Weilheim und Umgebung

„Rein, festtreten, das Grüne nach oben“

Setzen statt sitzen: Der Neidlinger Gemeinderat hat 100 Nadelbäume gepflanzt

Der Vorschlag kam von Gemeinderat Thomas Maier: Könnte nicht der Neidlinger Gemeinderat in einer Aktion im Gemeindewald 100 Nadelbäume pflanzen? Damit wäre längerfristig der Bedarf an Tannenreisig, etwa für den Kindergarten, abgedeckt – und das Gremium machte sich an die Arbeit.

Nicht nur reden, sondern auch schaffen können die Mitglieder des Neidlinger Gemeinderats: Sie pflanzten kleine Tannenbäumchen. F
Nicht nur reden, sondern auch schaffen können die Mitglieder des Neidlinger Gemeinderats: Sie pflanzten kleine Tannenbäumchen. Foto: Peter Dietrich

Neidlingen. Das ist wohl der klare Unterschied zwischen den politischen Ebenen: Käme ein Staatsoberhaupt oder Minister zum Pflanztermin, wären die Löcher schon gegraben, der Politiker müsste nur den Setzling in die Kameras halten und fertig. Auf der kommunalen Ebene läuft das etwas anders, die Arbeit war echt. Der Neidlinger Bauhof hatte aber schon den Zaun gezogen, der die Setzlinge vor dem Wild schützt. Sonst hätten sie keine Chance, denn die überwiegend gepflanzte, zarte und im Gewann zudem seltene Weißtanne ist beim Wild sehr beliebt. An der zwischendurch gesetzten Douglasie lässt es sich herrlich schrubben, dann duftet es, ein Reh kann schließlich in keinen Parfumladen gehen. Von Touristen hätten die Setzlinge eher nichts zu befürchten – wer sich bis ins abgelegene Gewann Aichach, Abteilung VI des Neidlinger Gemeindewalds, verirrt, muss wohl zwingend ein Wanderer und Naturliebhaber sein.

Durch das Gebiet führt der „Salatweg“, den Ursprung dieses Namens erläuterte Bürgermeister Klaus Däschler. Einst habe eine Neidlingerin sich sonntags um 11 Uhr auf den Weg gemacht, um auf der Albhochfläche einen frischen Salatkopf für das Sonntagsmahl zu holen, um 12  Uhr war sie zurück. Gemeinderäte ergänzten, die Dame sei nicht die einzige gewesen, die den Trampelpfad zum Acker zu solchen Zwecken benutzt habe.

Dass das Gremium mit Sachverstand vorging, war gesichert: Gemeinderat Thomas Maier ist gelernter Förster, arbeitet nun beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Gemeinderat Matthias Klein ist Forstwirt. Zudem kam der Weilheimer Revierleiter Markus König, der die Aktion ausdrücklich guthieß, zum Pflanztermin. „Rein, festtreten, das Grüne nach oben“, fasste Maier die Handlungsanweisung zusammen. Gepflanzt wurde in Reihen, immer gegen den Berg wurden mit dem Hohlspaten die Löcher gegraben, im Abstand von etwa eineinhalb Metern. „Das Wetter ist optimal“, sagte Maier, noch besser gehe es nicht. Die 24 Grad Celsius, die es am 25. April des Vorjahres hatte, wären weniger geeignet gewesen. Perfekt, so Maier, sei es, wenn es anschließend noch schneie. Dann würden die Wurzeln am besten mit Mineralstoffen versorgt. Kräftig mit Schlamm versorgt wurden die Schuhe der Gemeinderäte. Daher kehrten sie zum anschließenden Vesper nicht in den Sitzungssaal zurück, sondern nahmen dieses im Keller des Bauhofs zu sich. Der Geschenkkorb des Holzmadener Gemeinderats von zwei Wochen vorher kam da gerade recht.

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