Weilheim und Umgebung

Mit Blasmusik auf eine musikalische Weltreise

Konzert In der Limburghalle gab es imposante „Klangbilder“ der Stadtkapelle Weilheim zu hören. Hier wurde klar: Blasmusik muss nicht langweilig sein. Von Elisabeth Selch

Von Kanada bis nach Japan: Die Stadtkapelle Weilheim entführte mit ihren „Klangbildern“ in andere Länder.Foto: Christian Schlien
Von Kanada bis nach Japan: Die Stadtkapelle Weilheim entführte mit ihren „Klangbildern“ in andere Länder.Foto: Christian Schlienz

Zu Blasmusik gibt es viele Klischees. Dass moderne, anspruchsvolle Blasmusik richtig Spaß macht und meilenweit entfernt ist von verstaubtem „Rumtata“, bewies die Stadtkapelle Weilheim beim Winterkonzert „Klangbilder“.

Vorstandsmitglied Thomas Schediwy berichtete, wie Nachwuchs die Reihen erweitert, Jung und Alt gemeinsam musizieren und vom Dirigenten Stefan Koch „punktgenau“ vorbereitet werden. Dies hört man der Jugendkapelle an, die mit Souveränität, Präzision und Spielfreude beeindruckte.

Charmant moderiert von Fabian Kälble und Philipp Moll begannen sie die musikalische Reise in Kanada mit „Silver Creek Valley“ von Kees Vlak, weiter ging es über Irland in die USA. Bernsteins „West Side Story“ ist wegen komplexer Harmonien eine besondere Herausforderung, die die jungen Musiker mit Bravour meisterten. Nachdem sie mit John Powells Filmmusik zu „Drachenzähmen leicht gemacht“ Feuer ins Publikum bliesen, gaben sie eine groovige Zugabe mit „Smooth“ von Santana.

Schon jetzt wurde das Konzert dem Programmtitel „Klangbilder“ gerecht: Mit Hufgeklapper in Kanada, irischem Tanz und den hörbaren Konflikten der West Side Story rief jedes Stück neue Bilder beim Zuhörer hervor. Wie schade, dass die Jugendkapelle in dieser Form nicht weiter bestehen wird. Doch Stefan Koch konnte trösten: Aus den Kindern wurden junge Erwachsene, die nun alle in die Stammkapelle wechseln – offensichtlich vermag es die Stadtkapelle, Musiker jeden Alters dauerhaft zu begeistern.

Dass viele Mitglieder jahrzehntelang Arbeit, Zeit und Leidenschaft in die Stadtkapelle investieren, verdient Respekt. Dementsprechend ehrte Walter Kiedaisch, Ehrenpräsident des Blasmusikverbands Esslingen, mit Thomas Schediwy, Kurt Linsenmayer, Jutta Lube und Joachim Kamin besonders verdiente Musiker. Dabei erhielt Jutta Lube für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft gleich zwei Auszeichnungen des Landes- und des Kreisverbands der Blasmusik. Eine seltene Auszeichnung bekam Joachim Kamin mit der Medaille in Gold mit Diamant für seine Führungsaufgaben in 35 Jahren aktiver Mitgliedschaft. Den Geehrten widmete die Stammkapelle mit „Apollo“ von Jan van der Roost einen fulminanten Ehrenmarsch.

Weiter ging die Reise von Japan nach Österreich, unterhaltsam geführt von Konrad Rütter. Im sinfonischen Werk „Schmelzende Riesen“ goss Armin Kofler die gewaltige Bergwelt in Zeiten der Klimaerwärmung in Musik. Klangmächtig zeichnet das Werk ein erhabenes Panorama der Alpen – ein ergreifender Höhepunkt des Abends.

Das kontinuierliche Engagement der Musiker schlägt sich hör- und sichtbar auf die herausragende musikalische Qualität der Stadtkapelle nieder. Mit musikalischem Feingefühl, mitreißender Spannung, imposanter Klangfülle und perfektem Zusammenspiel führten die Musiker das Publikum nach Schottland und „in 80 Tagen um die Welt“.

„Öffnen Sie Ihren Geist“, rief Konrad Rütter augenzwinkernd, bevor die bekannten Melodien des Hippie-Musicals „Hair“ erklangen. Zart und romantisch endete das Winterkonzert mit der Zugabe „All I ask of you“ aus dem Musical „Phantom der Oper“. Alle Facetten der Blasmusik zeigte die Stadtkapelle mit diesem beeindruckenden Konzert, das Lust auf mehr macht.

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