Weilheim und Umgebung

Letztes Mittel: Traglufthallen

Ungebrochener Zustrom von Flüchtlingen im Landkreis – 3 200 Plätze bis Ende 2015

Monatlich strömen derzeit rund 10 000 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg. Wenn dieser Zustrom anhält, dann werden die 6 500 Plätze, die im Landkreis Esslingen bis 2016 bereitstehen müssen, nicht ausreichen. Deshalb prüft Landrat Heinz Eininger, als „letztes Mittel“ Traglufthallen und Zelte aufzustellen.

Bissingen. Was in Berlin und Bayern bis zum Winter notgedrungen für die überbordende Zahl an Flüchtlingen eingerichtet wird, könnte im kommenden Jahr auch im Landkreis Esslingen der Erstaufnahme dienen – flexible Traglufthallen. Um dieses „letzte Mittel“ nicht anwenden zu müssen, appelliert Landrat Heinz Eininger erneut an die Kommunen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Die Unterbringung von Flüchtlingen ist eine Herausforderung, die die Kommunen im Landkreis nur gemeinsam schultern können.“

Rund 3 200 Plätze kann der Kreis Esslingen bis Ende 2015 für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen. Dazu zählen auch die Unterkünfte in Bissingen, Notzingen und Weilheim. Für 2016 sind weitere 746 Plätze in Aichwald, Esslingen, Filderstadt, Großbettlingen und Neuhausen konkret geplant. Das wären dann insgesamt rund 4 000 Plätze. 6 000 bis 6 500 müssten aber angesichts des ungebrochenen Zustroms von Asylbewerbern nach Schätzung des Landratsamts im kommenden Jahr bereitstehen. Deshalb signalisiert der Landrat Alarmstufe rot und bittet die 44 Kreiskommunen, bis nach den Sommerferien weitere Grundstücke zur Verfügung zu stellen.

Am 25. September will Eininger am runden Tisch zur Flüchtlingsunterbringung mit Vertretern der Kreistagsfraktionen, Städte und Gemeinden sowie der Kirchen die prekäre Situation erörtern, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen in die Wege zu leiten. Dazu könnten auch die Anmietung von Zelten und Flexihallen sowie weitere Notunterkünfte in Containern und Gewerbehallen als letzter Notnagel zählen. Einmal mehr appellieren sowohl Landrat Eininger als auch Esslingens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger an Land und Bund, die Verfahren zu straffen und Flüchtlinge, die nicht bleibeberechtigt sind, zügig abzuschieben. Dazu zählen Asylbewerber aus den von der Bundesregierung eingestuften „sicheren Herkunftsländern“ Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. Bayern will auch das Kosovo dazuzählen. Dies schreckt jedoch die Menschen aus dem Balkan, vor allem Roma und Sinti, nicht ab, nach Deutschland zu kommen, wo ihr Asylantrag praktisch chancenlos ist. So verzeichnet der Kreis in seiner Statistik (Stand 30. Juni 2015) nach 341 Flüchtlingen aus Gambia, 177 Asylbewerber aus dem Kosovo, 165 Kriegsflüchtlinge aus Syrien, 113 Asylbewerber aus Serbien, 92 aus Mazedonien, 61 aus Albanien und 18 aus Bosnien.

Der Landkreis vermittelt ihnen genauso ein Dach über dem Kopf, und der Sozialdienst der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie die lokalen Arbeitskreise Asyl betreuen sie genauso engagiert wie die Kriegsflüchtlinge. Etwa in der Seegemeinde Bissingen, wo sich rund 40 Mitglieder des AK Asyl um die zwei serbischen Roma-Familien mit insgesamt 20 Personen kümmern, die seit 2. Juli im ehemaligen Kindergarten Pfarrstraße untergebracht sind.

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