Weilheim und Umgebung

Sanitätsdienst im Vollschutz

Corona DRK-Helfer bieten für die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in Nürtingen, Oberboihingen und Unterensingen einen Gesundheitscheck an. Jeden Abend stehen die Ehrenamtlichen bereit. Von Nicole Mohn

In voller Montur checken die Helfer die Gesundheit der Bewohner.Foto: Nicole Mohn
In voller Montur checken die Helfer die Gesundheit der Bewohner. Foto: Nicole Mohn

Die Corona-Infektionen haben den Landkreis nach wie vor fest im Griff. Über 2200 Menschen stehen unter Quarantäne. Darunter etliche Einrichtungen für Flüchtlinge. Der Sanitätsdienst des DRK-Kreisverbandes Nürtingen-Kirchheim unterstützt seit zwei Wochen das Landratsamt bei der Betreuung von Bewohnern der betroffenen Unterkünfte in Nürtingen, Oberboihingen und Unterensingen. Jeden Abend bieten Ehrenamtliche an Fieber-Messstationen einen kurzen Gesundheitscheck an.

Im Sanitätszelt vor der Flüchtlingsunterkunft bereiten Torsten Stutz vom DRK Wendlingen und sein Kollege Frank Schaich den allabendlichen Check-up vor. Listen und Protokolle werden herausgesucht und die Geräte kontrolliert. „Wir messen bei den Bewohnern die Körpertemperatur nehmen, den Puls und die Sauerstoffsättigung“, erklärt Martin Beuker von der DRK-Bereitschaft Weilheim den Ablauf an der Fiebermessstation. Zudem fragen die Helfer ab, ob es Beschwerden wie Halsschmerzen oder trockenen Hus­ten gibt. Alle Angaben werden auf Patientenbögen protokolliert: „Wir führen für die Flüchtlinge so auch das Corona-Tagebuch“, sagt ­Torsten Stutz.

Treten Symptome auf, informieren die Helfer das Landratsamt. Verschlechtert sich der Zustand eines Bewohners, holen die Helfer den ärztlichen Notdienst hinzu oder alarmieren gegebenenfalls einen Rettungswagen. Bevor jedoch die ersten Bewohner ins Zelt können, müssen sich die beiden Helfer an der Fiebermessstation erst einmal umziehen. Um die Einsatzkräfte bestmöglich zu schützen, gilt für die Betreuung der Fiebermessstationen Vollschutz. Dazu schlüpfen Stutz und Schaich in gelbe Schutzanzüge. Sorgsam werden Ärmel und Hosenbeine des Anzugs heruntergezogen. Nach dem Anlegen wird der lange Reißverschluss vorn verklebt, die Haare verschwinden erst unter einem Haarnetz, dann unter der engen Kapuze des Anzuges.

Zum Anzug kommen Maske, Schutzbrille und ein Schutzschild für das Gesicht. Die Hände stecken in drei Handschuh-Schichten. „Das zweite Paar wird fest mit dem Anzug verklebt“, erläutert Beuker das Vorgehen. Der dritte Handschuh gilt dem Schutz der Patienten: „Wird der verunreinigt, können wir die austauschen. Der unterste dient als Schutz für den Helfer beim Ablegen der Schutzmontur.“ „Die Anzüge zählen zur höchsten Schutzklasse“, sagt ­Beuker. Damit arbeiten die Helfer unter einem höheren Schutz als beispielsweise die Kräfte in den Krankenhäusern. „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, weil hier ausschließlich Sanitätshelfer im Einsatz sind und keine ausgebildeten Pflegekräfte“, sagt der Experte vom Weilheimer DRK. Trotzdem haben viele Helfer Respekt vor der Aufgabe, sagt er: „Im infektiösen Bereich zu arbeiten, ist nichts Alltägliches“, weiß er um das Risiko, das die Ehrenamtlichen hier im Einsatz auf sich nehmen.

Mit Blick auf die unklare Entwicklung des Infektionsgeschehens bietet der DRK-Kreisverband seinen Einsatzkräften derzeit zudem wieder verstärkt Schulungen zum Thema Infektionsschutz an. „Das ist auch für uns ein Thema, das lange Zeit sehr weit weg war“, gibt Beuker zu.

Sechs bis zehn Ehrenamtliche sind es, die täglich an den Unter­künften in der ­Max-Eyth-Straße in Nürtingen sowie in ­Oberboihingen und Unterensingen den kurzen Check-up anbieten. Zusätzlich sind Helfer des DRK im Auftrag der Stadt Nürtingen bei der Anschlussunterbringung in Raid­wangen vor Ort. „Hier sind wir alle zwei Tage im Einsatz“, heißt es bei der Kreisbereitschaftsleitung.

Gestemmt werden die Einsätze hauptsächlich von den Bereitschaften aus Kirchheim, Weilheim, Nürtingen, Frickenhausen, Wendlingen sowie Großbettlingen. Unterstützung kommt von der Rettungshundestaffel als auch der DLRG. Insgesamt sind die Helfer des DRK Nürtingen-Kirchheim so für über 160 Menschen da.

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