Weilheim und Umgebung

Ohmdens Kirche braucht Hilfe

Das Wahrzeichen im Ortskern ist dringend sanierungsbedürftig – Barrierefreier Zugang geplant

Durchs Mauerwerk ziehen sich große Risse, unterm Dach sind die Balken morsch, und vom Fundament ist kaum etwas übrig: Die Ohmdener Kirche ist dringend sanierungsbedürftig. Allein kann die kleine Kirchengemeinde die große Aufgabe aber nicht stemmen. Deshalb startet sie eine Spenden- und Fundraising-Aktion unter dem Motto „Die Mitte erhalten“.

Die Ohmdener Kirche muss saniert werden -  Pfarrer Andeas Taut aus Holzmaden, dem Ohmener Pfarrer Christoph Schilling und Herrn
Die Ohmdener Kirche muss saniert werden - Pfarrer Andeas Taut aus Holzmaden, dem Ohmener Pfarrer Christoph Schilling und Herrn Jensch

Ohmden. „Die Sanierung lässt sich nicht weiter aufschieben“, sagt Matthias Jensch, Erster Vorsitzender des Ohmdener Kirchengemeinderats. Zu gravierend sind die Schäden an dem 333 Jahre alten Sakralbau. „Im Dachgebälk gibt es Verschiebungen. Außerdem sind auf der Nordseite fast alle Dachbalken durchgefault, auf der Südseite Teile davon“, schildert Jensch. Und nicht nur oben ist die Kirche aus dem Gleichgewicht geraten: Dicke Risse durchziehen die Mauern der Kirche, das Fundament ist mangelhaft. Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass das Gebäude an einer Stelle lediglich noch auf 25 Zentimeter hohen Schiefersteinen steht. „Da bauen die Leute heute deutlich tiefere Fundamente für ihre Gartenmauern“, legt Andreas Taut, geschäftsführender Pfarrer in Ohmden, die Dramatik der Situation dar.

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Wichtig war es der Kirchengemeinde, der tatsächlichen Ursache dafür, dass die Kirche Richtung Norden absackt, auf den Grund zu gehen. „Vor 20 Jahren hat es schon einmal eine Sanierung gegeben“, berichtet Andreas Taut. „Damals hat man die Risse aber einfach nur zugeschmiert, statt die Ursache zu bekämpfen.“

Zwei mögliche Gründe standen von Anfang an im Raum: „Eine schlechte Fundamentierung – aber auch die Linde“, so Taut. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche steht nämlich ein riesiger Baum. „Die Linde ist 125 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz“, sagt Andreas Taut. „Da mussten wir uns schon mit der Frage auseinandersetzen: Was ist, wenn der Baum zu nahe an der Kirche steht und das Gebäude gefährdet?“ Mittlerweile allerdings mehren sich die Hinweise, dass eher das mangelhafte Fundament die Ursache ist und nicht die Linde.

Neben der Sanierung der Bausubstanz hat die Kirchengemeinde auch noch andere Pläne: „Wir würden gerne einen barrierefreien Zugang zur Kirche schaffen“, sagt Pfarrer Andreas Taut. Die Treppen zum Eingang sind für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen nicht zu bewältigen. „Im Moment müssen wir immer Rampen auf die Treppen hinter der Kirche legen“, schildert Pfarrer Taut. Deshalb ist vorgesehen, von hinten einen neuen, barrierefreien Zugang zu schaffen.

Auch vorne am Haupteingang der Kirche soll sich etwas tun: „Die Eingangstür im Westen ist sehr der Witterung ausgesetzt.“ Dort soll eine einfache Stahl-Glas-Konstruktion künftig für Schutz sorgen. Unter Denkmalschutzaspekten seien beide Projekte unproblematisch, berichtet Andreas Taut: „Das Denkmalamt war schon hier und hat sein Okay gegeben.“

Erste Schätzungen haben ergeben, dass die Sanierung rund 230 000 Euro kosten wird. Rund 50 000 Euro sind für den barrierefreien Zugang eingeplant. Angesichts der neuesten Erkenntnisse zum Fundament könnte die Gesamtsumme aber noch ordentlich in die Höhe schnellen, fürchtet Andreas Taut.

Neben 90 000 Euro an Zuschüssen, die fließen sollen, muss die Kirchengemeinde selbst tief in die Tasche greifen. Und trotzdem reicht das Geld nicht aus. „Deshalb starten wir eine Spenden- und Fundraising-Aktion“, erzählt der Pfarrer. Das Motto lautet: „Die Mitte erhalten“. Frank Zeller, Kirchengemeinderatsmitglied und Bindeglied zwischen den Ohmdener Vereinen, ist einer von drei Schirmherren des Projekts: „Es geht um den Mittelpunkt Ohmdens“, sagt er – und um die finanziellen Mittel, ihn zu erhalten.

Den Fehlbetrag von 40 000 Euro könne eine kleine Gemeinde mit 1 700 Einwohnern alleine nicht stemmen. Offizieller Start der Aktion ist beim Erntedankfest in Ohmden am Sonntag. (siehe Infokasten)

Setzen sich für den Erhalt von Ohmdens Mitte ein: Geschäftsführender Pfarrer Andreas Taut, Kirchengemeinderatsvorsitzender Matth
Setzen sich für den Erhalt von Ohmdens Mitte ein: Geschäftsführender Pfarrer Andreas Taut, Kirchengemeinderatsvorsitzender Matthias Jensch und Kirchengemeinderatsmitglied Frank Zeller. Für Rollstuhlfahrer stellen die Treppen zur Ohm­dener Kirche ein unüberwindbares Hindernis dar. Deshalb soll ein barrierefreier Zugang kommen.Fotos: Jean-Luc Jacques
Die Ohmdener Kirche muss saniert werden -  Pfarrer Andeas Taut aus Holzmaden, dem Ohmener Pfarrer Christoph Schilling und Herrn
Die Ohmdener Kirche muss saniert werden - Pfarrer Andeas Taut aus Holzmaden, dem Ohmener Pfarrer Christoph Schilling und Herrn Jensch

„Die Mitte erhalten“ mit Musik, Wein und Spenden

Offizieller Start der Spenden- und Fundraising-Aktion „Die Mitte erhalten“ ist am Sonntag, 4. Oktober, beim Erntedankfest in Ohmden. Das Fest startet um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Gemeindehalle. Den ganzen Tag über ist ein Info-Stand zur Kirchensanierung in der Gemeindehalle aufgebaut. Zwei Veranstaltungen im Rahmen des Programms stehen bereits fest: Am Samstag, 24. Oktober, gibt es in Ohmden eine Kirchenführung mit anschließender Weinprobe. Um 16 Uhr können Interessierte sich von Sigrid Dolde das Gebäude zeigen lassen. Anschließend bietet Wengerter Rainer Bauer aus Weilheim ab 17 Uhr Bertoldsweine an. Am Sonntag, 8. November, wird es zudem ein Konzert in der Ohmdener Kirche geben. Gerold Schwarz an der Klarinette und Bertram Geiger an der Orgel bieten „Spirituals und Ragtime“. Schirmherren der Projekts sind die Ohmdener Frank Zeller und Johann Steffl sowie Waltraud Lenhart von der Firma Leki. Als Architekt konnte Dieter Hoff gewonnen werden. Hoff hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Fachmann im Bereich Kirchen gemacht. Wer möchte, kann spenden: Stichwort „Kirchensanierung Ohmden", IBAN: DE40 6115 0020 0048 3147 27, SWIFT-BIC: ESSLDE66XXXbil