Weilheim und Umgebung

Pfarrer verlässt Weilheim

Der beurlaubte Geistliche Hermann Ehrensperger hat seinen Amtsverzicht erklärt

Seit Donnerstag ist es offiziell: Hermann Ehrensperger ist nicht mehr Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Sankt Franziskus in Weilheim. Der seit Längerem beurlaubte Geistliche hat Verstöße gegen die Dienstdisziplin eingeräumt und seinen Amtsverzicht erklärt. Ehrensperger erhält einen Verweis und eine Geldstrafe.

Im Rahmen einer Gemeindeversammlung wurde die katholische Kirchengemeinde in Weilheim gestern Abend über den Amtsverzicht Herman
Im Rahmen einer Gemeindeversammlung wurde die katholische Kirchengemeinde in Weilheim gestern Abend über den Amtsverzicht Hermann Ehrenspergers informiert.Foto: Carsten Riedl

Weilheim. Rund drei Monate ist es her, dass Klagen über die Amtsführung von Weilheims katholischem Pfarrer Hermann Ehrensperger an die Öffentlichkeit kamen. Gestern Abend wurde nun in einer Gemeindeversammlung offiziell verkündet, dass der Geistliche die katholische Kirchengemeinde Sankt Franziskus in Weilheim nach 25 Jahren verlässt (ein Bericht dazu folgt am Samstag). Zu den Hintergründen hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart vorab eine Pressemitteilung veröffentlicht. Aufgrund der Entwicklungen in jüngster Zeit habe Hermann Ehrensperger eingesehen, dass er in der Gemeinde nicht mehr sinnvoll wirken kann, heißt es da. Sein Verzicht solle der Gemeinde nun die Chance auf einen neuen Anfang und Frieden eröffnen.

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Der Friede in der katholischen Kirchengemeinde Sankt Franziskus ist schon seit Längerem empfindlich gestört. Es gab Klagen über Amtsführung und Verhalten Hermann Ehrens­pergers, und im Kirchengemeinderat bildeten sich zwei Lager. Dazu kam der Vorwurf, Ehrensperger habe vor einigen Jahren Minderjährige mit pornografischem Filmmaterial konfrontiert. Bischof Gebhard Fürst setzte daraufhin eine Kommission ein und beauftragte sie mit der Untersuchung der dienstlichen Vorwürfe. Eine weitere Kommission ging den Pornografie-Vorwürfen nach.

Nun hat Hermann Ehrensperger diverse Verstöße gegen die Dienstpflicht eingeräumt: Dabei handelt es sich laut Pressemitteilung um nicht genehmigte Urlaubszeiten und das Fernbleiben von Dekanatskonferenzen. Zudem habe Ehrensperger Personen mit einer Beerdigung, einer Taufe und Gottesdiensten betraut, die dafür weder die vorgeschriebene Qualifikation noch die bischöfliche Beauftragung hatten. „Strafrechtlich ist das nicht relevant“, sagt Hermann Ehrenspergers Anwalt Thorsten Zebisch: „Aber es sind dienstrechtliche Verstöße, die arbeitsrechtlich problematisch sind.“

Die Verstöße Ehrenspergers hat Bischof Gebhard Fürst nun mit einem Verweis geahndet. Ehrens perger werde bis auf Weiteres nur als pastoraler Mitarbeiter eingesetzt. „Er wird also einen leitenden Pfarrer über sich haben, dem er berichten muss“, erläutert Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zudem werden Hermann Ehrensperger die Nettobezüge auf drei Jahre um 20  Prozent gekürzt. Die Mittel fließen an den Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Auch was das pornografische Filmmaterial angeht, hat der einstige Weilheimer Pfarrer ausgesagt: „Ehrensperger bestätigte, er habe vor rund zehn Jahren eine umfangreiche Sammlung, unter anderem auch mit wenigen Filmen pornografischer Art, besessen“, heißt es in der Pressemitteilung der Diözese. Er habe aber sowohl den Besitz der Filme bereut als auch die Tatsache, dass damals minderjährige junge Männer mit pornografischen Inhalten in Kontakt gekommen seien. Die Pornos habe er daraufhin umgehend gelöscht. Die zwei betroffenen Jugendlichen hätten jedoch bestätigt, dass sie sich zu keiner Zeit von Hermann Ehrensperger „angemacht oder gar belästigt“ gefühlt hätten. Das Ergebnis der Voruntersuchung zu diesem Thema geht in den nächsten Tagen dem Vatikan zu, der über den Sachverhalt entscheidet.

„Die Gemeinde ist in Aufruhr“, fasst Ehrenspergers Anwalt Thorsten Zebisch zusammen und betont: „Es ist im Sinne meines Mandanten, Ruhe reinzukriegen.“ Das könne aus dessen Sicht nur über einen Neustart gelingen. Das sei der Grund dafür, dass Ehrensperger freiwillig seinen Verzicht erklärt habe. Der Verzicht ermöglicht auch, dass Ehrenspergers Beurlaubung beendet werden und er sich neu auf eine Stelle als pastoraler Mitarbeiter in einer größeren Seelsorgeeinheit bewerben kann.

Die Gemeinde Sankt Franziskus in Weilheim wird bis zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle von einem Administrator geleitet, dem Kirchheimer Pfarrer Franz Keil. Diözesan-Pressesprecher Uwe Renz versichert, dass alles getan werde, um bald einen neuen Pfarrer zu finden: „Wir werden die Stelle schnellstmöglich ausschreiben.“