Weilheim und Umgebung

Nähen für den Herzog

In der Zähringer Nähstube geht es rund: Sechs Frauen fertigen in ihrer Freizeit Kostüme, Hauben und Wimpel für den Zähringermarkt in Weilheim an.

Zuschneiden, abstecken, nähen - sechs Frauen um Adelheid Metzger (an der Nähmaschine) haben in der Zähringer Nähstube Kostüme, W
Zuschneiden, abstecken, nähen - sechs Frauen um Adelheid Metzger (an der Nähmaschine) haben in der Zähringer Nähstube Kostüme, Wimpel und Flaggen hergestellt.Foto: Carsten Riedl

Weilheim. Adelheid Metzger lüftet das Nähmaschinenfüßchen, zieht den braunen, glänzenden Stoff hervor und hält ihn in die Höhe: „Das wird die Borte für Bertolds Kostüm“, sagt sie. Zusammen mit fünf anderen Frauen hat Adelheid Metzger in den vergangenen Monaten genäht, was das Zeug hält – und zwar ehrenamtlich: „Über 200 Stunden haben wir bislang investiert“, sagt Metzger, die im Vorstand des Kino-, Kunst- und Kulturvereins sitzt. Sie selbst hat nicht nur genäht, sondern die Zähringer Nähstube auch zusammen mit Sandra Schöne von der Innenstadtoffensive organisiert. Denn hinter dem Projekt steckt weit mehr als nur ein paar Nähte zu setzen.

„Wir wollten nichts dem Zufall überlassen und die Kleidung möglichst originalgetreu gestalten“, sagt Sandra Schöne. Zum Beispiel das Gewand von Herzog Bertold, der zusammen mit seiner Gattin Richwara über den Markt wandeln soll. Das Problem: „Anfangs haben wir immer nur kleine Bilder gefunden, auf denen die Borte am Saum aussah wie ein Leopardenfell“, erzählt Adelheid Metzger. So entschloss sie sich kurzerhand, in die Kunsthalle nach Karlsruhe zu fahren. Dort hängt im Treppenhaus ein Gemälde, das Bertold I. bei der Einweihung des Freiburger Münsters zeigt. Es offenbarte ihr, dass die Borte aus braunem Stoff besteht und kunstvoll mit hellen Bändern und bunten Edelsteinen verziert ist. Beim Kostüm von Bertolds Frau Richwara dagegen war vor allem die Farbgebung schwierig. „Wir wollten die Zähringerfarben weinrot und gold aufgreifen“, berichtet Sandra Schöne. Allzu rot durfte der Stoff aber nicht sein: „Das wäre zu königlich gewesen.“ Und allzu gelb auch nicht: „Denn gelb trugen im Mittelalter nur die Huren.“

Das Ergebnis in gedecktem Rot und Beige probiert Gabriele Schneider von der Mittelalter-Gruppe Pfeilgesindel an diesem Tag zum ersten Mal an. Sie verkörpert beim Markt die Richwara, ihr Mann Klaus den Herzog. Regina Braisch zupft am Kleid und steckt ein Stück überschüssigen Stoff ab. Die pensionierte Damenschneiderin hat die Kostüme für Bertold und Richwara entworfen und genäht. „Ich bin schon richtig infiziert von den Zähringern“, sagt sie lachend. Mit von der Partie in der Zähringer Nähstube sind übrigens auch Lilo Drexler und Barbara Fenske von den Weilheimer Landfrauen: „Wir haben 32 mittelalterliche Häubchen genäht“, sagt Lilo Drexler. Die werden beim Zähringermarkt nicht nur die Landfrauen in ihrem Café im Bürgerhaus tragen, sondern auch die Marktbeschickerinnen.

Auch zwei stattliche Ritter schlüpfen an diesem Tag erstmals in die Zähringer-Kluft. Kettenhemden und Gambeson zum Drunterziehen steuern die Mitglieder der Mittelaltergruppe selbst bei. Darüber kommen Wappenröcke, die Adelheid Metzger gefertigt hat. Gemeinsam haben die Frauen aus der Nähstube auch noch Gugeln, also mittelalterliche Überwürfe, Flaggen und Wimpel genäht, die die Innenstadt schmücken sollen. „Insgesamt sind es 600 Wimpel auf 300 Meter Schnur“, sagt Adelheid Metzger. Dem Zufall bleibt auch hier nichts überlassen: „Wir haben zusammen mit dem Bauhof per Laserpointer die Entfernung zwischen Bäumen und Hauswänden vermessen, damit nachher alles passt“, verrät Sandra Schöne.

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