Weilheim und Umgebung

Mal mit Sarazenen plaudern und das Kampfhemd anziehen

Mittelaltertag auf der Ziegelhütte Ochsenwang begeistert besonders Väter und Söhne

Mittelaltertag auf der Ziegelhütte in Ochsenwang: Im Rahmen des Kunst- und Aktionspfads haben die Mitglieder der Ritterschaft zu Gmünd das Sarazenenlager aufgebaut. Am nächsten Tag konnten die Besucher zwischen den Zelten umherschlendern und so das Mittelalter hautnah erleben.

Die Gruppe „Banda Colini“ (oben) sorgt mit ihrer Musik für mittelalterliche Stimmung bei der Ziegelhütte. Daneben wird gekämpft
Die Gruppe „Banda Colini“ (oben) sorgt mit ihrer Musik für mittelalterliche Stimmung bei der Ziegelhütte. Daneben wird gekämpft - Kreuzritter gegen Sarazene - während das Lagerleben recht friedlich ist.Fotos: Judith Reischel

Bissingen. Bereits am Samstag schlug die Ritterschaft zu Gmünd ihr Lager auf. Wer wollte, konnte zu diesem Zeitpunkt schon dabei sein, mit den Leuten reden und interessante Eindrücke gewinnen. Richtig los ging es aber erst am Sonntag mit Einblicken in das mittelalterliche Lagerleben. Die Bewohner des Sarazenen-Lagers gewährten Einblicke in die Lebensgewohnheiten eines Feldlagers: Sie übten mittelalterliches Handwerk aus, nähten, stickten, widmeten sich Lederarbeiten und kochten am offenen Feuer.

Besonders bei Vätern und Söhnen leuchteten die Augen beim Anblick der Ausrüstung der Sarazenen oder Kreuzritter – erst recht, als sie ein echtes Kettenhemd überstreiften. „Mensch, ist das schwer“, staunte der fünfjährige Jonas, als ein Ritter aus dem Lager ihn einkleidete. Und gar die echten Schwerter und Lanzen . . . Ob die wohl wirklich scharf sind? Dieter Dalinski, seines Zeichens ebenfalls Sarazene und gleichzeitig Küchenchef auf dem Ziegelhof, lacht. „Es sind echte Waffen, aber sie sind nicht scharf, das wäre nicht erlaubt.“ Der Küchenchef ist während des Kunst- und Aktionspfads Gastroleiter und in seiner Freizeit in der Ritterschaft zu Gmünd aktiv. Von ihm kam auch die Idee, einen Mittelaltertag zu organisieren. Selbst Mitglied im Verein Staufersaga, wollte er seine Leidenschaft mit den Besuchern auf der Ziegelhütte teilen. Seine Truppe sind Sarazenen. Ein Sammelbegriff für die Kämpfer aus Nordafrika, angesiedelt im 12. Jahrhundert, passend zur Stauferzeit.

Die Ritterschaft zu Gmünd ist im Verein Staufersaga beheimatet. Ursprünglich als einmaliges Mittelalter-Projekt für das Jubiläumsjahr der Stadt Schwäbisch Gmünd 2012 gedacht, entwickelte sich bald eine eigenen Dynamik: Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Herkunft arbeiteten gemeinsam an der Verwirklichung dieses gemeinschaftlichen Projektes – und machten so die Stadtgeschichte von Schwäbisch Gmünd lebendig. Der Verein sieht es nun als seine Aufgabe, die Geschichte der Stauferzeit mit Leben zu erfüllen und zu bewahren – und das mit viel persönlichem Engagement.

Den Tag über sind auf der Ziegelhütte immer wieder Kämpfe zu sehen. „Die Truppe übt ihre Kämpfe ein, es wird im Vorfeld richtig trainiert. Bei dem Schaukampf sitzt jede Bewegung, jede Finte. Alle wissen, wer gewinnt – nur die Zuschauer nicht“, erklärt Dieter Dalinski. „Die Authentizität bei Kampf, Ausrüstung und den Waffen ist uns wichtig. Wir machen kein Hollywood-Gedengel. Es gibt eigene Choreografien und wir erzählen Geschichten“, verdeutlicht er. Am Nachmittag sorgen die Musikanten von „Banda Colini“ mit mittelalterlichen Klängen für eine authentische Stimmung. Ungewohnt für heutige Ohren sind nicht nur die Melodien und Tonfolgen, sondern auch der Klang der Instrumente: Es wird ohne Mikrofon und Verstärker gespielt – bald sind die Kaffeegäste ganz ruhig, um alles genau hören zu können. Ein Konzertsaal im Freien unter mächtigen Bäumen . . .

Mal mit Sarazenen plaudern und das Kampfhemd anziehen
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