Weilheim und Umgebung

Nicht einmal der Tod scheint momentan noch unantastbar

Friedhof Weil die Aussegnungshallen gesperrt sind, ist der Abschied nur im engsten Kreis möglich. Auch Urnenbeisetzungen werden verschoben. Von Thomas Krytzner

Die Aussegnungshalle in Weilheim bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Fotos: Thomas Krytzner
Die Aussegnungshalle in Weilheim bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Fotos: Thomas Krytzner

Wenn ein lieber Verwandter oder Freund stirbt, ist die Trauerfeier in der Kirche oder auf dem Friedhof in der Aussegnungshalle für die Angehörigen meist die letzte Möglichkeit, sich würdevoll vom Verstorbenen zu verabschieden. Die gemeinsame Trauer hilft in vielen Fällen, über die schwere Zeit des Verlusts hinwegzukommen. Doch die drastischen Einschränkungen der Coronakrise machen auch vor dem Tod nicht halt.

Andreas Czerwinski, Mitarbeiter des Bestattungshauses Jäck in Weilheim, beschreibt die derzeitige Situation: „Jede Kommune regelt den Abschied von Verstorbenen ein wenig anders. In Kirchheim finden alle Aussegnungen nur noch draußen und im engsten Familienkreis statt.“ Weilheim zeigte sich bis vor wenigen Tagen noch kulanter: „Die Aussegnungshalle auf dem Friedhof war offen, und maximal 50 Personen durften in der Halle Abschied nehmen.“ Dann erreichte die Bestatter eine neue, verschärfte Vorgabe: Sämtliche Aussegnungshallen im Kreis sind gesperrt. Andreas Czerwinski weiß nun nicht mehr, wie er Trauerfeiern in den verschiedenen Kommunen gestalten soll. „Die Vorgaben ändern sich beinahe stündlich, und es wird zusehends schwieriger, wenn Bestattungen nicht in allen Gemeinden einheitlich geregelt sind.“

Andreas Czerwinski, Mitarbeiter im Bestattungshaus Jäck, hält die Trauerrede bei einer Urnenbeisetzung.
Andreas Czerwinski, Mitarbeiter im Bestattungshaus Jäck, hält die Trauerrede bei einer Urnenbeisetzung.

Bei all den derzeitigen Abklärungen sind die Bestatter im Landkreis jedoch stets darauf bedacht, den Abschied auch in der Coronakrise so pietätvoll und würdig wie möglich zu gestalten. „Neue Sterbefälle werden mit der nötigen Sorgfalt und in vertretbarer Zeit behandelt.“ Einschränkungen gibt es allerdings bei Feuerbestattungen, wie Andreas Czerwinski erklärt: „Urnenbeisetzungen verschieben wir derzeit, wenn möglich, in Absprache mit den Friedhofsämtern und den Angehörigen.“ Er ärgert sich über den teilweise sorglosen Umgang mit der Corona-Pandemie. „Ich habe deswegen schon wiederholt Diskussionen mit meiner Tochter geführt, weil sich gerade die jungen Menschen kaum Sorgen machen, sich immer wieder im Freien oder zu Hause treffen, Abstände nicht einhalten und sich dabei berühren.“ Dabei vergessen diese aber die gefährdeten Personen.

Sterberate derzeit noch normal

„Wir haben die persönliche Hygiene raufgefahren“, bestätigt derweil Bestatter Stefan Jäck aus Weilheim. Die Handschuhe und Handdesinfektionsmittel gehören zum täglichen Handwerkszeug. Geht es darum, einen Verstorbenen abzuholen, gibt es klare Regeln, die auch sonst immer gelten. „Bevor wir an die Leiche herantreten, sehen wir uns die Totenbescheinigung an. Auf dieser muss der Arzt, wenn er es weiß, ankreuzen, ob die verstorbene Person infektiös ist.“

Worauf die Bestatter derzeit noch mehr Wert legen, ist die Desinfektion von Liegen, Bahren, Fahrzeugen und Beratungsräumen. Viel Lob gibt es von Andreas Czerwinski für die Altenheime. „Dort werden wir meist mit Desinfektionsmitteln empfangen. Das ist vorbildlich.“ Es gibt keinen Kontakt zu anderen Heimbewohnern, da das Pflegepersonal die Bestatter direkt in den Raum der verstorbenen Person führen. „Dort arbeiten wir dann allein.“

Einen Anstieg der Sterberate durch die Pandemie stellt Andreas Czerwinski derzeit nicht fest. „Wir bewegen uns in der normalen Zahl an Todesfällen. Wenn man an die ungewöhnlich starke Grippewelle im Winter 2017/18 mit 25 000 Sterbefällen denkt, können wir jetzt nicht abschätzen, ob es zu höheren Zahlen kommt.“

 

Infos und Vorgaben im Umgang mit Trauerfeiern gibt es auf den Homepages der jeweiligen Kommunen.

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