Weilheim und Umgebung

„Nacked“ in den Ort gekommen und dann viel bewegt

Lokalpolitik Seit 30 Jahren ist Rainer Stephan im Holzmadener Gemeinderat. Nun beginnt seine siebte Wahlperiode.

Rainer Stephan vor dem Brunnen mit Ortswappen. Foto: Markus Brändli
Rainer Stephan vor dem Brunnen mit Ortswappen. Foto: Markus Brändli

Holzmaden. Er ist der letzte Gemeinderat, der „nacked“ in Holzmaden angekommen ist und nicht im Strampelanzug aus dem Krankenhaus. Als letztes Kind des Ortes per Hausgeburt auf die Welt gekommen zu sein, ist nicht die einzige Besonderheit des Rainer Stephan: Zum siebten Mal wird er in den kommenden fünf Jahren im Holzmadener Gemeinderat sitzen, so oft wie niemand vor ihm.

Dabei hat Stephans lange Gemeindekarriere mit einer Niederlage begonnen. Nachdem er 1982 in seinem geliebten Heimatort bei der Wahl zum Bürgermeister im zweiten Wahlgang gegen Jürgen Berner gescheitert war, zog er sich nicht in den Schmollwinkel zurück. „Ich habe kein Problem damit gehabt“, sagt er heute. Im Gegenteil: Zwei Jahre später kandidierte er für den Gemeinderat und arbeitete 14 Jahre mit Berner zusammen. „Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis“, betont er.

Mit 29 Jahren kam Rainer Stephan als Stimmenkönig in den Holzmadener Gemeinderat. Nicht nur das: Er tat dies als Gründer, Leiter und Sprecher der Wählervereingung Holzmadener Bürgerliste. Das zeigt, wie gut der „Ur-Einwohner“ vernetzt ist, nicht nur als Mitglied des TSV Holzmaden von Kindesbeinen an. „Mitmachen und Dabeisein war von jeher meine Motivation“, sagt er. Als 1995 die Leitung der Außenstelle der Volkshochschule frei wurde, musste er nicht lange überlegen, das war ein Traumjob für ihn. Vier Mal in Folge ließ sich Rainer Stephan aufstellen und zog jedes Mal als Stimmenkönig wieder ein. Von 2009 bis 2014 nahm er sich eine Auszeit und ging in den Esslinger Kreistag. In der Zeit kandidierte er auch für die FDP für den Landtag - und bekam plötzlich den rauen Wind der „großen Politik“ zu spüren, in Form anonymer Drohbriefe. „Das war das einzige Mal, dass meine Frau fragte, ob es das alles wert sei“, erinnert er sich. Doch es sollte eine der wenigen unerfreulichen Episoden bleiben: Im Jahr 2014 kandidierte Stephan wieder für den Holzmadener Gemeinderat - und wurde gewählt.

Im Laufe seiner Ratstätigkeit ist der Ort um mehr als die Hälfte gewachsen und hat vor allem wirtschaftlich zugelegt. Unter Rainer Stephans Mitwirkung ist 1996 die Sport- und Freizeitanlage Brühl neben der Gemeindehalle eingeweiht worden. Wo vorher der alte Sportplatz war, konnte das Gewerbegebiet Zeller Straße erheblich vergrößert werden. „Das war klasse, da ist eine wunderbare Infrastruktur entstanden“, sagt er. Ebenso stolz ist der zweifache Vater auf die Rettung des historischen Fachwerk-Rathauses, das 1987 renoviert und nicht abgerissen und neu gebaut wurde, wie es sich einige Teile der Gemeinde wünschten. Heute wäre Holzmaden ohne sein architektonisches Wahrzeichen unvorstellbar.

Drei Bürgermeister hat Rainer Stephan als Mitglied im Gemeinderat erlebt. Im Nachhinein ist er sogar ganz froh, dass es damals vor 35 Jahren mit dem Bürgermeisteramt nicht geklappt hat. „Der Bürgermeister hat Einblick in alles, das gefällt nicht jedem in der Gemeinde. Die Leute reagieren dann anders auf Sie, wenn Sie Bürgermeister sind“, sagt er. Was nicht heißen soll, dass es im Gemeinderat nicht auch manches Mal hoch herging. „Wenn Sie schnell eingeschnappt sind, dürfen Sie das nicht machen“, sagt er. Bemerkungen im Gremium oder im Ort müsse man aushalten können. Das konnte er: „Ich hab es immer gern gemacht, sonst wäre ich ja nicht dabeigeblieben.“ Thomas Zapp

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