Weilheim und Umgebung

Musiker-Einsatz am Heiligen Abend

Tradition In Gruibingen zieht der Musikverein seit 70 Jahren am 24. Dezember durch den Ort. Früher ging es um 15 Uhr los, aber das reicht nicht mehr: Die Gemeinde ist gewachsen. Von Patricia Jeanette Moser

Walter Mann (Flügelhorn), Hans Straub (Zugposaune), Thomas Kuch (Tenorhorn), Vorsitzender Helmut Wörz (Tuba) und Markus Häderle
Walter Mann (Flügelhorn), Hans Straub (Zugposaune), Thomas Kuch (Tenorhorn), Vorsitzender Helmut Wörz (Tuba) und Markus Häderle an den Drums bilden einen Teil des Musikvereins. Foto: Patricia J. Moser

Wenn der Advent endet und am Heiligen Abend die Weihnachtszeit beginnt, dann wird es am Nachmittag des Heiligen Abends lebhaft in Gruibingens Straßen. Eine schöne Tradition führt den Musikverein, in drei Gruppen aufgeteilt, durch das weihnachtliche Dorf. „Wir haben das immer durchgezogen“, berichtet Walter Mann, Musikersprecher des Musikvereins und selbst aktiv mit Trompete und Flügelhorn. Er spielt abwechselnd das Instrument, auf das er Lust hat, so bestätigen seine Musikerkameraden lachend. Selbst bei Minusgraden sind die tapferen Musiker in diesen langen Jahren durch das Dorf gezogen und haben ihre Weihnachtslieder geblasen.

1949 fing alles an, und die Musikkapelle zog damals noch, alle gemeinsam, marschierend durch das Dorf. Noch vor Jahren begann der musikalische Marsch um 15 Uhr. „Heute reicht uns das nicht mehr - denn das Dorf ist gewachsen“, sagt Helmut Wörz, der Vorsitzende des Musikvereins. Hans Straub, der Kassenprüfer, der die Zugposaune spielt, erinnert sich noch gut. Bei seiner Mutter hat man sich einst aufgewärmt bei Most und Weihnachtsbrötle. Das war eine traditionelle Station. Gerne erinnern sich die älteren Vereinsmitglieder an Hermann Moll, Gründungs- und Ehrenmitglied, der im Jahr 2011 einhundert Jahre alt wurde. „In seiner Wohnstube begann alles“, so Kassenprüfer Hans Straub. Zunächst spielte der Musikverein vor dem Haus von Hermann Moll.

Schon Instrumente eingefroren

Nach dem musikalischen Rundgang durchs Dorf fand dann der traditionelle Abschluss wieder bei Hermann Moll statt. „Jeder brachte ein Scheit Holz mit, um die Stube lang warm zu halten, und die Ur-enkel spielen heute noch im Orchester“, so die Erinnerung heute. So schön das Musizieren immer war, es sind doch die Abschlüsse des weihnachtlichen Musizierens, an die sich die Musiker gerne erinnern. Bis 1997/98 feierten die Musiker gerne ihren Abschluss bei der „Kronenwirtin“ Hilde Burr, bis die „Krone“ eine Zeit lang geschlossen war. Die „Wasen-Gruppe“ kehrte immer gerne im „Adler“ bei Fritz Schall ein. Hier war zeitweise auch das Probenlokal der Gruibinger Musiker und zeitweise auch im Saal in der „Krone“.

Bei Minusgraden froren bei den Musikern schon mal die Instrumente ein. Heute sind es sechs bis acht Musiker, in drei Gruppen aufgeteilt, die in ihrem eigenen Bezirk vor den Häusern spielen. Die Weihnachtsausgabe des Musikheftes „Der Bläser im Jahreskreis“ enthält 27 Lieder, die allesamt am Heiligen Abend vom Musikverein gespielt werden.

Von „Alle Jahre wieder“ bis „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ ist alles dabei, was die Herzen der Zuhörer in weihnachtliche Stimmung versetzt. Dem Wachstum der Gemeinde wird Rechnung getragen, indem der Musikverein mittlerweile eine Stunde früher, um 14 Uhr, beginnt. Viel Freude erfahren die Musizierenden an den Haustüren und Fenstern am Heiligen Abend. Gerne stellen sie sich der jeweiligen Witterung zugunsten dieser Freude und „opfern“ sich genauso gerne bei Glühwein, Schnäpsle und Weihnachtsgebäck.

„Unsere Familien sind das gewohnt“, so Walter Mann, der gebürtige Gruibinger und heutige Auendorfer. Zentraler Treffpunkt für alle drei musizierenden Gruppen ist am Ende des Nachmittags das örtliche Rathaus. Die Gruppe „Wasen“ spielt während des Festgottesdienstes im Freien. „Die Martinskirche ist am Heiligen Abend so voll, da passen die Musiker nicht mehr hinein“, so die Herren vom Musikverein.

Der Einsatz endet fürs Orchester damit nicht. Am ersten Weihnachtsfeiertag begleiten die Musiker den Gottesdienst in der katholischen Kirche. Dies sei der schwierigste Teil des musikalischen Einsatzes, schließlich habe man da schon einiges hinter sich. Der Musikverein Gruibingen, der auch eine Jugendkapelle mit elf Mitgliedern hat, wird es auch dieses Jahr wieder „durchziehen“, egal ob es stürmt oder schneit.

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