Weilheim und Umgebung

Limburghalle ist massiv belastet

Der Stadt Weilheim liegen erste Erkenntnisse aus Beton- und Schadstoffuntersuchungen vor

Eine Sanierung der Weilheimer Limburghalle würde wohl deutlich teurer als bisher gedacht. Das legen erste Erkenntnisse aus Beton- und Schadstoffuntersuchungen nahe.

Neue und alte Problemzonen im Visier: Stadtbaumeister Jens Hofmann und Bürgermeister Johannes Züfle führten Vertreter von Gemein
Neue und alte Problemzonen im Visier: Stadtbaumeister Jens Hofmann und Bürgermeister Johannes Züfle führten Vertreter von Gemeinderat und Presse durch die Limburghalle.Foto: Tanja Spindler

Weilheim. Dass bei der Weilheimer Limburghalle vieles im Argen liegt, ist schon lange bekannt. 7,2 Millionen Euro, so lautet die bisherige Schätzung, würde eine Sanierung des Gebäudes kosten. Diese Summe wird aber wohl kaum ausreichen. Denn jetzt ist bekannt geworden, dass die Limburghalle neben Brandschutz und Bautechnik zwei weitere massive Probleme hat: „Es geht um die Betontechnik und die Schadstoffbelastung“, informierte Weilheims Stadtbaumeister Jens Hofmann gestern bei einer Führung durch die Limburghalle mit Vertretern von Gemeinderat und Presse.

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Genau diese beiden Felder hat die Stadt nun genauer untersuchen lassen. „Es wurden über 50 Proben aus dem Gebäude entnommen“, so Hofmann. Außerdem gab es Raumluftuntersuchungen. Zwar steht das endgültige Ergebnis noch aus. Erste Erkenntnisse gibt es aber schon. „Vor allem im Foyer und im kleinen Saal ist die Belastung durch Holzschutzmittel hoch“, sagte der Stadtbaumeister. Teerhaltiges Material und Chlorverbindungen wurden ebenfalls entdeckt.

Dramatisch ist den Untersuchungen zufolge auch der Zustand des Betons. Vor allem tief unten im Bauch der Limburghalle haben Chlor und Feuchtigkeit das Mauerwerk angegriffen. Die Wände bröckeln und geben den Blick auf rostigen Stahl frei. „Dort dringt die Feuchtigkeit ein und zersetzt den Stahl“, so Hofmann. Auch eine Außenwand der Halle ist von Rissen durchzogen. „Da gibt es bautechnische Mängel“, diagnostizierte der Stadtbaumeister.

Wie sich all das genau auf die Statik auswirkt, muss noch untersucht werden. „Klar ist aber, dass der Beton umfassend saniert werden müsste“, betonte er. Damit sei auch eine Etappen- oder Teilsanierung der Halle ausgeschlossen. „Das heißt, dass in der Zeit keinerlei Betrieb dort möglich wäre“, ging Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle auf die Folgen ein.

Einige Bereiche sind außerdem schlichtweg nicht mehr zu retten, wie Jens Hofmann klarstellte: „Beim Chlorgehalt im Beton unterm Lehrschwimmbecken sind die Grenzwerte für eine Sanierung um ein Vielfaches überschritten. Das Becken ist nicht mehr sanierbar und muss raus.“ Schadstoffe werden zudem in der Lüftungsanlage der Halle vermutet. Massiv überschritten sind die Grenzwerte für Teer in der Dämmschicht unterm Dach. „Sie sind 70 000-mal so hoch wie erlaubt“, ging der Stadtbaumeister auf Ergebnisse der jüngsten Untersuchung ein.

Dass die Stadt nun noch einmal einen Gutachter eingeschaltet hat, dafür gibt es gute Gründe: „Unsere bisherigen Erkenntnisse sind ja immer wieder infrage gestellt worden“, sagte Jens Hofmann. Eine Bürgerinitiative möchte via Bürgerbegehren erreichen, dass die Limburghalle erhalten bleibt und saniert wird. Sie war ins Leben gerufen worden, nachdem der Gemeinderat im Dezember für den Bau einer kombinierten Turn- und Festhalle in der Stadtmitte und damit langfristig für den Abriss der Halle gestimmt hatte. Über 2 100 Weilheimer hatten das Anliegen der Initiative mit ihrer Unterschrift gestützt.

Mit den neuen Gutachten möchte die Stadt Weilheim nun das Bild komplettieren. Außerdem bietet sie eine ganze Reihe von Hallenführungen an. „Rund 200 Personen haben bereits besichtigt“, sagte Johannes Züfle. Möglichst viele weitere sollen folgen.

Neben den neuen Erkenntnissen ging Jens Hofmann auch noch einmal auf die altbekannten Problemzonen ein. Dazu gehören unter anderem der altersschwache Parkettboden, die Umkleidekabinen, die aus Brandschutzgründen und wegen Verkeimung in den Leitungen geschlossen sind, das Kabel- und Leitungschaos, das sich quasi durch die ganze Halle zieht, das Grundwasser, das in verschiedenen Stellen ins Gebäude eindringt und die antiquierte Heizungstechnik. „Energetisch ist das ein absoluter Wahnsinn, was da betrieben wird“, so Hofmann dazu.

Vernunft versus Nostalgie

Wer die Weilheimer Limburghalle bis in die Eingeweide hinein begutachtet, dem muss es eigentlich wie Schuppen von den Augen fallen: Das Bauwerk ist nicht zu halten – zumindest rational betrachtet. Das ist auch das, was die Stadtverwaltung seit einem dreiviertel Jahr predigt. Und das ist auch der Grund, warum der Gemeinderat für den Bau einer neuen Kombihalle und gegen die Sanierung der Limburghalle votiert hat. Trotzdem hat sich massiver Widerstand in der Bevölkerung gegen die Entscheidung geregt. Eine Bürgerinitiative gründete sich, und über 2 100 Weilheimer gaben ihre Unterschrift, um einen Bürgerentscheid über den Erhalt der Limburghalle zu erwirken.

Jetzt hat die Stadt den Zustand des Betons und die Schadstoffbelastung im Gebäude prüfen lassen. Erste Ergebnisse legen nahe, dass es um die Substanz der Halle noch schlechter bestellt ist, als gedacht. Eine Sanierung würde dann deutlich teurer werden als kalkuliert. Damit fiele eines der Hauptargumente der Befürworter einer Sanierung weg: die Kosten.

Nun bliebt abzuwarten, was für die Weilheimer im Falle eines Bürgerentscheids schwerer wiegt: die Vernunft und die nachvollziehbaren finanziellen und praktischen Argumente von Verwaltung und Gemeinderat oder Emotionen, Nostalgie und die Ablehnung einer Halle im Stadtkern. BIANCA LÜTZ-HOLOCH