Weilheim und Umgebung

Risikofreudig und innovativ

Nachruf auf Rainer Merkle – Sein Holzbauunternehmen in der Fabrikstraße in Bissingen setzt Maßstäbe

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Der Inhaber und Geschäftsführer der Bissinger Firma Holzbau Merkle, Rainer Merkle, ist tot. Der Unternehmer erlag am Samstag einem Herzinfarkt.

Richard Umstadt

Bissingen. Rainer Merkle führte den von seinem Vater 1954 gegründeten klassischen Zimmereibetrieb zu einem europaweit tätigen, zukunftsorientierten Unternehmen, der Merkle Gruppe. Als erster Holzbearbeitungsbetrieb in Baden-Württemberg besaß die Firma 1998 ein anerkanntes Umweltmanagementsystem. 2003 stellte er der Holzbau Merkle GmbH die Projekt Holzbau Merkle K.o.m. GmbH für die beratende Projektentwicklung, -planung, -steuerung und -abwick­lung an die Seite. Ausgehend vom traditionellen Zimmermannsbau expandierte das Werk unter Rainer Merkle und öffnete sich neuen Märkten im Bereich der Holzbearbeitung.

Erstmals aufhorchen ließ das Bis­singer Holzbauunternehmen die Fachwelt durch den Bau eines fünfgeschossigen Bankgebäudes ganz aus Holz in der Nähe von Dublin. Bereits 1998 hatte Merkle Holzbau durch ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus in Massivholzbauweise in Freiburg von sich reden gemacht. Nach Dublin kamen Folgeaufträge. In der Schweiz entstanden 2004 sieben viergeschossige Studentenwohnheime. In Dänemark baute der Bissinger Spezialist für die Brettstapelbauweise 38 Reihenhäuser.

2007 ging der erste Preis des internationalen Wettbewerbs „Solar Decathlon“ um das attraktivste und energieeffizienteste Solarhaus nach Deutschland, entwickelt von der TU Darmstadt, gebaut im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in den Hallen der Firma Holzbau Merkle. Ebenfalls 2007 erstellte der Holzbauspezialist in Berlin das europaweit erste siebengeschossige Wohnhaus aus Holz. Nördlich von London plante Projekt Holzbau Merkle und Merkle Holzbau ein neungeschossiges Appartementhaus.

Dabei war Rainer Merkle nicht nur im Ausland mit seinem Unternehmen aktiv. Auch in der Region stehen zahlreiche Gebäude, die von Merkle Holzbau errichtet wurden, darunter die architektonisch ausgezeichnete Zuschauerhalle des Reutlinger Naturtheaters, ein „Zirkuszelt“ aus Holz, die Fünffach-Sporthalle in Schwäbisch Gmünd und das Eisbärhaus in Kirchheim, um nur einige zu nennen.

2011 beteiligte sich das Bissinger Holzbauunternehmen an einem Forschungsprojekt des Bundesbauminis­teriums und erstellte das Energie-Plus-Haus. Ein Jahr später errichtete Holzbau Merkle auf dem Campus der TU München einen markanten Holzbau in Wellenoptik für rund 800 Studenten.

Noch im Mai dieses Jahres berichtete Rainer Merkle begeistert von seinem neuesten „Kind“, dem modernen Besucherzentrum im UNESCO-Weltnaturpark Wattenmeer bei Cuxhaven. Seit 2009 heimste das Unternehmen regelmäßig Preise ein, so den Deutschen Holzbaupreis, den Baden-Württembergischen Holzbaupreis sowie den Bayrischen Holzbaupreis.

Nun wehen die Fahnen von Projekt Holzbau und Merkle Holzbau in der Bissinger Fabrikstraße 31 auf Halbmast. Die Seegemeinde verliert mit Rainer Merkle nicht nur einen engagierten, weitsichtigen Unternehmer, sondern auch einen Bürgervertreter, der seit 2004 im Gemeinderat mitwirkte. Dabei brachte er seinen großen Erfahrungsschatz in verschiedene Ausschüsse ein, wie den Verwaltungs- und Finanzausschuss, den Bauausschuss und den Gutachterausschuss. In seiner dritten und letzten Wahlperiode gehörte er dem Ausschuss für Technik und Umwelt an. Zudem war er in Bauprojektgruppen wie beispielsweise zur Modernisierung und Erweiterung der Aussegnungshalle aktiv tätig.

Bereits im vergangenen Jahr stellte Rainer Merkle die Weichen für die Zukunft und strukturierte Projekt Holzbau und Merkle Holzbau zur Merkle Gruppe um mit insgesamt zehn Firmen. Die Geschäftsführer Dirk Oettel und Tino Bühler führen die Hauptfirmen Projekt Holzbau und Merkle Holzbau mit einer „sehr guten Auftragslage“ ganz im Sinne des Verstorbenen weiter.

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