Weilheim und Umgebung

Punk-Rock und Blasmusik

Festival In Weilheim findet immer über Pfingsten das Kultur-Openair auf der grünen Wiese unter der Limburg Richtung Hepsisau statt – heuer jährte sich die Veranstaltung zum 25. Mal. Von Andrea Barner

Was geht denn da ab? Letzte Nacht noch zu Skapunk, Trash Pop oder Horrorbilly abgetanzt und jetzt das: am Sonntagmorgen spielt die Blasmusik. Und da geht auch der Punk ab! Das Openair auf der grünen Wiese zwischen Weilheim und Hepsisau ist Kult. Am Anfang war’s eine „Schnaps-Idee“ von Jugendlichen, heute ist’s ein fester Termin nicht nur für Metal-Fans, Gothics und Punks aus der Region. Auch aus den Nachbarkreisen Göppingen und Reutlingen, ja sogar aus Freiburg und der Schweiz zieht das Festival Fans an. Man trifft sich, tanzt und feiert. Good vibrations, alle Jahre wieder.

Zum Jubiläum stehen „alte Bekannte“ auf der Bühne: „Blechranza“ etwa, die Band in einschlägigen Kreisen bestens bekannt als „Stahlmagen“. Was immer „Maul­daschameddäl“ ist, das Publikum fährt voll auf die siebenköpfige Band aus Göppingen ab, die (nach eigenen Worten) „altes Kulturgut raushaut“. Oder X-Quadrat. Ein Schlagzeug im alten Reisekoffer, eine Gitarre mit Kofferkorpus. Ganz schön schrill, aber die zwei Musiker spielen beim Weilheimer Kultur-Openair traditionell die erste Nummer. Björn Kneile vom Organisationsteam erinnert sich grinsend daran, dass man seinerzeit „im Kinderzimmer des einen Musikers am 386er-PC das Plakat fürs erste Kultur-Openair“ entworfen hat. Das war 1995.

„Manche Besucher kommen von Anfang an und fast jedes Jahr“ hat Nadine Blüse festgestellt. Sie ist eine der Hauptorganisatorinnen und vertritt das Mehrgenerationenhaus Linde. „Nachdem uns Unwetter manchmal fast die Technik weggespült haben, sind wir mit der Musik auf ein großes Zelt umgestiegen.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt Weilheim klappt super. „Die Veranstaltung hat sich wirklich gemausert“, sagt auch Ordnungsamtsleiter Helmut Burkhardt. Es gibt Sicherheitspersonal und Nachtwachen. Der Bauhof hilft beim Auf- und Abbau und stellt Material zur Verfügung. Von Drogen- oder Alkoholexzessen ist dem Ordnungsamtsleiter in den letzten Jahren nichts bekannt, jedenfalls nichts Größeres.

Foto: Günter Kahlert

Am Grill und an der Theke sind Profis am Werk, es gibt anständige Verpflegung und Getränke zu fairen Preisen. Rund 50 Zelte und Wohnmobile stehen sauber aufgereiht, die Wiesen werden „ordentlich“ hinterlassen. Tagsüber herrscht dort gepflegtes Nichtstun mit Grillen und Abhängen. Abends dann „Psychopunch“, „Bloodsucking Zombies from Outer Space“, „Django S.“ und natürlich „Solle Vöhne“. „Zum Jubiläum haben wir sogar Bands zusammengetrommelt, die es gar nicht mehr gibt“ erzählt Nadine Blüse, „zum Beispiel ‚Stinky Pete and the rabid babies‘, das haben sich viele Fans gewünscht.“ Weit genug entfernt von Weilheim-City und Hepsisau darf die Musik dann ruhig auch ein bisschen lauter, härter und wilder sein.

  Foto: Kahlert

Mehr Party geht nicht? Doch. Am Pfingstsonntag eskaliert die „Swabian Madness“. Allerdings ganz bodenständig beim Weißwurst-Frühschoppen mit Blasmusik und Polka. Längst ein „Muss“ für viele Weilheimer. „Da hockt dann der Punk mit Irokesenschnitt neben der Weilheimer Omi“, lacht Jutta Ziller vom Mehrgenerationenhaus Linde, „ganz normal bei uns.“ Derweil tanzt eine Junggebliebene im feschen Dirndl mit Rocker-Weste drüber auf dem Tisch, genauso wie der extrem Langhaarige mit Bergbauernhut. Schuld an der bunten, ausgelassenen Stimmung sind die Blasmusiker von „Kulturanka“ mit ihrem bühnenreifen Frontmann Wolfgang Müller. Im echten Leben ist er Pastoralreferent, auf der Bühne ein ausgebuffter Entertainer, der das Festzelt zum Kochen bringt. Highnoon in Weilheim - viel Fest und viel Musik für wenig Geld, immer an Pfingsten.

Foto: Kahlert

Fotos: Günter Kahlert

 

Foto: Kahlert