Weilheim und Umgebung

Mit der Kirche ums Dorf ins Tal

Bauarbeiten Im April ist die Straße zwischen Neidlingen und Weilheim gesperrt. Autofahrer werden offiziell über Ochsenwang umgeleitet, für die Firmen sind Sonderlösungen geplant. Von Bianca Lütz-Holoch

Gute Nerven brauchen alle, die regelmäßig mit dem Auto zwischen Weilheim und Neidlingen oder Hepsisau unterwegs sind. Denn was durchs Tal normalerweise fünf Minuten dauert, wird vom 1. April an zu einer ausgewachsenen Tour über die Alb. Vier Wochen lang ist die Landesstraße zwischen Weilheim und Neidlingen gesperrt, weil der Fahrbahnbelag erneuert wird. Umgeleitet wird der Verkehr über Bissingen, Ochsenwang und Schopfloch. „Von Neidlingen aus sind das 17 Kilometer Umweg“, sagt Neidlingens Bürgermeister Klaus Däschler. „Man muss 20 bis 30 Minuten mehr Fahrzeit einplanen.“ Von Hepsisau aus dauert die Fahrt mindestens zehn bis 15 Minuten länger.

Kein Wunder also, dass es auf den Rathäusern Beschwerden hagelt. Dabei haben die Kommunen mit der Baumaßnahme an sich gar nichts zu tun: „Den genauen Zeitraum der Sperrung kenne ich auch erst seit zwei Wochen“, sagt Klaus Däschler. Unglücklicherweise fällt da auch das Wochenende des 13. und 14. April hinein, an dem Weilheim seinen Kirschblütentag feiert und der Neidlinger Musikverein sein Frühlingsfest. „Die Infos der Behörden waren dürftig. Wir sind beim Entscheidungsprozess nicht mitgenommen worden“, bedauert Däschler. Verantwortlich für die Sanierung des 3,6 Kilometer langen Abschnitts der L 1200 ist das Land Baden-Württemberg. Abgewickelt wird die Maßnahme vom Regierungspräsidium Stuttgart.

Alle Hände voll zu tun haben die Mitarbeiter der Verwaltungen in Neidlingen und Weilheim trotzdem: Sie müssen Lösungen für zahlreiche Probleme finden, die mit der Sperrung einhergehen. Reibungslos weiterlaufen soll der Busverkehr: „Linienbusse und Schulbusse werden auf Feldwegen parallel zur Landesstraße im Ringverkehr nach Neidlingen, Hepsisau und wieder zurück geführt“, sagt Helmut Burkhardt, Leiter des Weilheimer Ordnungsamts. Auch der Halbstundentakt soll aufrechterhalten bleiben. „Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen auf den Bus umsteigen und das Auto stehen lassen.“ Radfahrer können in der Zeit nicht die Wege parallel zur Landesstraße nutzen, weil dort der Bus fährt. Für sie wird aber eine Strecke ausgeschildert, die an der Oberen Mühle in Weilheim vorbeiführt. „Mir ist es wichtig, dass Radler und Busse getrennt fahren können“, betont Helmut Burkhardt.

Warten auf die Genehmigung

Schwieriger ist es da schon, den ortsansässigen Unternehmen gerecht zu werden, allen voran der Firma Festool in Neidlingen. „Das Unternehmen hat am Standort Neidlingen 460 Mitarbeiter im Schichtbetrieb, die alle zur Arbeit kommen müssen“, weiß Klaus Däschler. Zudem nutzt sie ein computergesteuerte Lager- und Zulieferersystem. „Es werden quasi im Stundentakt automatisch Teile angefordert und geliefert. Wenn das alles über die Alb hergebracht werden muss, bricht die Produktion zusammen.“ Lösungsvorschläge hat der Schultes längst auf dem Tisch liegen, und die Ausnahmegenehmigungen sind beantragt. „Wir planen, Shuttlebusse ab Weilheim für die Mitarbeiter einzurichten“, sagt er. „Kleinere Zuliefererlaster, die stündlich kommen, wollen wir den Bussen hinterherschicken.“ Erste Signale aus dem Landratsamt Esslingen lassen Klaus Däschler nun hoffen, dass das so klappen könnte.

Fest steht auch, dass größere Lastwagen den Weg über die Alb nehmen müssen. In Neidlingen dürfte das funktionieren. „Ich hoffe darauf, dass Wiesensteig seine Beschränkung auf zwölf Tonnen für die Zeit aussetzt“, so Däschler. Für die Unternehmen in Hepsisau dagegen sind andere Ideen gefragt. „Die Steige nach Ochsenwang ist auf 7,5 Tonnen begrenzt“, sagt Helmut Burkhardt. Kein 40-Tonner könne da entlangfahren. „Nun planen wir, dass sich die Baufirma mit den Zulieferern abspricht, wann sie durch die Baustelle nach Hepsisau fahren können.“

Ganz wichtig ist es Klaus Däschler und Helmut Burkhardt, dass die Autofahrer tatsächlich in den sauren Apfel beißen und die Umleitungen nehmen oder aber auf Bus und Rad umsteigen. „Tun sie das nicht, bricht das ganze System zusammen“, fürchtet Helmut Burkhardt. Insbesondere für Rettungskräfte - die ebenso wie Ärzte und Pflegedienste auf den Busstrecken fahren dürfen - könnte es dann im Ernstfall kein Durchkommen mehr geben.

Bauarbeiten starten bereits kommende Woche

Als stark sanierungsbedürftig stuft das Regierungspräsidium Stuttgart die L 1200 zwischen Neidlingen und Weilheim ein. Erneuert wird nicht nur der Straßenbelag. Auch Dohlen, Randsteine und Straßenmarkierungen stehen auf der Agenda.

Start der Bauarbeiten ist am Montag, 25. März. Zunächst ist lediglich das Bankett an der Reihe, sodass Autos noch in beiden Richtungen freie Fahrt haben.

Voll gesperrt ist die Straße voraussichtlich knappe vier Wochen lang, von Montag, 1. April, bis Freitag, 26. April.

Die offizielle Umleitung nach Weilheim verläuft von Hepsisau aus die Steige hoch über Ochsenwang und von Neidlingen aus am Bahnhöfle vorbei über Schopfloch und Ochsenwang. Erreichbar ist Neidlingen aber auch über Mühlhausen via Gruibingen oder die Autobahn.

Die Busverbindung zwischen Neidlingen, Hepsisau und Weilheim bleibt die ganze Zeit über bestehen. Teilweise werden Ersatzhaltestellen eingerichtet. Zudem gibt es eine speziell ausgeschilderte Strecke für Radfahrer.

Die Summe, die das Land Baden-Württemberg in die Sanierung des 3,6 Kilometer langen Abschnitts der Landesstraße 1200 steckt, beläuft sich auf 650 000 Euro.bil

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