, Akten werden geschreddert, der Verfassungsschutz hat überall seine Finger im Spiel . . .  Was, wenn das kein bloßes Behördenversagen ist? Wer hält seine schützende Hand über die Mörder?

Zwei, die sich perfekt ergänzen: Autor Wolfgang Schorlau (rechts) und Musiker Werner Dannemann bei ihrer spannenden Konzertlesun
Zwei, die sich perfekt ergänzen: Autor Wolfgang Schorlau (rechts) und Musiker Werner Dannemann bei ihrer spannenden Konzertlesung im Urweltmuseum Hauff.Fotos: Tanja Spindler

Der 2015 erschienene Politkrimi „Die schützende Hand" von Wolfgang Schorlau beschäftigte schon vor seinem Erscheinen Medien und Politik. Der Autor, bekannt für exzellent recherchierte Krimis, greift den Fall auf, der im Prozess gegen Beate Zschäpe und Mitangeklagte verhandelt wird, und er stellt die entscheidenden Fragen. Die Ergebnisse seiner Recherche sind spektakulär.

„Wer erschoss Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?, fragt ein unbekannter Anrufer den Ermittler Georg Dengler, die Hauptfigur des Krimis. Notorisch pleite und von Geldnöten getrieben, nimmt dieser den Auftrag an, ermittelt jedoch zunächst recht lustlos. Dies ändert sich erst, als er erfährt, dass Harry Nopper, sein Gegenspieler aus der Zeit beim Bundeskriminalamt, nun Vizepräsident des Thüringer Verfassungsschutzes ist. Jetzt taucht Georg Dengler tief in das Netz von Neonazis und Verfassungsschutz ein. Er beschafft sich Ermittlungsakten zum angeblichen Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt und deckt letztlich die Anatomie eines Staatsverbrechens auf. Bis sich zum Schluss eine Frage auf Leben und Tod stellt . . .

Schorlau & DannemannLesung mit Musikim Urweltmuseum Hauff, Holzmaden
Archiv-Foto: Schorlau & Dannemann Lesung mit Musik im Urweltmuseum Hauff, Holzmaden

Nachdem Rolf Bernhard Hauff, Leiter des Museums, kurz in die Lesung eingeführt hatte, legten die beiden Künstler auch schon los. Wolfgang Schorlau rezitierte aus dem ersten Kapitel des neuen Krimis. Seit längerer Zeit tritt Schorlau bei seinen Lesungen mit Werner Dannemann auf, der das Programm mit seinem Blues und dem passenden Songmaterial perfekt ergänzt. Der "Weltstar von Württemberg", der wohl schon an allen Orten im Land gespielt hat, beeindruckt bei dieser Veranstaltung als Solist mit Gitarre und Bluesstimme. Auf seiner Auswahlliste stehen Songs von Bob Dylan, Jimi Hendrix, Peter Green, Willie Dixon und Eric Clapton.

Nach der Lesung tauschen Schorlau und Dannemann die Rollen: Dann packt der Schriftsteller seine Blues Harp aus, um den Musiker bei seiner Darbietung zu begleiten. „Spoonful" von Willie Dixon und „Before you accuse me" von Eric Clapton runden die Veranstaltung ab.

Ein interessantes Programm eines besonderen Duos, das bereits mit viel Erfolg in der Stuttgarter Liederhalle, im Gaildorfer Bluesclub und in der Landesvertretung BW in Berlin zum Besten gegeben wurde. Das Publikum im voll besetzten Urweltmuseum in Holzmaden war ebenfalls begeistert und zollte den beiden Künstlern großen Beifall.

Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Mehrere Krimipreise und zwei Verfilmungen sind Zeichen für seine Popularität. Man könnte behaupten, die Krimis von Wolfgang Schorlau, die sich mit Staatsverbrechen auf deutschem Boden beschäftigen, reichten weit in das Land der Verschwörungstheorien. Denn Fiktion und Wirklichkeit sind ja bekanntermaßen zweierlei Paar Stiefel. Doch sollte man diese Beurteilung dem mündigen Zuhörer überlassen.

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