Weilheim und Umgebung

Ohmden strebt Ganztagsschule an

Laut Befragung wünscht sich die Hälfte der Eltern einen Ausbau des Angebots an der Grundschule

Jahrgangsübergreifenden Unterricht, individuelles Lernen und rhythmisierte Tagesabläufe gibt es an der Grundschule in Ohmden schon. Jetzt möchte sie Ganztagsschule werden. Eine Umfrage unter Eltern zeigt: Der Bedarf ist da.

Individuelles, begleitetes Lernen in der Lernwerkstatt gehört schon jetzt zum Alltag in der Ohmdener Grundschule. Der Schritt zu
Individuelles, begleitetes Lernen in der Lernwerkstatt gehört schon jetzt zum Alltag in der Ohmdener Grundschule. Der Schritt zur Ganztagsschule wäre aus Sicht der Schulleitung nun noch das „Tüpfelchen auf dem i“. Foto: Jean-Luc Jacques

Ohmden. So klein der Ort und seine Schule sein mögen – in Ohmden ist der gesellschaftliche Wandel angekommen. „Der Bedarf an Betreuung steigt“, hat Bürgermeister Martin Funk festgestellt. Immer mehr Eltern müssten Beruf und Familie unter einen Hut bringen, immer weniger haben Großeltern vor Ort. „Die Kernzeitengruppe ist voll“, sagt der Schultes, und die Nachfrage nach Ganztagsangeboten steige weiter.

Dass der Bedarf für eine Ganztagsschule in Ohmden da ist, hat nun auch eine Umfrage ergeben. Nach einem Infoabend im März hatte die Gemeinde Familien angeschrieben, deren Kinder die zweite Klassenstufe besuchen oder jünger sind. „Die Hälfte derjenigen, die geantwortet haben, würden ihre Kinder sicher oder wahrscheinlich für die Ganztagsschule anmelden“, geht die Ohmdener Schulleiterin Gabriele Seitz auf die Ergebnisse der Umfrage ein. Von 140  versandten Bögen kamen 87 zurück. Insgesamt 43 Teilnehmer äußerten sich positiv zur Ganztagsschule.

„Von der Zahlen her spricht das für eine Ganztagsschule in Wahlform“, sagt Gabriele Seitz. Wünschenswert wäre ein Start zum Schuljahr 2016/17. Dann müsste der Antrag bis zum 1.  Oktober gestellt sein. Bedingung ist, dass mindestens 25 Schüler angemeldet werden. Das ist aus Sicht von Gabriele Seitz sehr wahrscheinlich. Eine Alternative sieht sie ohnehin nicht: „Die Kernzeitenbetreuung reicht ja nicht mehr aus“, sagt die Schulleiterin.

Dabei ist die Ganztagsschule für Gabriele Seitz keineswegs ein Modell, das aus der Betreuungsnot heraus geboren ist, sondern im Gegenteil sogar ihrer Idealvorstellung entspräche: „Uns macht der Ganztag das Lernen entspannter und vielfältiger“, sagt sie. Neben der Möglichkeit, mehr Pausen, Bewegung und Kreativität zwischen die Lerneinheiten zu schieben, werde auch das Miteinander gefördert. „Für die Kinder ist das toll“, ist Gabriele Seitz überzeugt. Das sieht die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Nicole Blank genauso: „Die Kinder haben mehr Zeit mit Gleichaltrigen und können gemeinsam sportliche und kreative Angebote wahrnehmen.“ Das sei gerade für Jungen und Mädchen wichtig, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten. Zudem seien die Schüler trotz des Begriffs Ganztagsschule längst nicht den ganzen Tag weg. „Angedacht sind drei oder vier Nachmittage bis 15 oder 16 Uhr“, betont ­Gabriele Seitz. Da bleibe noch viel freie Zeit – zumal die Hausaufgaben dann schon erledigt seien. Gehört werden sollen übrigens auch die Hauptbetroffenen: „Ich würde gerne noch eine Umfrage unter den Kindern machen“, so Seitz.

„Für uns wäre die Ganztagsschule sozusagen das Tüpfelchen auf dem i“, formuliert es die Schulleiterin. Gerade wegen des rhythmisierten Lernalltags in Ohmden (siehe Infokasten), sei ein größerer Zeitraum am Tag ideal. Dagegen überfordere es Kinderköpfe, den Lernstoff geballt nur an Vormittagen aufnehmen zu müssen.

Die Schulleiterin selbst würde sich sogar eine verpflichtende Ganztagsschule wünschen. „Wenn man das Lernen für die Kinder gut gestalten möchte und Bildungsgerechtigkeit anstrebt, dann wäre das der richtige Weg“, ist Seitz überzeugt. Dennoch hat sie Verständnis dafür, dass es Skeptiker gibt: „Viele Eltern wissen eben nicht genau, auf was sie sich einlassen und wollen sich den Ganztag nicht vorschreiben lassen.“ Klar müsse aber auch ein anderer Punkt sein: Nur diejenigen Kinder, die für die Ganztagsschule angemeldet sind, können das erweiterte Angebot in den Bereichen Sport, Kunst, Gesellschaft und Soziales wahrnehmen.

Gut wäre eine Ganztagsschule aus Sicht von Elternvertreterin Nicole Blank auch für das Dorf an sich. „Das wäre eine Chance für die ganze Gemeinde“, ist sie überzeugt. „Ohmden würde dadurch attraktiver werden.“

Das pädagogische Konzept der Grundschule in Ohmden

In ihrem pädagogischen Konzept unterscheidet sich die Grundschule in Ohmden von den meisten „klassischen“ Grundschulen. Ein wichtiges Prinzip ist das jahrgangsübergreifende Arbeiten: Zum einen werden die Schüler der ersten und zweiten Klasse sowie der dritten und vierten Klasse jeweils ganz bewusst gemeinsam unterrichtet. Außerdem gibt es Themen­ateliers im Fach MNK (Mensch, Natur und Kultur), in denen Kinder aus allen vier Klassenstufen zusammenarbeiten. Stufenübergreifend ist auch das gemeinsame Singen. Es gibt zudem Kooperationen mit der Musikschule Kirchheim und der Liederlust Ohmden. Individuelles Lernen: Jedes Kind soll in jedem Bereich in seinem eigenen Tempo lernen können. Dazu gibt es das Konzept der „Lernwege“, die Schritt für Schritt durchlaufen werden. Ein Drittel der Unterrichtszeit ist dem individuellen Lernen gewidmet. Während dieser Zeit stehen die Klassenzimmer offen und alle Kinder können sich im Schulhaus ihre Lernplätze und Lernpartner frei aussuchen. Herzstück des Konzepts ist die Lernwerkstatt: Dort haben die Schüler freien Zugang zu allen Materialien, die sie benötigen, um ihre Lernwege zu durchschreiten. Rhythmisierung: Im Schulalltag wechseln sich Konzentrations- mit Entspannungsphasen ab, intensives Lernen mit Bewegung und Sinnlichem. Dadurch soll eine optimale Aufnahme des Lernstoffs gewährt werden.bil

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