Weilheim und Umgebung

Retter eines „großartigen Bauwerks“

Ehrenamt Die Stiftung der Peterskirche in Weilheim hat ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. In den Jahren 2014, 2015 und 2017 hat sie große Beträge zum Erhalt der Kirche bereitgestellt. Von Gabriele Böhm

Historiker Hans Klöhn, Bürgermeister Johannes Züfle, Pfarrer Helmut Liebs, Pfarrer Eckhardt Schlatter, Stiftungsratsvorsitzender
Historiker Hans Klöhn, Bürgermeister Johannes Züfle, Pfarrer Helmut Liebs, Pfarrer Eckhardt Schlatter, Stiftungsratsvorsitzender Matthias Hennig, Pfarrer i.¿R. Peter Brändle und Gründungsstifter Karl Ulmer freuen sich über den Erfolg der Stiftung. Foto: Gabriele Böhm

Die Stiftung ist ein herausragendes Beispiel für Bürgersinn und Ehrenamt“, sagte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle, der gleichzeitig stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender ist. In der Peters­kirche ist jetzt unter großer Beteiligung das zehnjährige Bestehen der Stiftung mit einem Festakt begangen worden. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Männervokalensemble „Six in a box“.

Viele Bürger, auch er selbst, seien mit der wertvollen Kirche durch persönliche Ereignisse wie Trauungen oder Konfirmationen verbunden, sagte Züfle. „Frühzeitig und rechtzeitig hat die Stiftung zugepackt, um ein einmaliges und großartiges Bauwerk zu retten.“ Züfle dankte vor allem Karl Ulmer und Peter Brändle, Gründungsstifter und geschäftsführender Pfarrer der Anfangszeit. „Sie sind Geburtshelfer und bis heute die Seele der Stiftung.“ Der Bürgermeister dankte auch allen Mitstreitern im Stiftungsrat und den Gebern. Die Kirchenstiftung sei eine „Botschafterin in einer gesellschaftlich bewegten Zeit, in der Gemeinschaft gegen Egoismus“ gesetzt werden müsse. Gut aufgestellt könne man einer „gedeihlichen Zukunft“ entgegenblicken.

Neben der Feier der ersten urkundlichen Erwähnung Weilheims und der Verleihung der Stadtrechte sei der Stiftungsgeburtstag das dritte große Jubiläum in diesem Jahr, sagte Pfarrer Matthias Hennig, Vorsitzender des Stiftungsrats. In den Jahren 2014, 2015 und 2017 habe die Stiftung große Beträge zur Verfügung gestellt, um wesentliche Renovierungsarbeiten an der spätgotischen, freskengeschmückten Hallenkirche durchführen zu können. „Doch die Restauratoren haben weitere Schäden wie Abplatzungen an den Bildern festgestellt, die dringend behoben werden müssen.“ Daher werde die Stiftung auch weiterhin große Bedeutung haben. „Vielen Dank für Ihren Mut, Ihre Großzügigkeit und Ihr Vertrauen“, sagte Matthias Hennig.

Pfarrer Helmut Liebs, bei der Landeskirche zuständig für Fundraising und Stiftungsmanagement, erinnerte an die Anfänge des Stiftungswesens, das im 7. Jahrhundert mit der Gründung von Eigenkirchen auf adligem Besitz begann. Inzwischen gebe es in Deutschland mindestens 50 000 Stiftungen, davon 148 in der Landeskirche. Stifter und Spender handelten aus einer inneren Überzeugung. „Sie sehen die Peterskirche als Herz der Kirchengemeinde, wenn nicht gar des ganzen Ortes.“ Die Kirche sei „Herzensort“ für Gottesdienste, Konzerte oder stille Einkehr.

Der Weilheimer Historiker Hans Klöhn stellte in seinem Vortrag die Kirche als Kleinod dar, das in einer Zeit von „Turbulenzen und Verwerfungen“ in Württemberg entstanden sei. Keine der zeitgleichen Kirchen, wie beispielsweise die Amanduskirche in Bad Urach, habe einen ähnlichen Bilderreichtum wie die Peterskirche. „In ihrer Eigenwilligkeit fällt sie völlig aus dem Rahmen.“ Mit Thomas Schick habe man einen fähigen Maler an der Hand gehabt, der das „Weltgericht“ an der Ostwand zum Chor schuf. Das Rosenkranzgemälde, das „Martyrium der heiligen Katharina“, die Darstellungen an der Süd-, West- und Nordseite mit bib­lischen Geschichten, die Bilder auf den Emporenbrüstungen und die Kanzel nannte Klöhn als weitere Highlights. Einem glücklichen Zufall sei zu verdanken, dass die Werke die Reformationszeit überdauert hätten.

Das Ensemble „Six in a box“ um den Weilheimer Vikar Marius Böhmerle war aus Krankheitsgründen nur zu fünft vor Ort. Es nahm das Publikum aber mit schönen Stimmen und einer sauberen Intonation mit auf einen musikalischen Streifzug. Dieser reichte von gregorianisch-schlichten Klängen über das englische Mad­rigal „If you love me“ aus dem 16. Jahrhundert, Spirituals und Barbershop-Songs bis zur zeitgenössischen Komposition von „Ubi caritas“ und „White Christmas“.

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