Weilheim und Umgebung

Mehr als eine HallenfrageAnalyse

Dass Weilheim sich so klar gegen den Bau einer Kombihalle entschieden hat, lässt Gegner und Befürworter gleichermaßen aufatmen: Die Sorge, dass die Entscheidung allzu knapp ausfallen könnte, hat sich als unbegründet erwiesen. Trotzdem wirft die Tatsache, wie deutlich sich die Bewohner des Städtles gegen den Vorschlag der Verwaltung und des Gemeinderats gestellt haben, Fragen auf.

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Bürgermeister Johannes Züfle selbst wertet das Abstimmungsergebnis nicht als Misstrauensvotum: „Ich denke, es war eine Sachentscheidung, die umfangreich und weitreichend war.“ So sieht es auch die SBV-Stadträtin Gerda Schrägle: „Es war vor allem eine Standortentscheidung“, glaubt sie: „Ein Problem für viele Bürger war, dass die Kombihalle mitten in der Stadt gebaut werden sollte.“ UWV-Stadtrat Rainer Bauer vermutet, dass ein guter Teil des Votums auf Wähler zurückgeht, die am kleinen Saal der Limburghalle und an der Gaststätte hängen. Dr. Hansjörg Egerer hat „viele Emotionen“ wahrgenommen – „ganz unterschiedliche, denn jeder hat seine eigenen Gefühle in der Sache.“

Ausschließlich um die Halle ging es aber nicht, wie auch Rainer Bauer einräumt: „Manche Wähler haben sicher auch mit dem Gemeinderat und der Verwaltung abrechnen wollen.“ Denn die Gräben in Weilheim lassen sich nicht leugnen. Und dass viele Bürger unzufrieden sind, ist ein offenes Geheimnis. Hans-Peter Sindlinger von der Bürgerinitiative Pro Limburghalle spricht von „Basta-Politik“ und davon, dass sich viele Bürger nicht mehr mit ihren Interessen vertreten fühlen. Für Karl Mohring, Stadtrat und Vertrauensperson der Bürgerinitiative, schwingt in dem Ergebnis des Bürgerentscheids auch Kritik am Bürgermeister mit. „Die Bevölkerung ist nicht mitgenommen worden – sonst wäre nicht so abgestimmt worden“, sagt er und fordert: „Es wäre wichtig, das Ohr mehr am Bürger zu haben.“

Massive öffentliche Kritik am Bürgermeister übt auch der Vorstand des TSV Weilheim, mit 2 500 Mitglieder größter Verein im Städtle. Der TSV habe die Kombihalle nie haben wollen. Das sei von der Stadt aber verschleiert worden. „Wir fühlen uns übergangen und benutzt“, sagt der TSV-Vorsitzende Bruno Kächele. Auf seiner Homepage schildert der Vereinsvorstand die Ereignisse aus seiner Sicht und attestiert der Stadt eine „unfaire Vorgehensweise.“

BIANCA LÜTZ-HOLOCH