Weilheim und Umgebung

Raus aus dem Alltag – rein in die Berge

Mit Bergcoach Klaus Metzner aus Bissingen richtig gehen lernen

Gehen – das kann doch jeder, oder? Klaus Metzner, Bergcoach aus Leidenschaft, sieht das anders: „Gute Gehtechnik braucht Erfahrung und Übung“. Und ist eben doch mehr als einen Fuß vor den anderen setzen.

Klaus Metzner kennt die Berge wie seine Westentasche und führt Neulinge.Foto: privat
Klaus Metzner kennt die Berge wie seine Westentasche und führt Neulinge.Foto: privat

Bissingen. „Der Weg zum optimalen Gehen ist meine Leitidee“, erklärt Metzner. Gehen kann doch jeder, sollte man meinen. Doch heutzutage fehlt vielen Menschen die Erfahrung und die Übung, sich sicher im Gebirge zu bewegen. „Die Selbsteinschätzung stimmt oft nicht – und das führt zur Selbstüberschätzung“, beobachtet Metzner. Doch richtiges Gehen kann man lernen. „Alles, was Sie dazu brauchen, ist etwas Kondition und gutes Schuhwerk“, schmunzelt er. Und dann kann es schon losgehen. Im wortwörtlichen Sinne.

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Gemeinsam mit seinen Kunden macht sich Metzner auf den Weg, beobachtet und filmt Bewegungsabläufe. „Ich beobachte, wie die Leute gehen. Rutschen sie? Dann überlege ich, wie ich sie ins Lot bringe, welche Technik sie brauchen“, erklärt Metzner. Trotz der Analyse und der Einübung neuer Bewegungsabläufe kommen natürlich der Spaß und die Freude am Wandern nicht zu kurz. „Ich zeige aber auch, wann ich wie Wanderstöcke einsetze, und wann ich sie besser weglasse“. Ob nun allein oder in einer Gruppe, direkt vor der Haustür oder im Gebirge, Klaus Metzner ist für alles offen. „Ich vermittle aber auch Wissen über das Wetter oder Gefahren am Berg – oder, wie man einen Bach richtig quert. Das kann man übrigens auch im Zipfelbachtal in Hepsisau probieren.“

Wandern – ob auf der Alb oder im Gebirge – ist ein richtiger Boom. Auch die Studie „Der Deutsche Wandermarkt 2014“ stellt fest: „Wandern ist ein Trend“. Jeder Vierte wandert im Urlaub. Bei den Älteren ist es sogar jeder Dritte. „Vor allem die Seltenwanderer werden mehr, der Anteil der regelmäßigen sowie gelegentlichen Wanderer ist gleich geblieben“, heißt es in der Studie. Doch gleichzeitig schwinden in den klassischen Wandervereinen die Mitglieder, immer weniger Leute wollen sich in Vereinen einbringen, sich binden. Das ist die Chance für Klaus Metzner und seine Kollegen.

Metzner selbst, langjährig im Maschinenbau tätig, ist seit seiner Jugend dem Reiz der Berge verfallen. Lange Jahre nebenberuflich als Bergwanderführer und Skilehrer tätig, hat er mit Ende 50 nach einem Lawinen­unfall noch mal komplett neu angefangen und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit einem Jahr ist nun Klaus Metzner mit „Kosmoalpin“ Vollzeit im Bergcoaching selbstständig. „Dabei ist sicheres Gehen mein Hauptthema – es geht also nicht um Gipfel oder um hohe Leistung“, erklärt Metzner. „Das sichere Gehen bringt auch Selbsterfahrung – und Selbstvertrauen“. Dazu passt Metzners zweiter Schwerpunkt: Angstbewältigung, beispielsweise Höhenangst. „Oft gründet sich diese Angst auf einer Unsicherheit im Gehen. Arbeitet man an mehr Sicherheit, übt Bewegungsabläufe, dann fühlt sich der Wanderer sicher. Und dann ist auch die Überquerung einer Hängebrücke möglich. Ich habe noch alle drüber gebracht – und die Freude ist nachher riesig. Da können die Teilnehmer stolz auf sich sein“. Jedes Alter kann mit Klaus Metzner zum Wandern (zurück)kommen – sein ältester Teilnehmer auf der Alpenüberquerung war 80 Jahr alt. Aber es kommen auch vermehrt junge Leute, die in die Berge wollen und ihn als Bergführer buchen. Dabei ist Metzner sehr flexibel was Ziel und Länge der Tour betrifft: „Ich kenne die Berge und Hütten wie meine Westentasche.“