Weilheim und Umgebung

Mehr Mitsprache für mehr Teilhabe

Barrierefreiheit Der VdK-Ortsverband Weilheim möchte stärker an Planungen der Stadt beteiligt werden. Noch gibt es im Ort einige Hindernisse für Menschen mit Handicap, wie eine Rollstuhltour offenbart. Von Bianca Lütz-Holoch

Edith Schindler (2. v. l. vorne) und Jürgen Heiner (hinter ihr) vom VdK-Ortsverband auf Tour mit den Bürgermeisterkandidaten. Im
Edith Schindler (2. v. l. vorne) und Jürgen Heiner (hinter ihr) vom VdK-Ortsverband auf Tour mit den Bürgermeisterkandidaten. Im Rollstuhl mit dabei waren Hendrik van Woudenberg (links), Sibylle Karle (Mitte) und Johannes Züfle (2. v. r).Foto: Carsten Riedl

Schräge Bordsteine, Stufen, kurze Ampelphasen und herumstehende Mülleimer: Für Menschen im Rollstuhl birgt ein Stadtbummel oft eine Menge Hindernisse. Die Ortsgruppe Weilheim des Sozialverbands VdK wünscht sich in Zukunft mehr Mitspracherecht bei der Stadtplanung und setzt sich für die Gründung eines „Behindertenbeirats“ ein. Jürgen Heiner, Zweiter Vorsitzender der VdK-Ortsgruppe, und die Frauenbeauftragte Edith Schindler haben die Weilheimer Bürgermeisterkandidaten zu einer Tour im Rollstuhl eingeladen.

Die kleine Gruppe aus Rollstuhlfahrern und Fußgängern steht vor der Postagentur in der Brunnenstraße. „Heute kommt man zumindest bis vor die Tür, weil nicht alles zugeparkt ist“, sagt Edith Schindler. Seit 25 Jahren sitzt sie im Rollstuhl und ist täglich im Städtle unterwegs. Sie kennt die problematischen Stellen. Dazu gehört die Postagentur, die man nur über eine Stufe erreichen kann, aber auch die Treppe vorm Sportgeschäft Holl oder der Bereich vor der Bäckerei Mayer, wo es oft eng wird, wenn viele Leute auf den Bus warten.

Auch einige Gehwege sind alles andere als ideal für Rollstuhlfahrer. „Schlecht ist es, wenn sie stark zur Straße hin abfallen“, sagt Edith Schindler. Das merkt auch Bürgermeister Johannes Züfle, der sich selbst anschiebt: „Man braucht schon viel Kraft, damit man nicht auf die Fahrbahn rollt“, sagt er. Und so schön das Kopfsteinpflaster in der Altstadt aussieht: „Man wird man ganz schön durchgeschüttelt“, stellt Bürgermeisterkandidat Hendrik van Woudenberg fest. Auch kurze Grünphasen an Fußgängerampeln, herumstehende Mülleimer oder Autos, die auf Gehwegen parken, machen Menschen mit Behinderungen das Leben schwer oder stellen für sie unüberwindbare Hindernisse dar.

Deshalb hat die VdK-Ortsgruppe ein Anliegen: „Wir möchten einen Behindertenbeirat gründen“, sagt Jürgen Heiner. Ein Ziel sei es, die Stadtverwaltung zu den Belangen von Menschen mit Handicaps zu beraten. „Und zwar schon frühzeitig in der Planungsphase.“ An diejenigen, die mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind, soll ebenso gedacht werden wie an Sehbehinderte.

Der VdK möchte zudem Geschäfte, Veranstalter und Einwohner besser aufklären: „Wenn jeder Einzelne ein paar Kleinigkeiten beachtet, ist schon viel erreicht“, sagt Jürgen Heiner. Wie zum Beispiel im Café Wesley‘s. Zwar führen auch dort Stufen zur Eingangstür hinauf: „Aber bei Bedarf wird eine mobile Rampe ausgelegt“, freut er sich. Mit dem Vorschlag, einen Beirat zu gründen, stößt der VdK bei Bürgermeister Johannes Züfle und den Kandidaten Hendrik van Woudenberg, Sibylle Karle und Michael Holz auf offene Ohren. „Ich könnte mir das gut vorstellen“, sagt Johannes Züfle und verweist darauf, dass es bereits einen Rundgang des VdK mit dem Stadtbaumeister gegeben habe. Michael Holz schlägt eine Kampagne für Barrierefreiheit vor und wartet mit einer Idee für größere Veranstaltungen auf: „Man könnte ja vorschreiben, dass es Behinderten-Toiletten geben muss - zur Not eben spezielle Dixi-Klos.“

Bundesweite Kampagne des Sozialverbands VdK

„Weg mit den Barrieren!“ heißt eine Kampagne des Sozialverbands VdK. Mit Aktionen und Veranstaltungen wirkt er darauf hin, bauliche und sonstige Barrieren abzubauen, die gesellschaftliche Teilhabe verhindern. Der VdK fordert Regeln, Fristen, Kontrollen und Sanktionen, damit öffentliche Gebäude, Wohnungen und Dienstleistungen und Verkehrsanlagen für alle zugänglich werden. Weitere Infos unter www.weg-mit-den-barrieren.de.pm

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