Weilheim und Umgebung

Mehr Platz für die Wirtschaft im Voralbgebiet

Gewerbegebiet Aichelberg, Zell und Hattenhofen wollen neue Flächen an der A 8 ausweisen.

In Richtung Aichelberg würde der kleinere Teil des Gewerbegebiets liegen, der größere Teil in Richtung Holzmaden.Foto: Carsten R
In Richtung Aichelberg würde der kleinere Teil des Gewerbegebiets liegen, der größere Teil in Richtung Holzmaden.Foto: Carsten Riedl

Aichelberg. Es wäre das größte Gewerbegebiet im Raum Bad Boll: Eine Fläche von 13 Hektar entlang der Autobahn ist im Visier der drei Gemeinden Aichelberg, Zell und Hattenhofen. Sie haben bereits den höchst erfolgreichen Gewerbepark Wängen in Zell. Aber es geht nicht weiter. Die Wachtel ist in den möglichen Erweiterungsflächen zu Hause, und Vogelschutz wird großgeschrieben. Schließlich ist das Voralbgebiet in weiten Teilen ein europäisches Vogelschutzgebiet. Jetzt tritt auch die Wachtel als Schutzgut hervor.

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Fortführen wollen die Verbandsgemeinden ihre Erfolgsgeschichte, die ihnen finanziell guttut. So ist man auf das Gelände an der Autobahn gekommen. Zwischen der Straße nach Holzmaden und der Autobahn Ohmden gäbe es 13 Hektar. Man erinnere sich, dass einst Landrat Franz Weber den Zellern nahelegte, 20 Hektar Gewerbeflächen auszuweisen. Ein Aufschrei war die Folge.

Jetzt geht es um 13 Hektar direkt an der Autobahn, zusätzlich zu den rund zehn in den oberen Wängen bei Zell. 13 auf einen Streich: „Das ist nicht von Pappe“, räumt Aichelbergs Bürgermeister Martin Eisele ein. So viel Flächenverbrauch war nie. Was sagt der Bürger dazu? Das wollte der Schultes mit einer Informationsveranstaltung, die gestern Abend stattfand, ermitteln.

Aber das ist nur das eine. Solches Pläneschmieden ruft die Region Stuttgart auf den Plan. Sie hat entlang der Autobahn einen Grünzug ausgewiesen, der zunächst tabu ist. Das Regionalparlament kann ihn aufheben. Aber wie stehen die Chancen?

Eisele hat „gewisse Hoffnungen“. Zunächst hört es sich zwar denkbar ungewiss an. Die Verwaltung des Regionalverbands lasse den Gewerbegebietswunsch so nicht stehen, sondern unterziehe ihn einer Alternativen-Prüfung. Wenn sich irgendwo an der A 8 oder auch A 81 bis in den Stuttgarter Raum hinein eine andere Fläche als besser geeignet anbiete, komme diese zum Zug. „Das Ergebnis wissen wir nicht“, sagt Eisele. Aber der Schultes sieht die Region auch unter Druck, Gewerbeflächen zuzulassen. Vor 16 Jahren habe es im gesamten Ballungsraum Stuttgart noch 650 Hektar Reservebauland für Gewerbe gegeben. Jetzt seien nur noch 93 Hektar vorrätig, das heißt ausgewiesen und verfügbar. Der Aichelberger Bürgermeister muss auch nur zur Nachbarstadt Weilheim hinüberschauen. Die ist nämlich schon unterwegs zu einem großen Gewerbegebiet. Südlich der Autobahn und ein Stück weiter westlich will Weilheim sage und schreibe 30 Hektar ausweisen. Auch dort hat die Region das Sagen. Und sie hat den Weilheimern immerhin schon sieben Hektar zugestanden, heißt es.

Der Bedarf an Flächen zeigt sich an Anfragen der Wirtschaft. Vor nicht so langer Zeit hat sich die bahneigene Spedition Schenker für den Standort Aichelberg interessiert. Fünf Hektar an der Autobahn hätte sie gebraucht. Der Gemeinderat lehnte ab. Für ihn war das kein Gedanke. Und wo auch. Jetzt will er selber Bauland ausweisen. Und gut möglich, dass ein Unternehmen wie Schenker dann auch zum Zug kommt. Eisele glaubt, dass die Region fordert, den Logistik-Betrieben an der Autobahn auch einen Platz einzuräumen. Das kann eine Spedition sein oder ein Betrieb mit Umschlagplatz. Den würde man dann wohl im westlichen Bereich des Gewerbegebiets ansiedeln.

Ansonsten wollen die Gemeinden einen guten Branchenmix, wie bisher schon im Zeller Gewerbepark.

Offen ist noch etwas anderes. Ob das Gewerbegebiet auch für die östlichen Verbandsgemeinden Bad Boll, Dürnau und Gammelshausen offen stehen soll. „Die Diskussion ist noch nicht geführt“, sagt Eisele. Klar sei: „Da wäre die Schlagkraft gegenüber der Region höher.“

Wenn es etwas wird: „Da gehen locker drei Jahre rum, bis der erste Bagger rollt“, sagt Eisele. Und das wäre auch nur mal ein erster Abschnitt. Das gesamte Bild von 18 Hektar läge noch weit in der Zukunft.Jürgen Schäfer