Weilheim und Umgebung

Querfeldein über Stock und SteinEine schwäbische Erfindung

Motorsport Gas geben und über die Piste brettern – Monkeycross hat deutlich mehr zu bieten. Es bereitet junge Leute auf den Straßenverkehr vor. Von Daniela Haußmann

Wer Monkeycross fahren will, darf nicht zimperlich sein. Hinfallen gehört hier zur Tagesordnung.Fotos: Daniela Haußmann
Wer Monkeycross fahren will, darf nicht zimperlich sein. Hinfallen gehört hier zur Tagesordnung.Fotos: Daniela Haußmann

Mike, Nico und Fabian wirbeln ordentlich Staub auf. Wenn die Motoren ihrer Hondas brummen, beginnt eine wilde Fahrt über Stock und Stein. Mit der Hand am Gas jagen die drei Schüler auf einem Acker über Schanzen und Bodenwellen von Kurve zu Kurve. Während andere Jugendliche das Leder über den Bolzplatz kicken, beim Kampfsport den Gegner auf die Matte legen, Tischtennis, Handball oder Volleyball spielen, fahren die drei lieber Monkeycross. Ein Motorsport, der mit einer geländegängigen Version der Honda Monkey bestritten wird. „Das ist ein kleines, wendiges Motorrad, das ursprünglich für die Straße gebaut wurde“, erklärt Heico Schlauderer. Die drei bis neun PS starken Viertakter eignen sich gerade für Kinder und Jugendliche bestens zum Einstieg in den Motocross-Bereich, wie das Vorstandsmitglied des Hepsisauer Motorsportvereins (HMV) berichtet.

Kein Tag vergeht, an dem Mike nicht auf seinem Moped sitzt. Angefangen zu fahren hat er vor drei Jahren. „Da war ich sechs“, erzählt der Schüler. „Nach den ersten Fahrten hatte ich ganz schön Muskelkater.“ Anders als viele glauben, ist es laut Mike nicht damit getan, sich aufs Bike zu setzen, den Motor zu starten und Gas zu geben. „Wer Monkeycross fahren will, sollte fit sein und Kondition mitbringen“, weiß der Neunjährige. Er betont: „Ich spiele seit Jahren Fußball und trotzdem waren die ersten Fahrten anstrengend für mich.“ Sein Bruder Nico, der den Motorsport seit fünf Jahren ausübt, sieht es ähnlich. „Koordinationsvermögen, Geschicklichkeit, ein schnelles Reaktionsvermögen, Ausdauer und körperliche Belastbarkeit sind“, dem 12-Jährigen zufolge, „wichtig für den Sport.“ Und das aus gutem Grund.

Bei der Fahrt im unwegsamen Gelände müssen Stöße abgefangen, die Balance gehalten und die Maschine kontrolliert werden. „Stimmt die Fitness nicht, ist man schnell erschöpft, die Konzentration lässt nach und Fehler schleichen sich ein“, sagt Fabian. „Abseits der Crossstrecke Sport zu treiben gehört deshalb dazu.“ Die wilde Fahrt querfeldein zehrt nicht nur an den Kräften, sondern auch am Material. Die drei HMV-Mitglieder schwingen deshalb regelmäßig den Schraubenschlüssel. „Kupplungen, Kolben, Bremsen – an den Motorrädern kann so einiges kaputt gehen“, weiß Heico Schlauderer. „Die älteren Fahrer helfen bei den Reparaturen und geben ihr technisches Know-how an die jüngeren weiter.“ Aus Sicht des Kfz-Mechanikers fördert der Motorsport damit nicht nur die Teamfähigkeit, sondern biete auch ein Stück Berufsorientierung. Selbst wenn die jungen Crosser später weder eine Ausbildung noch ein Studium im technischen Bereich durchlaufen, lernen sie beim HMV etwas fürs Leben – davon ist Heico Schlauderer überzeugt.

Einerseits ist es nach Meinung des Kfz-Mechanikers nie schlecht, technische Kenntnisse zu besitzen und etwas selbst reparieren zu können. Andererseits bereite das Training die Heranwachsenden auf die Führerscheinprüfung und den Straßenverkehr vor. „Wer den Moped- oder Motorradführerschein macht, hat es in der Fahrschule eindeutig leichter“, betont Heico Schlauderer. „Außerdem lernen die Kinder und Jugendlichen im Verein umsichtig und vorausschauend zu fahren.“ Wer bei Wettbewerben im Pulk der Teilnehmer sicher im Ziel ankommen will, muss zwangsläufig verantwortungsbewusst, mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit und die der Mitbewerber, hinterm Lenker sitzen.

„Die Jungs und Mädels trainieren auf matschigem, rutschigem Untergrund.“ Das schärft Schlauderer zufolge die Reflexe und sorgt auch bei Schlechtwetterverhältnissen auf der Straße für mehr Sicherheit. Das und die Erfahrung, die die Heranwachsenden im Motorsport sammeln, helfen nach Ansicht des HMV-Vertreters im Straßenverkehr in brenzligen Situationen schnell und vor allem richtig zu reagieren. Das fahrerische Können, das im Verein eingeübt und fortlaufend verbessert wird, ist für Schlauderer nicht nur beim Motorrad-, sondern auch beim Autofahren eine wertvolle Hilfe.

Mike, Nico und Fabian jedenfalls haben Spaß an ihrem Sport. Dass er gefährlich ist, ist ihnen bewusst. Ohne Schutzausrüstung setzen sie sich deshalb nicht auf ihr Zweirad. Einen schweren Unfall hatte noch keiner der drei Crosser. „Natürlich bin ich mit dem Motorrad schon umgekippt“, erzählt Mike. „Aber etwas Schlimmes ist mir noch nicht passiert.“ Das HMV-Mitglied ist nie ohne seine Schutzausrüstung unterwegs, zu der ein Helm, ein Nackenschutz, ein Brustschutz und Crossstiefel gehören. Schließlich will Mike nach jedem Training und Wettbewerb wieder gesund nach Hause kommen.

Monkeycross ist keine amerikanische Erfindung. Die Sportart hat ihren Ursprung im Schwabenland. In Diegelsberg, im Landkreis Göppingen, heizten in den Siebzigerjahren stolze Besitzer einer Honda Monkey über Äcker und Wiesen. Die Minimotorräder wurden damals ausschließlich für die Straßennutzung gebaut. Geländegängige Ausführungen gab es nicht. Das hinderte die offroadbegeisterten Biker allerdings nicht daran 1974 die erste offiziellen Monkeycross-Meisterschaft ins Leben zu rufen. Heute ist Monkeycross ein internationaler Sport, der sich großer Beliebtheit erfreut.

„Wer Monkeycross fahren will, sollte fit sein und Kondition mitbringen.

Mike

Monkeycrossfahrer

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und SteinEine schwäbische Erfindung
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