Weilheim und Umgebung

Paul Dieterich stellt neues Luther-Werk vor

Geschichte Was kann der moderne Mensch aus der Reformation lernen? Ein Buch versucht, Antworten zu geben.

Martin Luther. Symbolbild

Weilheim. „Luther - mehr Licht als Schatten“ - so nennt Paul Dieterich - einst Prälat in Heilbronn, jetzt Pensionär in Weilheim - sein Buch über Martin Luther, das er jetzt im Denkhaus-Verlag veröffentlicht hat. Die Schatten, die Luther auf Jahrhunderte geworfen hat, verschweigt er darin nicht. Luther und die Juden, Luther und die Bauern, Luther und seine Zwei-Reiche-Lehre: Jeweils in einem ganzen Kapitel setzt er sich mit diesen kritisch diskutierten Themen auseinander. Bei „Luther und die Juden“ zeigt er, dass Luther zu diesem Thema auch anderes gesagt hat, als das, was an Katastrophalem gegen Ende seines Lebens in drei Schriften steht. Beim Thema „Luther und der Bauernkrieg“ zeigt er auf, dass der Mönch auch sagte, er würde jeweils für die Unterlegenen eintreten. Seine knallharten Urteile gegen die Bauern in seiner Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Bauern“ rechtfertigt Dieterich nicht. Aber er zeigt, wie Luther die Hilflosen schützen wollte vor politisch-religiösen Wirrköpfen, die im Namen Gottes morden, um „die Welt im Blut der Gottlosen gesundzubaden“.

Luthers „Lehre von den beiden Regimenten“ habe vielen Christen die Rechtfertigung dafür gegeben, politisches Unrecht still zu erdulden und Widerstandsbewegungen von vornherein zu missbilligen, nicht zuletzt auch während des Dritten Reiches.

Das Kritische kommt nicht zu kurz

Nicht umsonst habe Karl Barth im Jahr 1946 unter dem Thema „Christengemeinde - Bürgergemeinde“ die Weichen für die politische Existenz eines Christen neu gestellt. Er habe damit das politische Verhalten einer ganzen Generation geprägt.

Das Luther-Kritische kommt in Paul Dieterichs Buch nicht zu kurz. Wichtiger jedoch ist dem Verfasser das Licht, das Luthers „reformatorische Entdeckung“ für die Menschen des 21. Jahrhunderts sein kann: Kein Mensch kann oder muss seine Existenz durch seine „Werke“ vor Gott rechtfertigen. Er lebt allein durch die bedingungslose Liebe Gottes als sein Geschöpf. Für den Menschen des 21. Jahrhunderts heiße das: Niemand muss sein Dasein rechtfertigen durch das, was er zustande bringt. Auch der Versager ist ein Kind Gottes. Diese Botschaft befreit aus dem „Hamsterrad“ des Leistungssystems, nach dem der Mensch das wert ist, was er an Leistung bringt. Das Leistungssystem sei heute allgegenwärtig - von der Schule über den Sport, die Wirtschaft bis hinein ins Privatleben. Das Evangelium, wie Luther es unter dem Schutt der Jahrhunderte ausgegraben hat, befreie von solchen Zwängen. Schließlich zeigt der Verfasser Luthers Theologie in Grundzügen auf. Er tut dies im Horizont eines Menschen, der im 21. Jahrhundert versucht, im Licht dieser Botschaft zu leben. Das Buch ist so geschrieben, dass es jeder lesen kann, der nicht Theologie studiert hat. Es ist ab sofort in einigen Buchhandlungen in Kirchheimer und Weilheim erhältlich. Gotthold Knecht

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