Weilheim und Umgebung

Plädoyer für Menschlichkeit und Demokratie

Eigentlich war er an der Reihe gewesen, seine Haushaltsrede zu halten. Aber als Weilheims zweiter stellvertretender Bürgermeister Rainer Bauer (UWV) am Sprechpult stand, schnitt er ein ganz anderes Thema an: die gerade zwei Tage zurückliegende Wiederwahl von Bürgermeister Johannes Züfle. Erst in der zweiten Runde hatte sich der Amtsinhaber knapp gegen seinen Herausforderer durchsetzen können, hatte bis zum Schluss zittern müssen und war immer wieder Kritik ausgesetzt gewesen. In einer fesselnden, emotionalen Rede, an deren Ende heftiger Applaus aus den Reihen von Gemeinderäten und Zuhörern aufbrandete, schilderte Rainer Bauer seine ganz persönliche Sicht der Dinge. Er hielt ein Plädoyer für mehr Sachlichkeit, Demokratie und Menschlichkeit. „Die letzten Wochen haben viel mit mir gemacht - und mit Johannes Züfle und seiner Familie auch“, gab er einen Einblick in das, was vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen geblieben war. „Die Demokratie braucht die Auswahl“, stellte Rainer Bauer klar. Und dass es Gegenkandidaten gebe, sei absolut legitim. Sorgen bereite ihm etwas anderes. Denn Johannes Züfle habe sich in seinen ersten acht Jahren nichts zu schulden kommen lassen. „Er hat keine silbernen Löffel geklaut, keine Abmahnungen bekommen, keine Probleme verursacht.“ Viel mehr noch: Die Stadt stehe betriebswirtschaftlich gut da. „Im normalen Leben würde einer Weiterbeschäftigung nichts im Wege stehen“, zog er den Vergleich und betonte: „Ich mache mir Sorgen weil immer nur das Negative übrig bleibt. Weil nicht erwähnt wird, wie gut es Weilheim geht.“ Stattdessen sei es „an Stammtischen und bei den Rostbratenfraktionen“ nur um die Unzulänglichkeiten des Amtsinhabers gegangen. Bauer beschrieb Johannes Züfle als „gläsernen Wahlbeamten“, von dem man quasi alles wisse. „Bei der Wahl war zu entscheiden zwischen ihm und Leuten, von denen wir - abgesehen von 20 Minuten Selbstdarstellung - nur wenig wissen.“ Es sei bedenklich, dass es so knapp ausgegangen ist. „In Zukunft werden sich viele Verwaltungsfachleute überlegen, ob sie für solch einen Job überhaupt noch zur Verfügung stehen. Das ist nicht gut für den Bürgermeisternachwuchs.“ Und noch etwas macht ihn betroffen: „Dass bei einer Bürgermeisterwahl 40 Prozent des Volks zuhause bleibt.“ Nicht zuletzt beschrieb er die Pein, die die Situation in Weilheim in ihm und auch in anderen Stadträten verursacht hat. „In bestimmten Kreisen durfte man sich über den Bürgermeister ja nicht mehr positiv äußern. Da hieß es sofort: Euch kann man ja verkaufen, ihr seid hörig“, blickte Rainer Bauer betroffen zurück und betonte: „Aber schließlich ist es für uns ja auch eine Aufgabe, die Wahrheit weiterzusagen.“bil


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