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Nachgefragt - „Ein großer Schritt für die Kindertagespflege – aber nicht der letzte

Die Geschäftsführerin des Tageselternvereins im Landkreis Esslingen, Sibylle Schober, über Chancen und Rolle von Tageseltern

Sibylle Schober ist Geschäftsführerin des Tageselternvereins im Landkreis Esslingen. Mit ihr hat der Teckbote über die Chancen und Zukunft der Kindertagespflege in Ohmden und im gesamten Kreis gesprochen.

„Ein großer Schritt für die Kindertagespflege – aber nicht der letzte“Nachgefragt
„Ein großer Schritt für die Kindertagespflege – aber nicht der letzte“Nachgefragt

Als letzte der 44 Kreisgemeinden kooperiert nun auch Ohmden mit dem Tageselternverein. Haben Sie damit ihr Ziel erreicht?

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SIBYLLE SCHOBER: Für mich ist das ein großer Schritt – aber nicht der letzte. Aus der gemeinsamen Empfehlung von Tageselternverein und Landkreis Esslingen picken sich die Kommunen individuelle Bausteine heraus. Deshalb haben wir leider noch kein einheitlich gefördertes Modell in allen 44 Kreisgemeinden. Wir als Verein würden uns wünschen, dass alle Kommunen zumindest die empfohlene Zusatzförderung einheitlich abdecken.

 

Ist denn die Förderung, für die Ohmden sich entschieden hat, aus Ihrer Sicht weitreichend genug?

SCHOBER: Ohmden hat Urlaubs- und Krankheitszahlungen leider auch nicht als Bausteine aus der empfohlenen Zusatzförderung gewählt. Da möchte der Verein in Zukunft noch drauf hinwirken. Schließlich hat Ohmden eine hohe Wohnattraktivität für junge Familien und viel Potenzial. Es weist eine sehr ländliche Struktur auf und viele Eltern setzen auf persönliche Betreuung.

 

Wie viele Tagespflegepersonen gibt es denn in Ohmden?

SCHOBER: Aktuell gibt es zwei qualifizierte Tagesmütter, von denen jede ein Kind betreut. Außerdem werden zwei Ohmdener Kinder in anderen Gemeinden von Tagesmüttern betreut.

Erwarten Sie, dass jetzt noch mehr dazukommen, nachdem Ohmden in die Finanzierung eingestiegen ist?

SCHOBER: Ja, ich sehe da durchaus Potenzial. Es besteht die Möglichkeit, weitere Plätze zu generieren und auch weitere Personen zu rekrutieren, die sich bisher wegen mangelnder Förderung zurückgehalten haben.

 

Ohmdens Bürgermeister Martin Funk hat Tagesmütter auch als eine Art Ersatz für Kernzeitenbetreuung vorgeschlagen. Halten Sie das für realistisch?

SCHOBER: Grundsätzlich ist die Kindertagespflege ein Angebot für Mädchen und Jungen von null bis 14  Jahren. Allerdings dürfen Tagespflegepersonen maximal acht Kinder insgesamt und höchstens fünf gleichzeitig betreuen. Ein Kind, das jeden Tag nur eine Stunde über Mittag kommt, belegt trotzdem einen ganzen Platz. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wird eine Tagespflegeperson da sehr wohl überlegen, ob sich das für sie lohnt. In den meisten Fällen sind Tageseltern an längeren Betreuungszeiten interessiert. In Einzelfällen ist solch eine Überbrückung aber natürlich möglich.

 

Können Sie als Tageselternverein da Einfluss nehmen?

SCHOBER: : Nein. Als Tageselternverein begleiten wir zwar die Qualifizierung, beraten und überprüfen die Tageseltern und vermitteln Tagespflegeverhältnisse. Aber die Tagespflegepersonen arbeiten selbstständig. Sie schließen einen privatrechtlichen Vertrag mit den Eltern und entscheiden selbst, welche Kinder sie zu welchen Zeiten betreuen wollen.

 

Haben Sie im Kreis Esslingen eigentlich genügend Tagespflegepersonen oder nicht?

SCHOBER: Wir haben sehr viele Tagespflegepersonen, die schon ganz lange und erfolgreich tätig sind. Gleichzeitig verzeichnen wir aber auch eine erhöhte Nachfrage. Das liegt daran, dass Frauen früher zurück in ihren Beruf gehen. Eltern mit Kindern bis drei Jahren können die Betreuung bedarfsgerecht wählen und müssen kein komplettes Paket buchen. Auch für Kindergarten- und Schulkinder ist die Tagespflege eine positive Ergänzung mit einer konstanten Bezugsperson – im besten Fall durchgehend bis zum 14. Lebensjahr. Uns muss es nun gelingen, den Beruf attraktiver zu machen. Wir stehen auch in Konkurrenz zu Tätigkeiten in Büro oder Handel.

 

Was müsste sich tun, damit es für mehr Menschen infrage kommt, Tageseltern zu werden?

SCHOBER: Der Auftrag für uns ist es, die inhaltliche Arbeit und die finanzielle Entlohnung attraktiv zu gestalten. Das gelingt, wenn Bewegung in Struktur und Entlohnung kommt. Landespolitisch wollen wir uns konkret dafür einsetzen, dass die laufenden Geldleistungen von 5,50 Euro auf 7,50 Euro erhöht werden und die Finanzierung von Urlaub und Krankheit grundsätzlich inbegriffen ist. Dann hätten wir keine kommunalen Unterschiede mehr, dafür aber eine Anerkennung der Leistung. Schließlich haben ja auch Tageseltern einen Bildungsauftrag.

 

Im Kreis Göppingen läuft gerade eine Plakat-Kampagne für den dortigen Tageselternverein. Ist in Esslingen so etwas auch geplant?

SCHOBER: Wir sind gerade dabei, unsere Plakate und Flyer auf neue Füße zu stellen und wollen damit breit an die Öffentlichkeit gehen. Im Kreis Esslingen wollen wir künftig zielgerichteter werben: Wenn wir in einem Ort Tagesmütter, Tagesväter oder Kinderfrauen suchen, dann werden Plakate aufgehängt, die sich an diese Zielgruppe richten, in einem anderem Ort sind die Adressaten eher Eltern.