Weilheim und Umgebung

Neidlingen wappnet sich für den Extremfall

Hochwasserschutz Die Gemeinde beschließt eine Untersuchung für Starkregenereignisse.

Das Hochwasser in der Kirchheimer Hegelstraße: Ein ähnliches Ereignis möchte Neidlingen durch Schutzmaßnahmen verhindern.
Das Hochwasser in der Kirchheimer Hegelstraße: Ein ähnliches Ereignis möchte Neidlingen durch Schutzmaßnahmen verhindern. Archiv-Foto: Christian Schlienz

Neidlingen. Von der Lindach und vom Seebach hat Neidlingen nicht viel zu befürchten, sie sind weitgehend unkritisch. Statistisch betrachtet komme bei ihnen nur ein 1 000-jähriges Hochwasser in Betracht, erläuterte Dr. Hans Göppert vom Ingenieurbüro „Wald+Corbe“ im Gemeinderat. Das sei jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen: „Meist nicht auf dem Schirm sind nämlich die Schäden abseits der Flüsse, wenn das Wasser den Hang runterkommt.“

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Welche millionenschweren Schäden es dadurch geben kann, zeigte Hans Göppert mit eindrucksvollen Fotos aus zahlreichen regionalen Ortschaften. Nicht zuletzt Kirchheim hatte der Starkregen im Juni 2018 erwischt, als das Wasser in der Hegelstraße und im Dupiggraben in Ötlingen stand.

Fast immer ist die Ursache eine lokale Gewitterzelle mit starkem Regen - diese kann stets überall auftreten. Das unterstreicht im Gemeinderat auch eine Karte mit der ganz zufällig wirkenden Verteilung der Ereignisse in Baden-Württemberg. Sie haben in den vergangenen 20 bis 30 Jahren zugenommen. In Braunsbach, wo das Hochwasser im Jahr 2016 für einen Schaden von rund 100 Millionen Euro sorgte, war in 750 Jahren Ortschronik nichts auch nur annähernd Vergleichbares zu finden.

18 000 Euro Selbstbeteiligung

Das Land reagierte: Wurden zuvor nur Untersuchungen zu Flüssen finanziell gefördert, gab es nach Braunsbach auch Geld für Starkregenuntersuchungen. Im Jahr 2018 hat das Land dann zusätzlich Geländemodelle zur Verfügung gestellt, die das Ergebnis einer Befliegung des ganzen Bundeslandes sind. Untersuchungen laufen nun bereits in vielen verschiedenen Orten; sie zeigen gefährdete Bereiche und bieten die Grundlage für Schutzmaßnahmen. „Sie werden nie die ganze Ortsfläche hochwasserfrei kriegen“, schränkte Hans Göppert allerdings ein.

Der Zeitpunkt für eine Starkregenuntersuchung in Neidlingen ist günstig, denn zugleich beauftragte der Gemeinderat das Büro „infra-teck“ mit der Neuberechnung des Allgemeinen Kanalisationsplans (AKP) aus dem Jahr 1993. Der AKP ist eine Pflichtaufgabe und besagt, wie viel Wasser die Kanäle aufnehmen können. Die Starkregenuntersuchung hingegen ist freiwillig und beurteilt, wie viel Wasser im Extremfall kommen kann. So ist zu beurteilen, ob beides zusammenpasst. „Dann müssen wir uns später keine Vorwürfe machen“, warb Bürgermeister Klaus Däschler für die freiwillige Erstellung der Starkregenkarte, die es nur für die Hanglagen geben soll. Die Untersuchung kostet knapp 59 000 Euro, 70 Prozent davon zahlt das Land, sodass die Gemeinde nur knapp 18 000 Euro tragen muss. Peter Dietrich