Weilheim und Umgebung

Mit dem Esel vorbei am Märchenerzähler

Zweiter Kunsthandwerkermarkt „Sommerlust an der Ziegelhütte“ und Hoffest des Demeterbetriebs

Mit dem Esel vorbei am Märchenerzähler
Mit dem Esel vorbei am Märchenerzähler

Bissingen. „Theoretisch kann ich praktisch alles“, weckt ein rotes Schild in Lothar Wolfs Holzwerkstatt das Interesse der Kundschaft. Auch sonniges beständiges Wetter? Oder

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fiese Regenwolken in die Wüste schicken? Leider nein. Auf keinen Fall hypothetisch präsentiert der fleißige wie talentierte Hobbydrechsler aus Neuffen seine Schätze unterm schützenden Zeltdach. Ob sorgsam designte Holzknöpfe oder Schmuckstücke, Kerzenhalter, Kugelschreiber, Schneidbretter nebst Schalen aus heimischen und exotischen Hölzern, die Auswahl ist riesig. Zumindest die ersten drei Stunden am Samstag erweist sich die Besucherzahl bei der nunmehr zweiten Auflage „Sommerlust an der Ziegelhütte“ bei Ochsenwang als recht überschaubar. Andererseits, schlechte Stimmung wegen des Platzregens? Pustekuchen! Sowohl Händler, als auch die etwa zwei Dutzend Gäste, die Sommerlust wortwörtlich nehmen, lassen sich ihre gute Laune nicht vermiesen. Das wird noch, heute Nachmittag und am Sonntag kommt der Sommer, lautet das allgemeine Credo.

Recht zuversichtlich zeigen sich die zwei Organisatorinnen Inge Bauer und Magdalena Höhne, zuständig für Textiles und Schmuck. Beiden ist noch das große Interesse der elf vergangenen Kunsthandwerkermärkte in Schopfloch im Gedächtnis, damals fand alles komprimiert auf einem Parkplatz statt. „Der wundervolle Platz rund um die Ziegelhütte ist für uns natürlich ein Glücksfall“, sagen sie und trommeln die Aussteller mittels Kuhglocke zu einem Sektumtrunk zusammen.

Ursula MacLeod, eigens aus Freiburg für den schönen Markt angereist, gefällt obendrein die schöne Gegend mit der ursprünglichen Natur. Ganz fasziniert betrachtet sie die liebevoll gefertigten Papierkreationen von Irene Löffel. Seit dreißig Jahren widmet sich die Grafikerin der Origami-Kunst, faltet neben farbenprächtigen Kusudama-Kugeln unter anderem Blüten, Kraniche, Schmetterlinge, Babyschuhe oder High-Heels, bisweilen als Dekoration auf ultrakleinen Geschenkverpackungen. Allerlei aus Glas, Keramik und Porzellan, Naturseifen oder Honig, Eingemachtes, Buchbinderei, Pflanzenfärberei, Wollbilder sowie Mode und Accessoires aus Walkloden wind ebenso vertreten. „Für mich ist es Stressabbau“, verrät Hanne Detki-Wott. Die Erzieherin aus Owen ist quasi die „Mama“ von unzähligen, mit Schafwolle gefüllten Häkel- und Strickpüppchen. „Dinge, die von Hand gefertigt sind, schaffen Energie“, betont Annette Falz-Orlitta und schiebt nach: „Viele Texte finden mich“. Neben Segens- und Geburtsstäben aus Holz, bietet sie Wortspiele wie „Ranunkelgemunkel“, „Wiesengekuschel“, „Sonnenwonne“ oder „Eisglitzern“ als quadratische Spruchbilder jeglicher Couleur an.

Während das Trio Martina Fuß, Beate Geyer und Catrin Rapp sich noch gemeinsam überlegt, welche von Anke Steinbergs Keramikvasen nun die Schönste ist, hat sich Elke Kusnitzius längst für eine nahtlose Wendejacke in Grüntönen entschieden. „Die soll jetzt gekürzt werden“, verrät die modische Seniorin aus Köngen, treue Stammkundin von Inge Bauer, die hochwertige Einzelstücke aus Filz herstellt.

„Herbei, herbei, bereitet ist der Märchenbrei“, ruft Eckhardt Zehner kleine wie große Gäste zu sich und flugs löst sich ein Dreikäsehoch von der Hand seiner Mama und rennt zu dem Märchenerzähler. Nachdem wechselhaften Samstag, dürfen sich die Veranstalter am Sonntag aufgrund des deutlich besseren Wetters über einen wahren Besucheransturm freuen. So lockt das Hoffest mit seinen Führungen Jung und Alt. Besonders kleine Gäste kommen beim Eselreiten, Fossilienverkauf und der Strohhüpfburg auf ihre Kosten, Musik und Tanz sowie leckeres Bio-Essen kommen gleichfalls prima an, freuen sich die Hofbesitzer Susanna Lindeke, Bernd und Marianne Schnabel sowie Kenneth Stange. Das Quartett bietet nicht nur pure Bauernhofidylle, so sind sie auch mächtig stolz darauf, der vermutlich einzige reine Heubetrieb ohne Silage im Kreis Esslingen zu sein. Fotos: Kenneth StangeSabine Ackermann

Mit dem Esel vorbei am Märchenerzähler
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