Weilheim und Umgebung

Lädle auf dem Egelsberg schließt

Nahversorgung Fünf Jahre nach der Eröffnung macht Sylvia Schlayer ihren Tante-Emma-Laden zu. Künftig wird es in dem Weilheimer Stadtteil keine Einkaufsmöglichkeit mehr geben. Von Bianca Lütz-Holoch

Stets liebevoll dekoriert hat Sylvia Schlayer die Sitzgarnitur vor ihrem Lädle. Doch die Bank ist - wie der Laden selbst - in de
Stets liebevoll dekoriert hat Sylvia Schlayer die Sitzgarnitur vor ihrem Lädle. Doch die Bank ist - wie der Laden selbst - in den vergangenen Wochen allerdings allzu oft leer geblieben.Foto: Carsten Riedl

Die Laugenbrötchen liegen noch fast vollzählig in der Auslage, der Korb mit dem frischen Biogemüse ist unangetastet. Auch die Sitzgarnitur vor dem Lädle auf dem Weilheimer Egelsberg, die mit frischen Blumen und handbeschrifteten Schildern dekoriert ist, wirkt verlassen. „Das geht jetzt seit sieben Wochen so“, klagt Inhaberin Sylvia Schlayer. Von heute auf morgen sind bei ihr die Kunden ausgeblieben. Nun zieht sie die Konsequenz daraus und macht ihr Lädle zum 1. April dicht.

Aufhören war für Sylvia Schlayer eigentlich noch gar kein Thema gewesen - bis zur zweiten Februarwoche. „Drei Tage lang kam gar niemand mehr in den Laden“, erinnert sie sich. Ihre Waren blieben liegen, in der Kasse herrschte gähnende Leere. „Ich war wie gelähmt“, erzählt die Geschäftsfrau. Eine Ursache für den plötzlichen Umsatzeinbruch fand sie buchstäblich vor der Haustür: „Meine Kunden sind genau von dem Zeitpunkt an nicht mehr gekommen, als die Sanierung der Egelsbergstraße begonnen hat“, hat Sylvia Schlayer beobachtet. Weil die Straßensperrung noch das ganze Jahr über andauern wird, sah sie keinen anderen Ausweg mehr als den Laden zu schließen.

„Rein wirtschaftlich gesehen hätte ich sofort zumachen sollen“, ist sich Sylvia Schlayer im Klaren. Das allerdings brachte sie nicht übers Herz. „Am 1. April ist es genau fünf Jahre her, dass ich den Laden eröffnet habe“, erzählt sie. Noch Anfang Februar hatte sie geplant, diesen Geburtstag - wie schon die Eröffnung - mit ihren Kunden zu feiern und ihnen Sekt und Häppchen zu servieren. Die Feier wird es nun nicht geben, dafür einen Ausverkauf am heutigen Samstag. „Ich wollte wenigstens die fünf Jahre voll machen“, sagt Sylvia Schlayer.

Ein bisschen Zeit brauchte die Inhaberin auch, um den Abschied zu verdauen. „Ich habe den Laden ganz alleine und mit all meinem Herzblut geführt“, sagt sie. Jeden Tag stand sie hinter der Theke, vom frühen Morgen bis zum Abend und manchmal sogar bis in die Nacht hinein. Wenn das Lädle zu hatte, kaufte sie ein, machte die Buchhaltung, putzte die Räume, wählte frische regionale Ware für ihre Kunden aus und lieferte auf Wunsch auch Lebensmittel nach Hause. „90 Arbeitsstunden sind da in einer Woche schon zusammengekommen“, sagt sie. Krank war Sylvia Schlayer nie, Urlaub machte sie nur, wenn auch ihre Lieferanten Ferien hatten. Stressig fand sie ihr Leben trotzdem nicht. „Viel Arbeit ist nur schlimm, wenn man sie nicht gerne macht“, betont Sylvia Schlayer. Für sie sei das Lädle wie ein Zuhause gewesen und ein Hobby obendrein. „Andere spielen Golf oder Tennis, ich hatte meinen Laden“, sagt sie.

Doch so schwer Sylvia Schlayer der Abschied fällt - sie hat sich schon neu orientiert. In den Räumen des Geschäfts richtet sie sich ein Büro ein. Dort vertreibt sie künftig Nahrungsergänzungsmittel, gibt Seminare und Coachings. „Nebenher verkaufe ich schon seit zweieinhalb Jahren Gesundheitsprodukte“, erzählt sie. Ab April konzentriert sie sich ganz darauf.

Für die Bewohner des Weilheimer Egelsbergs bedeutet das aber auch, dass sie keine Nahversorgung mehr im Stadtteil haben. „Das ist vor allem für die Älteren bedauerlich, die nicht mehr so mobil sind“, sagt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Auch alle anderen verlieren etwas: „Es fällt ein Treffpunkt weg“, geht der Bürgermeister auf den sozialen Aspekt ein.

Was die Nahversorgung angeht, so macht Sylvia Schlayer eine Ausnahme für ihre treuesten Stammkundinnen. „Vier ältere Damen werde ich in Zukunft trotzdem noch jede Woche mit Lebensmitteln beliefern“, sagt sie. Für ihren letzten Öffnungstag am heutigen Samstag wünscht sie sich, dass noch mal viele ihrer langjährigen Kunden kommen und bei ihr einkaufen: „Schließlich müssen ja auch noch alle Regale leer werden“, sagt Sylvia Schlayer augenzwinkernd.

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