Weilheim und Umgebung

„Ohmdens Stolz“ sorgt für Heiterkeit

Kirchenkonzert Der gemischte Chor der Liederlust Ohmden und „Männersache“ haben beim Benefizkonzert für die Kirchheimer Vesperkirche begeistert. Von Hans-Günther Driess

Die beiden Ohmdener Chöre sorgten für ein abwechslungsreiches Programm in der Auferstehungskirche.Foto: Carsten Riedl
Die beiden Ohmdener Chöre sorgten für ein abwechslungsreiches Programm in der Auferstehungskirche. Foto: Carsten Riedl

Ausgewogene Klangkultur und Freude am Gesang: Das haben die zahlreichen Zuhörer in der Kirchheimer Auferstehungskirche beim außergewöhnlichen Chor-Konzert erlebt. Auf dem Programm stand dabei ein breit gefächertes Repertoire des gemischten Chores „Liederlust Ohmden“ und des Männerchors „Männersache Liederlust“.

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Der Name ist wahrlich Programm, denn die Freude am Singen steht den Choristen vom ersten Augenblick an ins Gesicht geschrieben. Aber nicht nur die Gesichter strahlen - auch die Stimmen. Ein feiner, ausgewogener Chorklang gepaart mit sauberer Intonation, differenzierter Dynamik und wunderbar gestalteten Melodiebögen lassen den Abend zu einem Hörgenuss werden.

„Vielfalt statt Einfalt“ bezeichnet Chorleiter Paul Theiss das Motto, und entsprechend erklingt weltliche und geistliche Chorliteratur aus Klassik und Romantik unmittelbar neben Liedern der Schlager- und Rockmusik. Doch passt das alles überhaupt zusammen? Den Ausführenden gelingt es, mit Charme, Humor und vor allem mit bester Qualität die Zuhörer immer wieder zu begeistern. Paul Theiss führt seine singenden Heerscharen bei A-cappella-Vorträgen mit sicherem Dirigat oder motiviert sie als souveräner Klavierbegleiter.

Der gemischte Chor eröffnet den Abend mit einer Bourrée von Wolfgang Amadeus Mozart im Stile der Swingle Singers auf Tonsilben gesungen und mit dem humorvollen Chorsatz „Nette Begegnung“ von Oliver Gies. Schon hier zeigt der Chor eine sehr gute Textverständlichkeit und exakte Einsätze durch optimalen Blickkontakt mit dem Chorleiter. Der glanzvoll intonierte romantische Chorsatz „O Täler weit, o Höhen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach dem Text von Joseph Freiherr von Eichendorff bildet den ersten Höhepunkt des Abends. Im abrupten Übergang dazu trifft der Hit aus den 1970er-Jahren „Top Of The World“ von den Carpenters offenbar noch mehr den Geschmack des mitklatschenden Publikums.

Kulturelles Aushängeschild

Die „Männersache“ nimmt anschließend den Faden der 1970er-Jahre auf und eröffnet ihren Chorbeitrag mit dem weltlichen „Halleluja“. Dass die Männer nicht nur Popmusik beherrschen, wird mit dem anspruchsvollen Schlusschoral aus dem Vespergesang „O lux beata trinitas“ deutlich. Die zwanzig Stimmen dieses Männerchors erzeugen aus voller Kehle schmetternd einen fulminanten und zugleich angenehmen Sound, sie beherrschen aber auch die leisen und lyrischen Passagen sehr gut.

Seinen zweiten Auftritt startet der gemischte Chor dynamisch differenziert und in ausgewogenem Klang mit „Freude schöner Götterfunken“ von Ludwig van Beethoven. Man merkt sofort, wenn ein Chor ein Lied gerne singt: Bei Hubert von Goiserns „Weit, weit weg“ schmelzen die Soprane förmlich dahin.

„Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel als Chorsatz ist eine mutige Wahl, denn jeder hat das unvergleichlich schöne Original im Ohr. „Schläft ein Lied in allen Dingen“ im Satz von Tjark Baumann ist dagegen ausdrucksstark interpretiert - Romantik pur. Das ungarische Danklied „Gott, unser Schöpfer“ beeindruckt mit einem großen Spektrum des Klangs, und der mit der „Männersache“ zusammen gesungene indianische Kanon „Evening Rise“ bildet den esoterisch wirkenden Schlusspunkt des Konzerts.

Die beiden Liederlust-Chöre sind zweifellos ein kulturelles Aushängeschild der kleinen Gemeinde. „Ohmdens Stolz“ sagt ein Zuhörer beim Verlassen der Kirche.

Der Erlös des Benefizkonzerts über 1 100 Euro kommt der Vesperkirche Kirchheim zugute.