Weilheim und Umgebung

Kurzweilige Glotzgewohnheiten

Beim Kabarettabend von Fabian Schläper und Iris Kuhn gucken die Zuschauer keinesfalls in die Röhre

Der Musikkabarettist Fabian Schläper zerpflückt gemeinsam mit der Pianistin Iris Kuhn die Fernsehwelt. Fotos: Sabine Ackermann
Der Musikkabarettist Fabian Schläper zerpflückt gemeinsam mit der Pianistin Iris Kuhn die Fernsehwelt. Fotos: Sabine Ackermann

Weilheim. „Ich glotz TV“ brüllte einst Nina Hagen, und fast 40 Jahre später scheinen auch für den Kabarettisten Fabian Schläper die

seichten Kanäle der deutschen Fernsehlandschaft ein großes Thema zu sein. Frustriert zappend sitzt er vor der Glotze, wo er doch aus selbiger lieber herausschauen würde.

Gleich zu Beginn seines Programms „Das große Glotzen“ im Gemeindehaus am Kohlesbach in Weilheim macht der Musikkabarettist keinen Hehl daraus, dass er unbekannt aus Funk und Fernsehen sei. Er sei kein Bauer, suche keine Frau, könne nicht kochen, dafür aber prima essen gehen, bekomme von Heidi kein Foto und selbst sein Hilferuf: „Ich bin ein Star, holt mich hier rein!“, werde trotz oder gerade wegen seiner Känguru-Hoden-Unverträglichkeit ignoriert. Selbst Silbereisens Mutanten-Stadl sei nicht wirklich eine Alternative, viel lieber verweile er in Weilheim, erzählt er.

Zusammen mit Iris Kuhn kam Fabian Schläper auf Einladung der dort ansässigen Tafelrunde, einer Männergruppe der evangelischen Kirchengemeinde. Hinsichtlich TV hat es die „Tastenmieze mit den Samtpfötchen“ bedeutend besser getroffen, als eloquente TV-Leiche macht sie in allerlei Krimis Furore. „Gestorben wird immer“, ganz egal ob sie dabei von Christine Neubauer erwürgt wird oder Veronika Ferres ihr den Garaus macht.

Herrlich, wenn dann der sendebewusste Kleinkunstpreisträger ohne Sendung neidvoll feststellt: „Die legt sich hin und kriegt auch noch Geld dafür!“ Sowohl mit diesem „Runnig-Gag“ als auch mit wiederkehrenden Szenen aus der Dauerserie „Blindenstraße“, erntete das Duo zahlreiche Lacher.

Unterlegt mit der bekannten Titel- und Abspannmelodie wollte Fabian Schläper jedes Mal von „seiner“ Iris wissen: „Willst du meine Frau werden?“ Kaum mit einem weiblich-jauchzenden „Ja“ beantwortet, stellten beide überraschend fest, dass sie auf abenteuerlichste Weise miteinander verwandt waren.

War schon damit der Grundstein für ein erfolgreiches Kabarett-Programm gelegt, lassen besonders Fabian Schläpers spritzige sowie tiefsinnige und bisweilen poetische Chansons aufhorchen. Gängige Melodien, lebendiges Klavierspiel, aussagekräftige Texte, zelebriert mit nuancierter Stimme, machten den Abend zu einem Erlebnis. Perfekt ergänzen sich die beiden Akteure, harmonieren mit wohl dosierter Leichtigkeit, Witz und Intelligenz, ohne allzu übertriebene Satire oder billige Geschmacklosigkeiten.

Mit herzlich lebensklugem und sympathischem Blick aufs Wesentliche zerpflückt der in Aachen geborene und in Kirchheim aufgewachsene Gesangskünstler, Textdichter und Wortakrobat nicht nur die gruselige Fernsehwelt. Zwischendurch wird Fabian Schläper sogar richtig kühn: Wenn es zum Beispiel Taubenmann Horst buchstäblich „beschissen“ und nicht um(s) Vögel(n) geht, bei herbstlichem Rehbratenwetter frischer Fisch serviert wird oder er sich im lila Tank Top mit erotischer Strahlkraft lasziv auf dem Bühnenboden rekelt.

Ganz „Tobler-ohne“ als „zarteste Versuchung“ sowie „längste Praline der Welt“, stellt er dann mit samtig-weicher Schokoschmelz-Stimme fest: „Du willst es doch auch“. Aber nicht nur als singende Schokoladentafel beweist sich der Künstler Jahrgang 1976. „Als die Eltern noch vor dem Testbild einschliefen“, beschwört er gekonnt das gute alte Drei-Programme-Fernsehen von einst herauf oder zeigt sich obendrein als Pippi Langstrumpf und Helene Fischer.

Letztere wurde dicht verfolgt von Security-Pianistin Iris Kuhn, die unter schallendem Gelächter per Föhn die nicht vorhandene Windmaschine ersetzte und damit der blonden Perückenmähne den nötigen Schwung verlieh. Mit lang anhaltendem Beifall und mehreren Zugaben endete viel zu schnell „Das große Glotzen“.

Anzeige