Weilheim und Umgebung

Natur und Kultur im perfekten Einklang

Eröffnung Der Kunst- und Aktionspfad am Randecker Maar bietet besondere Einblicke und Ausblicke – in die Arbeit der Ziegelhütte, in die Aussagekraft der Kunstwerke sowie auf die atemberaubende Landschaft. Von Andreas Volz

Aus „Druck und Zug“ sowie aus Rohren und Seilen besteht dieses fragile Kunstwerk am Randecker Maar.Foto: Carsten Riedl
Aus „Druck und Zug“ sowie aus Rohren und Seilen besteht dieses fragile Kunstwerk am Randecker Maar.Foto: Carsten Riedl

Kunstwerke „am laufenden Band“ zieren den Albtrauf zwischen der Ziegelhütte und Ochsenwang: Bis Ende August lassen sich Skulpturen und Installationen erwandern und entdecken. In den ersten vier Wochen - bis zum Beginn der Sommerferien Ende Juli - kommt auch die „Aktion“ zu ihrem Recht, der zweite Bestandteil des Kunst- und Aktionspfads der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte.

Auf die Eröffnungsfeier folgt schon am Samstag, 6. Juli, das abendliche Lichterfest, das der „Sommerlustmarkt“ umrahmt. Das Wochenende vom 13. und 14. Juli steht ganz im Zeichen des Mittelalters, während eine Woche später auf der Ziegelhütte „nur“ Workshops im Angebot sind - um dem Jubiläumsfest der Gemeinde Bissingen, die ihr 1250-Jähriges feiert, nicht in die Quere zu kommen.

Zum Abschluss wird vom 26. bis zum 28. Juli alles aufgefahren, was an Aktionen dazugehört: Open-Air-Kino, Theater und Live-Musik zum „Internationalen Tag“. Auf diesen Tag verwies Ziegelhütten-Leiter Hendrik van Woudenberg besonders, als er am Samstag den dritten Kunst- und Aktionspfad - nach 2012 und 2015 - eröffnete: „Da wollen wir möglichst viele Kulturen zusammenbringen.“

„Zusammenbringen“ ist das Stichwort, das sich wie ein roter Faden durch Eröffnungsreden und Grußworte zog: So werden die Jugendlichen der Ziegelhütte unter Anleitung von Künstlern und Pädagogen mit der Kunst ebenso zusammengebracht wie Kunst und Natur. Zusammengebracht wurden bei einer Installation am Samstag aber auch die Belastungsarten „Druck und Zug“: Das fragil wirkende Kunstwerk, das aus Rohren und Seilen besteht, richteten Ehrengäste, Mitarbeiter und Jugendliche der Ziegelhütte zur Eröffnung gemeinsam auf.

„Immer wieder neue Akzente“

Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf ging speziell auf dieses Werk ein, das die beachtliche Höhe von elf Metern erreicht. Aber nicht nur die Höhe der Kunstwerke hat es dem Bürgermeister angetan. Das gesamte Projekt beeindruckt ihn - zum wiederholten Mal: „Wir können gar nicht ermessen, wie viel Aufwand hinter dem Kunst- und Aktionspfad steckt.“ Dessen dritte Auflage sei kein „Abklatsch“ der vergangenen beiden Male: „Immer wieder gelingt es, neue Akzente zu setzen.“

Die neuen Akzente betonte auch Andreas Schwarz, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Landtag: „Wer hier am Albtrauf immer wieder einen neuen Blick auf die Skulpturen in der Landschaft wirft, dem eröffnen sich dadurch neue Horizonte.“ Das gilt aber nicht nur für die Besucher, sondern schon im Vorfeld für die Akteure: „Von der Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Jugendlichen profitieren beide Seiten, und zusätzlich profitieren Kunst und Kultur.“ Zu ergänzen ist, dass die Natur nicht darunter leidet, weil die Kunst perfekt in die Kulturlandschaft eingepasst ist.

Letzteres ist das Anliegen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, von dessen Geschäftsstelle Tobias Brammer ans Randecker Maar gekommen war. „Ziel ist es, den Schutz der Natur mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Einklang zu bringen.“ Das gelinge nur durch nachhaltige Angebote - beispielsweise durch den Kunst- und Aktionspfad der Ziegelhütte: „Wir unterstützen die Arbeit, die hier von und mit Jugendlichen gemacht wird, voll und ganz.“ 2019 habe das sogar besser gepasst denn je, denn der aktuelle Förderschwerpunkt des Biosphärengebiets sei das Thema „Inklusion“.

Die Trommelgruppe der Ziegelhütte zeigte zum Auftakt, wie Inklusion am besten funktioniert: indem man sie als selbstverständlich voraussetzt. Mit den passgenauen Rhythmen, die niemals zu laut wurden, kamen alle Gäste in Berührung. Selbst wer normalerweise nur leise mitwippt, war am Samstag aufgefordert, sich zu beteiligen, durch Fingerschnipsen, Klatschen oder Rasseln. Allein dieses Beispiel zeigt: Kunst und Aktion bilden eine Symbiose, von der alle ausnahmslos profitieren.

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