Weilheim und Umgebung

Neidlinger Originale zeigen Zeit an

Weltneuheit Eine Entdeckung an der Kugelmühle brachte Martin Gseller auf die Idee, seine „Knaupenclock“ zu entwickeln. Sein Zeitmesser vereint alle Ortsbesonderheiten auf einen Blick. Von Iris Häfner

Martin Gseller ließ sich von der Kugelmühle zu seiner Neidlinger Uhr inspirieren. Eine weitere Besonderheit gibt es in dem Laden
Martin Gseller ließ sich von der Kugelmühle zu seiner Neidlinger Uhr inspirieren. Eine weitere Besonderheit gibt es in dem Laden: kleine Stühle, die aus der ostanatolischen Heimat seiner Frau Songül Gseller-Dogan stammen. Fotos: Markus Brändli

Was ist schon eine Kuckucksuhr gegen die „Knaupenclock“? Zumindest in und um Neidlingen herum dürfte der Uhrenklassiker aus dem Schwarzwald starke schwäbische Konkurrenz bekommen. Pünktlich zum Zwetschgenmarkt stellt Martin Gseller seine Uhr vor. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass das Rad, das die Kugelmühle im Seebach antreibt, zwölf Schaufeln hat - und so kam ich im Frühjahr auf die Idee, eine Uhr zu bauen“, verrät der Erfinder.

Pendel ist ein Kirschzweig

Sein Werk hat alles zu bieten, was Neidlingen an Besonderheiten auszeichnet. Als Uhrenmotiv stand das Wappen Pate, das nicht zu übersehen an den Ortseingängen steht. Unten oval zieren oben als Silhouette der Albtrauf mit Reußenstein und das Rathaus das flache Holzstück. Darauf montiert sind der Schriftzug Neidlingen, der von zwei geschwungenen Bändern - der Lindach und dem Seebach - eingerahmt ist. Zentraler Punkt sind die zwölf Schaufeln der Kugelmühle, die als Zifferblatt dienen. Jeweils eine Marmorkugel läuft auf den Zeigern mit. Außerdem fließt der Neidlinger Wasserfall in die Lindach. Das Pendel ist ein Zweig, an dem die Zwillingskirschen aus dem Wappen hängen. Vervollständigt wird die Uhr mit zwei Zwetschgengewichten. Einzig das Uhrwerk ließ der Tüftler sich liefern.

Der Prototyp ist unverkäuflich, doch es gibt schon fünf „Knaupenclocks“. „Wir Neidlinger sind die ,Knaupen‘. Ich weiß aber nicht, ob wir nach dem Knaupenfels heißen, oder der Fels nach uns“, hat Martin Gseller in Anlehnung an den Ortsnecknamen seine Uhr genannt. Damit er in Serie gehen kann, hat der Maschinenbautechniker, der bei Festool Maschinen entwickelt, für jedes Einzelmotiv eine Siliconform gefertigt.

„Zum einjährigen Bestehen vom Kursi Lädle wollte ich eine Überraschung bringen“, erzählt er. Die Inhaberin des Ladens ist seine Frau Songül Gseller-Dogan. Die hat genau vor einem Jahr ebenfalls zum Zwetschgenmarkt das Lädle in der Kirchstraße eröffnet. „Einen Tag zuvor haben wir die Waren bekommen und spontan beschlossen, zum Markttag aufzumachen. Davor wusste keiner in Neidlingen, was hier im Haus passiert“, freut sich Martin Gseller über diesen gelungenen Coup nach der Umbauphase. „Dr Anne ihr Lädle isch wiedr offa“, diesen freudigen Ausruf hat er damals nicht nur einmal gehört. In dem Haus ist der Uhren-Erfinder geboren. In der einen Hälfte des Erdgeschosses betrieb sein Vater ein Radio- und Fernsehgeschäft - und reparierte auch Uhren. In der anderen Hälfte verkaufte seine Mutter Anne Gseller Kurzwaren. An sie erinnert im Laden ein großes Bild aus den 50er-Jahren, das sie mit ihrer Tochter vor dem Geschäft zeigt.

Eine weitere Besonderheit hat Songül Gseller-Dogan in ihrem Laden im Angebot: Stühlchen für Erwachsene und Kinder, die exakt auf die Höhe von Couchtischen ausgelegt sind. Das Original kommt aus Ostanatolien, der Heimat der Ladeninhaberin. Der Name Kursi kommt aus dem Arabischen und bedeutet Stuhl. Die mit Lehnen und Polster modifizierten Stühle sind ebenfalls in der Werkstatt von Martin Gseller entstanden. „Ich muss ja schließlich die Maschinen auch testen, die ich entwickle“, meint der Techniker augenzwinkernd.

Zwetschgenmarkt, Krämermarkt
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