Weilheim und Umgebung

Ringen um eine zweite Zufahrtsstraße

Die Stadt Weilheim möchte zugunsten des Baugebiets Gänsweide II ihr Vorkaufsrecht nutzen

Das künftige Baugebiet „Gänsweide II“ in Weilheim braucht eine zweite Zufahrt. Sie soll über das Grundstück in der Bissinger Straße 15 führen. Auf dem freien Markt ist es der Stadt allerdings nicht gelungen, die Immobilie zu erwerben. Jetzt möchte sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen.

Wo in der Bissinger Straße 15 noch ein Haus und eine Scheune stehen, könnte in Zukunft eine Straße zum Neubaugebiet Gänsweide II
Wo in der Bissinger Straße 15 noch ein Haus und eine Scheune stehen, könnte in Zukunft eine Straße zum Neubaugebiet Gänsweide II führen.Foto: Jean-Luc Jacques

Weilheim. Eine einzige Straße für ein komplettes Wohngebiet – das reicht aus Sicht der Weilheimer Stadtverwaltung nicht aus: „Eine zweite Anbindung für die Gänsweide II – neben der Limburgstraße – ist aus städtebaulichen Gründen wichtig“, sagt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Gibt es nur eine Zufahrt, kann das bei Kanalsanierungen, Straßenreparaturen oder Feuerwehreinsätzen hinderlich sein. „Wir kennen das von den Gewerbegebieten Au und Tobelwasen. Wenn man dort sanieren will, muss man eine Nachtbaustelle einrichten“, so Züfle.

Im März hatte die Stadt eine neue Variante vorgelegt, wie das Baugebiet Gänsweide II durch eine zweite Straße erschlossen werden könnte – über eine Zufahrt, die bei Haus Nummer 15 in die Bissinger Straße einmündet. Eben diese Immobilie stand nun vor Kurzem zum Verkauf. „Leider ist es uns im Direkterwerb nicht gelungen, das Grundstück zu bekommen“, informiert Johannes Züfle. Zwar habe die Stadt den gleichen Preis geboten wie ein auswärtiger Interessent. Dennoch habe der Privatmann den Zuschlag erhalten.

Nun möchte die Kommune von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, um doch noch an die Fläche zu kommen. „Da geht es um Belange der Allgemeinheit“, begründet der Rathauschef das Vorgehen. Der Gemeinderat hat dafür grünes Licht gegeben.

Der Bebauungsplan „Gänsweide II“ mit der neuen Erschließungsvariante liegt bis zum 29. April öffentlich aus. Während dieser Zeit können Interessierte ihn noch im Rathaus einsehen, Anmerkungen und Einwendungen einreichen. Der Beschluss des Gemeinderats, die Gänsweide II zu bebauen, liegt bereits zweieinhalb Jahre zurück. Dass sich das Verfahren so lange hinzieht, hat laut Johannes Züfle auch mit der „traumhaften Lage“ zu tun. „In sensiblen Gebieten im Außenbereich kann so etwas lange dauern“, weiß Züfle. Wo künftig Häuser stehen sollen, befinden sich jetzt noch Streuobstwiesen, die Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. Die Stadt musste deshalb ein umfangreiches artenschutzrechtliches Gutachten erstellen lassen. Dabei wurden unter anderem Juchtenkäfer und der Halsbandschnäpper entdeckt. Für die geschützten Tiere konnten jedoch Ausweichmöglichkeiten gefunden werden.

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